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Nicht an der Bildung sparen
Angesichts der Sparklausur der Bundesregierung am 6./7. Juni hat sich der Vorstand des Deutschen Frauenrates besorgt an Bundeskanzlerin Merkel gewandt. Jetzt an der Bildung zu sparen, sei eine falsche ökonomische Entscheidung.
Der Brief:
Berlin, 1. Juni 2010
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
in der Debatte über notwendige Einsparungen haben Sie stets die im Koalitionsvertrag verabredete Ausgabensteigerung für Bildung und Forschung bis 2013 um insgesamt 12 Mrd. Euro verteidigt. Insbesondere haben Sie die Vorschläge von Hessens Ministerpräsident Roland Koch zu Einsparmaßnahmen in den Bereichen Bildung, Forschung und Kinderbetreuung zurückgewiesen. Der Deutsche Frauenrat dankt Ihnen für diese konsequente Haltung, in der wir Sie mit Blick auf die bevorstehenden Haushaltsberatungen des Bundeskabinetts in Schloss Meseberg unbedingt bestärken möchten.
Mit guten Gründen haben Sie im Koalitionsvertrag die „Bildungsrepublik Deutschland“ mit Nachdruck ausgerufen. Vieles im deutschen Bildungssystem ist verbesserungsbedürftig, gerade um den Interessen der jungen Generation gerecht zu werden. Gleichzeitig ist die verstärkte Förderung von Bildung eine der geeignetsten Maßnahmen einer Wirtschaftsnation im globalen Wettbewerb.
Der Deutsche Frauenrat erwartet daher, dass die in wirtschaftlich besseren Zeiten getroffenen, richtigen Entscheidungen zur Bildungspolitik in der jetzigen schwierigen Zeit nicht etwa zurückgenommen, sondern vielmehr mit besonderer Schubkraft und bei Bedarf auch noch höherem Mitteleinsatz vorangetrieben werden.
Bildung ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern zudem eine qualifizierte Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben und schützt damit unsere demokratische Werteordnung vor Angriffen populistisch agierender, radikaler Volksverhetzer.
Bildung setzt ein gesellschaftliches Klima der Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen und der Begeisterung für lebenslanges Lernen voraus und schafft es gleichermaßen. Diese Begeisterung muss frühzeitig geweckt und bis ins hohe Alter gefördert werden.
Der Deutsche Frauenrat misst der integrativen Bildung von Anfang an eine besondere Bedeutung zu, weil mit der frühkindlichen Bildung die Weichen gestellt werden für das ganze spätere Leben. Daher kann und darf am notwendig erkannten Ausbau der Kindertagesstätten nicht gespart werden.
Bildung als Prozess des lebenslangen Lernens ist durch attraktive Angebote zu fördern. Sie trägt zu einer bewussten Lebensplanung mit unterschiedlichen Handlungsoptionen bei und ermöglicht die Überwindung überkommener, unzureichend hinterfragter und sozial konstruierter Geschlechterrollen. Voraussetzung ist, dass alle pädagogischen Maßnahmen unter dem Aspekt geprüft werden, ob sie bestehende Geschlechter-verhältnisse und Benachteiligungen eher stabilisieren, oder ob sie eine kritische Auseinandersetzung und damit ihre Veränderung fördern. In diesem Feld sieht der Deutsche Frauenrat noch erheblichen weiteren Handlungsbedarf, dargelegt in dem beigefügten, aktuellen Positionspapier „Bildung lohnt immer“.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir hoffen, dass diese Argumente einen Beitrag zur Unterstützung Ihrer Position im Zusammenhang mit Bildung und Kinderbetreuung bei den Haushaltsberatungen leisten.
Mit freundlichen Grüßen
Marlies Brouwers
Vorsitzende
Almuth Kollmorgen
Mitglied des Vorstandes
Bildung lohnt immer
Das Positionspapier des Deutschen Frauenrates zur geschlechtersensiblen Bildung
Erstellt am: Montag 07. Juni 2010
Thema: Bildung, Bildungspolitik,



