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Sexuelle Gewalterfahrungen von Mädchen
Fast jedes fünfte Mädchen (19%) mit Migrationshintergrund hat im Alter von 14 bis 17 Jahren bereits Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Studie „Jugendsexualität 2010“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit dem Schwerpunkt Migration.
Auch Mädchen ohne Migrationshintergrund sind sexuelle Übergriffe und Gewalt nicht unbekannt. 13 Prozent von ihnen berichteten laut BZgA über Situationen, in denen sie sich gegen unerwünschte sexuelle Übergriffe oder Gewalt zur Wehr setzen mussten. Sehr viel seltener als Mädchen machten Jungen Gewalterfahrungen: lediglich 2 Prozent der gleichaltrigen Jungen mit Migrationshintergrund und ein Prozent der deutschen Jungen.
Mädchen ohne Migrationshintergrund gaben an, dass es ihnen in fast 50 Prozent der Fälle gelang, sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. Mädchen mit Migrationshintergrund widersetzten sich demnach den Repressionen von Männern stärker (58%). Und doch: Bei den sexuell erfahrenen Mädchen kam es in jeder vierten Gewaltsituation zum Geschlechtsverkehr.
Bis 17 Jahre hatte mehr als ein Drittel noch keinen Geschlechtsverkehr
Verglichen mit der vorherigen BzgA-Repräsentativerhebung aus dem Jahr 2005 sind Mädchen und Jungen ohne Migrationshintergrund seltener früh sexuell aktiv. Bei den 14-jährigen Mädchen sank der Anteil derjenigen, die bereits Geschlechtsverkehr hatten, deutlich von zwölf auf sieben Prozent, bei den gleichaltrigen Jungen sogar von zehn auf vier Prozent. Auch die schon etwas älteren Mädchen scheinen mit dem „ersten Mal“ noch etwas länger zu warten. Bei den 17-jährigen Mädchen verringerte sich der Anteil derer, die bereits Geschlechtsverkehr hatten, von 73 auf 66 Prozent, bei den gleichaltrigen Jungen blieb er mit 65 Prozent konstant.
„Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Die aktuelle Repräsentativerhebung zeigt, dass seit Mitte der neunziger Jahre die sexuelle Aktivität Jugendlicher fast unverändert und jetzt sogar rückläufig ist.“
In der Regel erleben deutsche Jugendliche ihr „erstes Mal“ in einer festen Beziehung. Darüber hinaus ist die Hälfte der sexuell aktiven Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren bislang lediglich eine Partnerbeziehung eingegangen. Für deutsche Jungen trifft das auf 40 Prozent zu.
Jungen aus Migrantenfamilien sind häufiger sexuell aktiv
Jungen aus Migrantenfamilien sind früher und damit insgesamt häufiger sexuell aktiv als nicht-migrantische Jungen. Mädchen sind hier deutlich zurückhaltender, weil sie sich nach eigenen Aussagen dafür noch zu jung fühlen. Vor allem bei jungen Frauen muslimischen Glaubens, insbesondere bei türkischen Mädchen, sind nur wenige sexuell aktiv. Die Mehrheit von ihnen findet einen engen Kontakt zum anderen Geschlecht vor der Ehe nicht richtig.
Seit 1980 untersucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung regelmäßig Einstellungen und Verhaltensweisen 14- bis 17-jähriger Jugendlicher zu Aufklärung, Sexualität und Verhütung. Für die aktuelle Studie „Jugendsexualität 2010“ wurden insgesamt 3.542 Jugendliche befragt, darunter 1.014 Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund. Die vollständigen Ergebnisse liegen nun vor.
Weitere Informationen:
Studie „Jugendsexualität 2010“
Erstellt am: Dienstag 07. September 2010
Thema: Gesundheit, Sexualität, Migration, Verhütung, Gewalt,



