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Trotz besserer Leistung verdienen Frauen weniger Geld
Die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern sind nicht allein mit der typisch weiblichen Erwerbsbiografie zu erklären. Das hat eine neue Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergeben.
In ihrer Untersuchung gingen Kirsten Wüst und Brigitte Burkart von der Hochschule Pforzheim der Frage nach, ob Frauen in Deutschland tatsächlich rund 23 Prozent weniger verdienen, weil sie ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt häufiger als Männer unterbrechen oder deshalb Teilzeit arbeiten. Oder weil sie sich eher für schlechter bezahlte Berufe entscheiden.
Die beiden Wissenschaftlerinnen waren überzeugt: Wenn der Grund für den Gehaltsunterschied wirklich in den verschiedenen Erwerbsbiografien zu finden wäre, müssten Frauen bei gleichem Studienabschluss und einem Vollzeitjob zumindest beim Berufseinstieg ein vergleichbares Gehalt beziehen wie ihre männlichen Konkurrenten.
Über 3.000 Absolventinnen und Absolventen der Pforzheimer Fakultät Wirtschaft und Recht hatten die beiden Pforzheimer Wissenschaftlerinnen befragt, um herauszufinden: Sind die Gehälter von Frauen und Männer wirklich gleich, wenn ihre Ausgangspositionen identisch sind? Werden Frauen und Männer einheitlich entlohnt, wenn sie die identische Stelle innehaben und die gleiche Erwerbsbiografie aufweisen?
Schon beim Einstieg verdienen Frauen acht Prozent weniger
Die Umfrage im Zeitraum von 1998 bis 2008 ergab, dass Absolventinnen trotz besserer Noten, häufigerem Auslandsaufenthalt und größerem Engagement in studentischen Organisationen und trotz gleichem Studiengang ein um durchschnittlich acht Prozent geringeres Einstiegsgehalt erzielen als Absolventen. Diese Unterschiede treten bei allen Studiengängen ohne Ausnahme auf. Im Mittel verdienten die Frauen so schon beim Berufseinstieg pro Jahr rund 3.000 Euro weniger als die Männer.
Mobilität bei Männern höher
Die Autorinnen konnten belegen, dass ein Teil der Gehaltsunterschiede auf die höhere Mobilität der männlichen Absolventen zurückzuführen ist. Als weitere Gründe vermuten Wüst und Burkart eine Selbstselektion der Frauen: Aufgrund einer anderen Lebensplanung stellen die Absolventinnen eher auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als auf ein möglichst hohes Gehalt ab.
Doch auch eine direkte Diskriminierung von Frauen schließen die Autorinnen nicht aus: So könnten ArbeitgeberInnen versucht sein, Frauen aufgrund möglicher Erwerbsausfälle schlichtweg weniger Geld anzubieten als Männern.
Für die Autorinnen zeigen die Studienergebnisse zweierlei: Damit der Gender Pay Gap sich Stück für Stück verringert, müsse die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten optimiert werden. Darüber hinaus plädieren Wüst und Burkart dafür, dass die Karriere von Frauen bereits in der Hochschulen gefördert werden müsse.
Erstellt am: Montag 14. Juni 2010
Thema: Karriere, Vereinbarkeit, Gleichstellung,



