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Schon beim Start ins Berufsleben manifestiert sich Entgeltlücke
Der neue Ausbildungsreport der DGB-Jugend kommt zum Ergebnis: Wer sich für eine Ausbildung in einem von Frauen dominierten Beruf entscheidet, muss mit struktureller Benachteiligung rechnen. Dem Report zufolge verdienen die überwiegend weiblichen Auszubildenden in diesen Berufen im Durchschnitt rund 100 Euro oder fast 22 Prozent weniger als ihre Kollegen in sogenannten Männerberufen. Schon beim Start ins Berufsleben ziehen Frauen demnach bei der Entlohnung den Kürzeren.
Und nicht nur in der Vergütung schneiden weibliche Auszubildende in Frauendomänen schlechter ab als die Lehrlinge in einem männertypischen Beruf: Auch bei der Anzahl der Überstunden, beim Überstundenausgleich sowie der Zahl der Urlaubstage haben die weiblichen Lehrlinge das Nachsehen.
Mehr Überstunden - weniger Ausgleich
So gaben 47,3 Prozent der Auszubildenden in den weiblich dominiert Ausbildungsberufen an, regelmäßig Überstunden zu machen gegenüber 42,7 Prozent in den männlich dominierten. Doch obwohl Überstunden in frauentypischen Berufsgruppen eher an der Tagesordnung sind, werden sie verhältnismäßig seltener in Freizeit oder zusätzlicher Vergütung ausgeglichen: in Männerberufen ist dies in fast 79 Prozent der Fall, in Frauenberufen nur in knapp 51 Prozent. Lediglich rund 11 Prozent der Auszubildenden in den männlich dominierten Berufen gaben an, keinen Überstundenausgleich zu erhalten - gegenüber 33,5 Prozent der Auszubildenden in den hauptsächlich weiblich geprägten Ausbildungsberufen.
Auch bei den Urlaubstagen zeigen sich berufsgruppenspezifische Unterschiede: Junge Metallbauer oder Elektroniker haben im Durchschnitt drei Tage mehr Urlaub als junge Friseurinnen oder medizinische Fachangestellte. Die DGB-Jugend führt diese Unterschiede vor allem darauf zurück, dass Frauenberufe mehrheitlich in sehr kleinen (Dienstleistungs-)Betrieben erlernt werden. „Die Arbeit lastet auf wenigen Schultern und muss auch dann erledigt werden, wenn eine Kollegin krank ist oder Urlaub hat“, sagte DGB-Vizechefin Ingrid Sehrbrock bei der Vorstellung des Reports.
Zudem haben Lehrlinge in weiblich geprägten Berufen auf den Zeitpunkt des Urlaubs weniger Einfluss als in männlich dominierten Berufsgruppen. So gaben 17 Prozent der Auszubildenden in diesen Berufen an, Wünsche bezüglich des Urlaubszeitpunktes würden selten oder nie berücksichtigt. In der Gruppe der Berufe mit mehr als 80 Prozent männlichen Auszubildenden liegt dieser Wert nur bei 6,6 Prozent.
Lehrlinge in Männerdomänen sind insgesamt zufriedener
Die strukturelle Benachteiligung in von Frauen bevorzugten Ausbildungsberufen schlägt sich auch in der Gesamtzufriedenheit nieder: So lag der Anteil der zufriedenen und sehr zufriedenen Auszubildenden in den männlich dominierten Ausbildungen mit 79 Prozent um mehr als neun Prozentpunkte über dem Wert bei den weiblich dominierten Berufen (69,9 Prozent).
Die Arbeit von Frauen in diesen Berufen müsse endlich angemessen vergütet und gewürdigt werden, forderte Sehrbrock. Frauen dürften nicht länger dafür bestraft werden, dass sie Dienstleistungen erbringen, Menschen pflegen oder beruflich Kinder erziehen. Die Gewerkschafterin forderte die Bundesregierung deshalb auf, das Thema Gleichstellung „mit mehr Verve“ anzugehen. Beispiele anderer Länder zeigten, was mit klaren politischen Vorgaben erreichbar sei.
Zum Abbau der strukturellen Benachteiligung setzt die DGB-Jugend auf weitere Schritte, mit deren Hilfe das Berufswahlspektrum von Mädchen erweitert werden kann. Darüber hinaus müssten Frauen dominierte Berufe in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales attraktiver gemacht werden: „indem die auch im Rahmen dieser Studie festgestellten Unterschiede bei der Bezahlung sowie bei den Arbeits- und Urlaubszeiten reduziert und die Leistungen der Beschäftigten angemessen honoriert sowie gesellschaftlich anerkannt werden“, heißt es im Ausbildungsreport der DGB-Jugendorganisation.
Für den Ausbildungsreport, der Ende August vorgestellt wurde, waren bundesweit 6.920 Auszubildende in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt worden.

Grafik ist dem DGB-Ausbildungsreport entnommen.
Der DGB-Ausbildungsreport als PDF-Download
Erstellt am: Freitag 04. September 2009
Thema: Ausbildung, Entgeltgleichheit,



