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Armutsdruck bei Alleinerziehenden unverändert hoch
Die Situation von Alleinerziehenden in Deutschland muss sich dringend verbessern. In ihrem Bericht zur Lage der Kinder in Industrienationen kommt der Kinderfonds der Vereinten Nationen (UNICEF) zum Ergebnis: Alleinerziehende Mütter sind hier zu Lande besonders stark von materieller Armut betroffen.
An der materiellen Situation vieler Kinder in Deutschland - insbesondere derjenigen, die bei Alleinerziehenden aufwachsen - hat sich laut UNICEF kaum etwas geändert. Von rund zwei Millionen Kindern und Jugendlichen, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, müssen 34 Prozent oder fast 700.000 Kinder mit weniger als 60 Prozent des Äquivalenzeinkommens auskommen. Rund 350.000 verfügen sogar nur über weniger als 50 Prozent. Das Armutsrisiko für Alleinerziehende ist seit zwölf Jahren unverändert hoch. „Der Armutsdruck ist gerade für Alleinerziehende dramatisch. Sie werden von der Politik bisher nicht erreicht“, sagte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, bei der Vorstellung der Studie in Berlin.
Deutliche Defizite im Mittelfeld
Der neuen Vergleichsstudie zur Situation der Kinder in Industrieländern zufolge liegt Deutschland auf Platz acht und damit im oberen Mittelfeld von 21 Industrienationen, wenn es darum geht, gute Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Den ersten Platz belegen erneut die Niederlande. „Es gibt keinen Anlass, es sich auf einem Mittelplatz bequem zu machen. Denn dahinter verbergen sich deutliche Defizite“, so Stachelhaus.
Als Besorgnis erregend wertet UNICEF, dass Jugendliche hierzulande ihre beruflichen Perspektiven düsterer sehen als ihre Altersgenossen in allen anderen Industrienationen. Häufiger als junge Menschen in anderen Ländern berichteten sie davon, sich allein gelassen und als AußenseiterInnen zu fühlen.
Zu wenig Zutrauen für die Zukunft
Prof. Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin, Autor der Studie, warnte: „Erwachsene müssen Kindern den Glauben an sich selbst vermitteln, um sie auch für eine unsichere Zukunft zu stärken. ’Du kannst es schaffen!’ – das ist die Botschaft, die bei amerikanischen Jugendlichen trotz ungünstigerer Bedingungen ankommt. In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach dem Motto: ‚Pass auf, dass Du nicht scheiterst!’“
Anknüpfend an die UNICEF-Studie im Jahr 2007 haben die Autoren Hans Bertram und Steffen Kohl das Wohlbefinden von Kindern in 21 Industrieländern anhand von sechs Dimensionen verglichen: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. Grundlage sind neueste Daten von Eurostat, OECD, PISA, Weltgesundheitsorganisation, Weltbank und deutschem Mikrozensus sowie eigene Berechnungen.
Aufholen konnte Deutschland in den vergangenen zwei Jahren in den Bereichen Bildung, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie sowie Verhalten und Risiken. Während es 2007 im Gesamtvergleich nur mittelmäßig abschnitt und Platz elf von 21 Ländern belegte, konnte es sich aktuell um drei Plätze verbessern.
Kinderrechte im Grundgesetz verankern
Vor dem Hintergrund der aktuellen Vergleichsstudie appelliert UNICEF an Bundesregierung, Länder und Kommunen, das Wohlbefinden sowie die Rechte der Kinder zum Maßstab ihrer politischen Entscheidungen zu machen. In ihrem Forderungskatalog spricht sich der Kinderfonds der Vereinten Nationen unter anderem dafür aus, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.
Beim Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland müsse deutlich mehr für Alleinerziehende und ihre Kinder getan werden. „Denn alle Kinder haben das Recht auf eine eigenständige materielle Absicherung, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert.“
Weitere Informationen
Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010
Studie als Download (PDF, 4,35 MB)
Erstellt am: Dienstag 19. Januar 2010
Thema: Kinder, Familienpolitik, Alleinerziehende, Armut, Chancengleichheit,



