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Nelken, Kaffee und Kuchen
Viele Frauen in der DDR fühlten sich durch die Feiern zum Frauentag nicht ernstgenommen
von Simone Schmollack
Darauf war Verlass: Jedes Jahr am Vormittag des 8. März flog der Chefredakteur mit einem Bündel Nelken durch den Großraum der DDR-Tageszeitung, bei der ich vor der Wende arbeitete, drückte jeder Redakteurin eine mickrige Blume in die Hand und schmetterte: „Herzlichen Glückwunsch zum Internationalen Frauentag!“ Er lächelte. Er meinte es ehrlich.
Wir Frauen lächelten auch. Wir belächelten „unseren großen Tag“. Wir fühlten uns weder ernst genommen noch geehrt. Im Gegenteil, das Brimborium am 8. März erschien uns wie eine zweifache Veräppelung: Nelke, Kaffee und Kuchen und vielleicht noch ein Schnaps – war das die Anerkennung, die wir uns wünschten? Einmal im Jahr?
Hervorragende Leistungen im sozialistischen Wettbewerb
Am Tag zuvor hievten Männer – in der Chefredaktion gab es nur eine Frau – das Frauentags-Grußwort des Zentralkomitees der SED auf die Titelseite: „Überall an den Brennpunkten des gesellschaftlichen Lebens stehen Frauen mit in den vordersten Reihen, leisten Hervorragendes im sozialistischen Wettbewerb ... beherrschen als Facharbeiter, Meister und Ingenieure die moderne Technik, leiten Betriebe, Schulen, Handelseinrichtungen, Kinderkrippen und -gärten, regieren als Abgeordnete, sind Bürgermeister in Städten und Gemeinden, tragen als Richter und Schöffen zur Stärkung unseres sozialistischen Rechtsstaates bei.”
Peinlich berührt
Nicht einmal an ihrem “Ehrentag” wurde von Frauen in der weiblichen Form gesprochen, sie blieben Bäcker, Lehrer und Traktorist. In manchen Betrieben nahm der Frauentag kuriose Züge an. Wir sahen das immer, wenn wir als Reporterinnen dorthin geschickt wurden und darüber berichten sollten. Da wurde den ganzen Tag nicht gearbeitet und „Mannsbilder” dazu abgestellt, Frauen Kaffee einzuschenken. Das war entwürdigend, für beide Seiten. In Produktionshallen erhielten Arbeiterinnen Prämien für ihre „hervorragenden Leistungen”: 25 Mark und eine Urkunde. Das war Missachtung in Reinform. Und wenn in den Kindergärten die Kleinen am Morgen ein Gedicht vortrugen, fühlten sich die Mütter peinlich berührt: „Meine Mutti, die ist tüchtig, alles macht sie gut und richtig, zu Haus und im Betrieb. Mutti, ich hab dich so lieb!" Die Mütter schämten sich am Abend ein zweites Mal: Wenn ihr Mann nach Hause kam mit einer Schachtel Pralinen. Dann verschwanden die Frauen lieber schnell in der Küche und taten das, was sie jeden Abend taten: den Tisch decken, das Geschirr spülen, für Ordnung sorgen.
Verlogen
Der Frauentag in der DDR war kein Ehrentag, er war eine Verlogenheit. Viele Frauen hätten gern darauf verzichtet, die Männer sowieso. Hinter ihm steckte keine Lust, keine Überzeugung, sondern leidige Pflichterfüllung. Aber der Tag musste begangen werden, also wurde er begangen, Jahr für Jahr und mit immer wiederkehrenden Ritualen. Was hätten wir Redakteurinnen uns stattdessen gewünscht? Beispielsweise eine Titelseite: eine Reportage aus seiner Werkhalle, aus einem Krankenhaus, aus seiner Kita, mit Frauen, die aus ihrem Leben erzählen, von ihren Sehnsüchten, von ihren Wünschen und Ängsten. Wir hätten die Reportagen gern selbst geschrieben. Aber nicht nur an einem Tag im Jahr, sondern an vielen Tagen und als wiederkehrendes Ritual.
Simone Schmollack ist Journalistin in Berlin und schreibt regelmäßig für FrauenRat.
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Anerkennung der Leistungen von Frauen
Doris' Blog: Eine Thüringerin erinnert sich an den Frauentag in der DDR
Die rote Nelke ist heute international ein Symbol für sozialdemokratische und sozialistische Organisationen. 1989 wurde sie zur Blume der ArbeiterInnenbewegung. Der Internationale Sozialistenkongress in Paris forderte damals die ArbeiterInnen aller Länder auf, am 1. Mai 1890 für ihre Rechte, vor allem für den Achtstundentag einzutreten. Gegen den Widerstand der Obrigkeiten wurde der 1. Mai zu einem Kampftag zur Mobilisierung und Solidarisierung der Arbeiter in der ganzen Welt. Obwohl am 1. Mai 1890 in Deutschland noch das „Sozialistengesetz" in Kraft war, wurde auch hier dieser Tag für viele zu einem einprägsamen Ereignis. Der spätere Reichstagspräsident Paul Löbe, der als 15-jähriger Lehrling den ersten 1. Mai 1890 in Liegnitz erlebte, berichtet darüber:
"Da Versammlungen verboten waren, blieb nur der gemeinsame Ausflug in benachbarte Gartenlokale übrig. Das Mitführen von Fahnen war selbstverständlich auch nicht gestattet, darum wählte man die rote Nelke im Knopfloch als Abzeichen der Gleichgesinnten".
In Berlin trugen die Schuhmacher bei einer 1.Mai-Kundgebung rote Nelken im Knopfloch, schreibt 1890 eine Berliner Zeitung. Das war polizeilich untersagt und führte zu Verhaftungen und Krawallen.
Die Nelke hat ursprünglich eine ganz andere politische Geschichte: Als Zeichen ihrer Unerschrockenheit trugen während der Französischen Revolution verurteilte Aristokraten Nelken auf dem Weg zur Guillotine.
Die portugiesische Nelkenrevolution vom 25. April 1974 hat ihren Namen von den Blumen, die die revolutionären demokratietreuen Truppen in ihren Gewehrläufen trugen.
Rote Nelken werden auch heute noch auf die Gräber etwa von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin gelegt.
Quellen:
http://www.lust-auf-nelken.de/info/4.htm, http://netkey40.igmetall.de/homepages/messeblitz/hochgeladenedateien/Dateien/PDF/Was%20bedeutet%20eigentlich%20die%20Rote%20Nelke.pdf
Erstellt am: Montag 01. März 2010
Thema: Internationaler Frauentag, 8. März, Gleichberechtigung, Geschichte, Frauenbewegung,


