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Maßgeblicher Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) feierte am 9. April sein 20-jähriges Bestehen. Der Deutsche Frauenrat gratulierte der Interessenvertretung für homosexuelle Menschen aus diesem Anlass. Ein Grußwort von Ilona Helena Eisner, Mitglied des DF-Vorstandes:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
20 Jahre Lesben- und Schwulenverband – ein guter Grund, sich hier und heute zu treffen, um miteinander Erfahrungen auszutauschen und nicht zuletzt zu feiern. Feiern, weil Ihr Verband viele Erfolge aufzeigen kann - feiern aber auch, weil noch vieles vor Ihnen liegt und im Feiern auch Kraft und Zuversicht gewonnen werden können für die nächsten Auseinandersetzungen.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – ein eigentlich unmissverständlicher Satz, sollten wir meinen. Und dennoch hatten und haben auch in unserer Gesellschaft nicht wenige Menschen und Gruppen Grund genug, die Universalität dieses Satzes einzufordern. Frauen mussten immer wieder darauf hinweisen, dass da nicht steht: „Die Würde des Mannes ist unantastbar“ – Schwule und Lesben, dass da auch nicht steht: „Die Würde der Heterosexuellen ist unantastbar“. Mittlerweile ist weitgehend unumstritten, dass der Satz wirklich allen Menschen gilt, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer weltanschaulichen Ausrichtung, ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung.
Lesben und Schwule verbindet mit den Frauen, dass ihnen nichts geschenkt wurde
Aber bis dahin war es ein weiter Weg. Lesben und Schwule verbindet dabei mit den Frauen, dass ihnen nichts geschenkt wurde. Das meiste musste gegen erbitterte Widerstände erkämpft werden. Ihr Verband hat mit Hartnäckigkeit, Phantasie und Mut für die Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Menschen gestritten. Sie haben dabei im Sinne einer paradoxen Intervention das Schimpfwort „schwul“ aufgegriffen und es als Eigenbezeichnung genommen – keine schlechte Strategie, um sich in der Gesellschaft zu verorten. Sie haben auch nicht darauf gewartet, dass Sie zum Opfer caritativer oder anders wohlgemeinter Zuwendung werden, sondern haben beherzt ihre Interessen, ihre Sache in die eigene Hand genommen und die Rechte eingefordert, die Ihnen zustehen.
Dabei geht oft unter, dass Sie mit Ihrem Engagement nicht nur die Rechte Ihrer Gruppe an die der anderen angeglichen haben. Nein, Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr zu einer entwickelt, in der der zitierte Satz aus dem Grundgesetz Wirklichkeit ist. Eine Gesellschaft ist nur dann eine demokratische, wenn die Bürgerinnen und Bürger die in der Verfassung festgelegten Rechte allen zugestehen, ohne Ausnahme, auch wenn es noch so schwer fällt. Dass das schwer fällt, hat der Deutsche Frauenrat am – wenn Sie so wollen – eigenen Leib erfahren.
Beitrag zu notwendigen Veränderungen
Im Jahr 2002 beantragte die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratischen Frauen, dass der Deutsche Frauenrat für das gemeinsame Adoptionsrecht eingetragener Lebenspartnerschaften eintrete. Am Ende dauerte es weitere zwei Jahre, bis dieser Beschluss gefasst wurde. Ein langer Zeitraum, werden viele von Ihnen sagen, für eine doch so selbstverständliche Sache. Ja und nein, würde ich sagen. Denn – das wird sich mit Ihrer Erfahrung decken – eine solche Frage berührt nicht nur verbandliche, sondern auch persönliche Lebensgeschichten, stellt Positionen und Haltungen anders in Frage als zum Beispiel die Neuregelung des Steuerrechts. Nach meiner Kenntnis hat es wenige Entscheidungen im Deutschen Frauenrat gegeben, zu denen eine so ernsthafte und gründliche Auseinandersetzung erfolgte. Das Ergebnis war ein 2004 mit großer Mehrheit gefasster Beschluss. Und neben dem eigentlichen Beschluss war ein ebenso wichtiges Ergebnis, dass die Delegierten und die Frauenverbände sich einer Auseinandersetzung gestellt haben und an deren Ende eine wichtige Entwicklung von Personen und Verbänden stattgefunden hatte. Dies mag als Beispiel dafür gelten, dass Ihr Verband zu notwendigen Veränderungen außerhalb beiträgt – dafür möchte ich Ihnen herzlich danken.
Die gemeinsame Erfahrung, für die eigenen Rechte selbst eintreten zu müssen, mag dazu beigetragen haben, dass LSVD und Frauenrat in den vergangenen Jahren in vielen Punkten gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Im Netzwerk zum Antidiskriminierungsgesetz haben wir zusammen dafür gestritten, dass der Diskriminierungsschutz soweit wie möglich gesetzlich geregelt wird. Und im neu gegründeten Bündnis zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz werden wir das weiter tun. Große Bedeutung hatte für den Deutschen Frauenrat die gemeinsame Erarbeitung des Alternativberichtes zum 6. Staatenbericht der Bundesregierung zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung aller Formen der Diskriminierung der Frau, kurz CEDAW. Nicht nur in der Beteiligung am Erstellen des Kapitels Familienpolitik und die Ausführungen zu den Regenbogenfamilien lag ein wichtiger Beitrag des LSVD, sondern auch in der Mitwirkung in der Redaktionsgruppe. Ergebnis dieser Arbeit war ein Alternativbericht, der die Mitglieder des CEDAW-Ausschusses tief beeindruckte, und dessen Kritik an der Politik der Bundesregierung in den Abschließenden Bemerkungen des Ausschusses weitgehend übernommen wurde.
Vor diesem Hintergrund bin ich gerne dem Beispiel der ehemaligen Vorsitzenden des Deutschen Frauenrates, Brunhilde Raiser, gefolgt und zu Ihrem Fest gekommen. Ich gratuliere Ihnen im Namen des Vorstandes des Deutschen Frauenrates und der Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle sehr herzlich zum 20. Geburtstag. Für Ihre weitere Arbeit wünsche ich Ihnen Ausdauer, Kraft, Mut und Phantasie und Mitstreiterinnen und Mitstreiter an Ihrer Seite. Der Deutsche Frauenrat wird jedenfalls gerne weiter mit Ihnen daran arbeiten, dass unsere Gesellschaft eine bessere wird.
9. April 2010
Ilona Helena Eisner
Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrates
Erstellt am: Mittwoch 14. April 2010
Thema: Homosexualität, Menschenrechte, Schwule, Lesben, Gleichstellung, Antidiskriminierung,



