Informationen
DFB will keine Quote
Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, hat sich gegen eine Frauenquote im Dachverband und den Landesverbänden ausgesprochen. Natürlich müsste der DFB mehr kompetente Frauen in den Gremien integrieren. "Aber eine ‚Frauenquote’ wäre beim DFB hinderlich. Wir sollten uns nicht über solch einen Proporz entzweien", sagte Zwanziger am 26. August auf dem Frauenfußball-Kongress "Alles, außer Abseits!" in Mainz.
Gleichzeitig forderte der DFB-Präsident höhere TV-Gelder für den Frauenfußball. "Wenn ich sehe, dass wir bei den Fernsehrechten das 40-fache für die Übertragung eines Männer-Länderspiels als bei unseren Frauen erzielen, dann stimmt der Abstand nicht mehr", so Zwanziger. Die Einschaltquoten könnten der Grund nicht sein: "Auch unsere Frauen spielen vor einem Millionenpublikum", sagte Zwanziger.
Nur zehn Prozent Frauen in Vereinsvorständen
Die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Ilse Ridder-Melchers, lobte auf dem Kongress den mitgliederstärksten Verband im DOSB für sein starkes Engagement beim Frauenfußball.
Aktuell ist zwar erst etwa jedes sechste Mitglied in den gut 25.000 deutschen Fußball-Vereinen weiblich. Doch gehöre der DFB zu den erfolgreichsten Aufsteigern überhaupt im Frauensport, so Ridder-Melchers. Seit 2001 ist der Anteil der weiblichen Mitglieder beim DFB um 20 Prozent gestiegen. Doch wie überall sieht es auch hier auf den höheren Ebenen weniger erfreulich aus. "In den Vereinsvorständen haben wir nur einen Frauenanteil von zehn Prozent", sagte Ridder-Melchers.
Vor vierzig Jahren, im Herbst 1970, hob der DFB das Verbot für Frauenfußball auf. DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg wagte in Mainz schon mal einen Blick in die Zukunft: "Vielleicht", sagte die einzige Frau im Präsidium, "hat der DFB irgendwann mal eine Präsidentin."
DFB-Präsidentin mittelfristig unwahrscheinlich
Eine Frau an der Spitze des DFB scheint indes so schnell nicht in Sicht: Nach dem Ligaverband haben sich am 30. August auch die Regional- und Landesverbände für eine weitere Amtszeit Theo Zwanzigers ausgesprochen.
Der betonte auf dem Mainzer Mädchen- und Frauenfußballkongress, die Wahl einer DFB-Präsidentin sei mittelfristig unwahrscheinlich. "Ich wünsche mir, dass man das Ganze nicht plakativ an einer solchen Entscheidung misst, sondern an dem, was tatsächlich geleistet wird", sagte Zwanziger zur Nachrichtenagentur dpa. "Aber wenn eine Frau es kann, dann soll sie die gleiche Chance haben wie ein Mann, wenn es um einen Wettbewerb in dieser Frage gehen wird irgendwann einmal."
Am 21. und 22. Oktober wird der Bundestag des Deutschen Fußballbundes in Essen über die Wahl des Präsidenten entscheiden.
Weitere Informationen:
Unter dem Motto 7:0 für den Frauen- und Mädchenfußball wurden auf dem Mainzer Kongress
sieben Forderungen für den Bereich Leistungs- und Breitensport sowie Ehrenamt zusammengefasst.
Erstellt am: Montag 30. August 2010
Thema: Fußball, Sport, Gleichstellung, Führungspositionen



