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Antifeministische Männerbewegung: Hasspropaganda ist die gemeinsame Klammer
Die antifeministische Männerrechtsbewegung stilisiert sich zum Opfer der Gleichstellungspolitik. Doch ihre Argumente halten der Realität nicht stand. Zu diesem Ergebnis kommt der Bochumer Forscher Hinrich Rosenbrock in einer aktuellen Studie für das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung.
Groß ist die Anhängerschaft der antifeministischen Männer in Deutschland laut Rosenbrock nicht. In Deutschland zählen hierzu Gruppen wie agens, MANNdat und wgvdl.com sowie die antifeministisch-rechtsextreme Gruppierung free-gender. Doch auch wenn sich die Mehrheit der Männer in Deutschland mit diesen Gruppen nicht identifizieren könne, so sei ihre politische Wirkung nicht zu unterschätzen, warnt der Bochumer Soziologe.
Männliche Opferideologie: Schuld ist der Feminismus
Vordergründig, so beschreibt Rosenbrock, trete die männliche Opferideologie zwar für Gleichheit ein, die sie für Männer einfordert. Diese Strategie sei aber durchaus problematisch: "Der Blick auf männliche Benachteiligung blendet Formen weiblicher Benachteiligung aus oder schwächt sie ab." Ausgehend von der Konstruktion männlicher Diskriminierung und dem Ignorieren von geschlechtsspezifischer Ungleichheit zu Lasten von Frauen "kommt die männliche Opferideologie zu dem unbegründeten Schluss, dass Männer in dieser Gesellschaft stärker benachteiligt seien als Frauen und gibt vor allem dem Feminismus die Schuld für diese Entwicklung".
Von liberal bis rechts
Zum politischen Hintergrund der AntifeministInnen erklärt Rosenbrock, "dass die Vertreter_innen größtenteils aus liberalen, konservativen, christlich-konservativen (evangelikalen) und rechten Kreisen stammen. Was sie allerdings eint, ist ihr - teilweise bis zum Hass aufgebauschter - Antifeminismus". Dabei arbeiten die AntifeministInnen mit haltlosen Stereotypen wie dem von der "Frauenherrschaft" oder vom "Niedergang des Volkes".
Hass richtet sich auch gegen andersdenkende Männer
Der Hass der AntifeministInnen richtet sich auch gegen andere Männer: diejenigen nämlich, die die Vorstellungen der AntifeministInnen nicht teilen und die an einem gleichstellungspolitischen Dialog interessiert sind, von dem Frauen ebenso wie Männer profitieren. Eine solche Organisation ist beispielsweise das Bundesforum Männer, das sich vor einem guten Jahr zusammengeschlossen hat und das sich laut Satzung zum Ziel setzt, "die Gleichstellung der Geschlechter und die Geschlechterdemokratie insbesondere mit Blick auf die Lebenslagen von Jungen, Männern und Vätern zu fördern". Inzwischen haben sich im Bundesforum Männer 27 Vereine und Verbände zusammengeschlossen.
Es braucht Gruppen wie das Bundesforum Männer
Gruppen wie das Bundesforum Männer stünden "für eine männerpolitische Arbeit, die auf Gleichheit und freien Entscheidungen basierende Ansätze entwickelt. Eine Stärkung dieser Gruppen würde interessierten Männern mehr Anlaufstellen bieten und die Einseitigkeit der antifeministischen Argumente verdeutlichen", schlägt Rosenbrock vor. Gleichzeitig würden Geschlechterdebatten durch solche Organisationen gestärkt und "die vom Antifeminismus geförderten Tendenzen zu einem destruktiven Geschlechterkampf eingedämmt".
Am Dialog nicht interessiert
An einem Dialog sind AntifeministInnen jedenfalls nicht interessiert. Vielmehr schüchterten sie Andersdenkende teilweise massiv ein, griffen Institutionen der Gleichstellungsarbeit an und sprächen diesen ihre Legitimität ab. Zugleich werde versucht, so Rosenbrock, "Geschlechterdebatten in den Medien zu stören bzw. zu dominieren".
Die Expertise
"Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung" wurde im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts in der Heinrich-Böll-Stiftung und der Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung in NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland erstellt.
Erstellt am: Freitag 27. Januar 2012
Thema: Männerbewegung, Antifeministen



