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Mehr als ein Gebot der Fairness
Nationales Aktionsbündnis gibt Auftakt für den Equal Pay Day 2010.
Mit einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin wurde am 25. März der diesjährige bundesweite Aktionstag für Entgeltgleichheit eingeläutet, an dem sich zahlreiche Frauenorganisationen und -gruppen beteiligen werden.
Das aus Wirtschafts- und Frauenorganisationen bestehende nationale Aktionsbündnis bekräftigte erneut, weiterhin gemeinsam und entschieden gegen die vielfältigen Ursachen von Entgeltunterschieden vorgehen zu wollen. Nach jüngsten Statistiken verdienen Frauen in Deutschland nach wie vor im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit weiterhin einen der hinteren Ränge ein.
„Deutschland hat die bestausgebildeten Hausfrauen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates (DF), Bettina Schleicher und verwies damit auf die in Deutschland verfestigten Rollenstereotype, die es abzubauen gilt. „Immer noch werden Mädchen an ihre späteren Pflichten in der Familie herangeführt und Jungen an ihre Rolle des Familienernährers“, so Schleicher weiter. Gesetzliche Regelungen wie das Ehegattensplitting verstärkten das traditionelle Rollenverständnis noch und setzten falsche Anreize.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mahnte die aktuelle Lage beim Kita-Ausbau an, der zusehends ins Stocken gerät. Das Ziel für 2013 aber müsse ernst genommen werden. „Wenn wir hier nicht endlich spürbar vorankommen, werden sich manche Karrierewünsche von Frauen nicht verwirklichen lassen und dann kommen wir auch beim Thema Lohnunterschiede nicht weiter“, so Ingrid Hofmann, Unternehmerin und Präsidiumsmitglied der BDA. Dass das große Potenzial von Frauen besser genutzt werden müsse, liege nicht nur im Interesse der Frauen, so Hofmann weiter: „Unternehmen stehen angesichts des demographischen Wandels und des wachsenden Fachkräftebedarfs vor erheblichen Herausforderungen.“
Carlotta Köster-Brons, Geschäftsführerin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) betonte, dass die Gründung einer Familie nicht das berufliche Aus für Frauen bedeuten dürfe. „Viele Unternehmerinnen und Mütter wissen, dass es kein ‚Entweder-Oder’ gibt: Frauen, auch mit Kindern, wollen arbeiten, finanziell unabhängig sein und sich beruflich weiterentwickeln“, erklärte Köster-Brons. Dafür trete der VdU gemeinsam mit dem Bündnis ein.
Auf den Wettbewerbsvorteil, den Gleichstellungsmaßnahmen für Unternehmen, aber auch für Kommunen und Regionen bedeuten, wies die Bundessprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros (BAG), Dörthe Domzig hin: „Eine Stadt, die mit Kitas und in Personalentwicklung engagierten Firmen werben kann, hat es leichter, ihren Arbeitskräftebedarf zu decken und die besten Köpfe zu bekommen.“ Zudem führe es zu mehr Steuereinnahmen für die Kommunen, wenn Frauen entsprechend ihrer Qualifikation beschäftigt würden, so Domzig weiter.
Dass auch Frauen selbst gefragt sind, etwas zu verändern, betonte Dagmar Bischof, Präsidentin der Business and Professional Women (BPW) Germany. Frauen seien zu wenig selbstbewusst, auch in Gehaltsverhandlungen. „Frauen glauben, dass der Chef ihre Leistung schon anerkennen wird. Die Erfahrung aber zeigt, dass Gehaltserhöhungen oder Karrieresprünge auch eine Frage des Selbstmarketings sind“, so Bischof. Deshalb sei es ein wichtiges Anliegen des BPW Germany und des Bündnisses, Frauen mit Schulungen oder Mentoring zu stärken, damit diese ihr Potenzial voll ausschöpfen können.
Für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sprach Staatssekretär Dr. Hermann Kues. Er forderte auf zu einem „Schulterschluss“ von Zivilgesellschaft, Regierung und Sozialpartnern gegen Entgeltdiskriminierung. Strukturen und Mentalitäten müssten sich dafür ändern. Er versicherte, dass sein Ministerium aktiv am Thema arbeite. Der Lohnselbsttest Logib D sei ein erstes wirksames Instrument, um mehr Transparenz in der Vergütungspraxis von Unternehmen zu schaffen.
Das Nationale Aktionsbündnis wird vom BMFSFJ gefördert.
Erstellt am: Donnerstag 25. März 2010
Thema: Entgeltgleichheit,



