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Lohnschere klafft schon bei BerufsanfängerInnen
Der Lohnrückstand zwischen Frauen und Männern geht ganz wesentlich auf die unterschiedliche, teils diskriminierende Behandlung von Frauen im Berufsleben zurück. Zu diesem Schluss kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung nach Auswertung des "LohnSpiegels". Danach verdienen Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 18,7 Prozent weniger als ihre Kollegen.
"Dieser geschlechtsspezifische Einkommensrückstand lässt sich weder durch
unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen noch durch eine spezifische
Berufswahl vollständig erklären", erläuterte Projektleiter Dr. Reinhard
Bispinck am 1. Oktober auf einer Fachtagung des WSI zum Thema Gleichstellung. "Die Ergebnisse verweisen vielmehr auf das Fortbestehen geschlechtspezifischer Lohndiskriminierung."
Grundlage der Untersuchung ist der Datensatz der LohnSpiegel-Datenbank, die vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Der LohnSpiegel umfasst nunmehr 106.000 Datensätze, darunter rund 16.000 von Berufsanfängerinnen und -anfängern mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung.
Gender Pay Gap im Osten geringer
Dem LohnSpiegel zufolge steigt der Gender Pay Gap mit den Berufsjahren: Während Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 18,7 Prozent weniger als ihre Kollegen verdienen, wächst der Abstand in der Gruppe mit vier bis zehn Jahren Berufserfahrung auf 21,8 Prozent. Allerdings trifft dieser Zusammenhang nur auf die alten Bundesländer zu. Im Gegensatz dazu geht der Gender Pay Gap im Osten mit wachsender Zahl der Berufsjahre zurück. Ohnedies fällt der Einkommensrückstand für Frauen im Westen etwas höher aus als im Osten.
Im Westen beträgt die Einkommensdifferenz zwischen weiblichen und männlichen BerufsstarterInnen im Durchschnitt 524 Euro (18,7%). In der Gruppe mit vier bis zehn Jahren Berufserfahrung wächst der Abstand auf 21,7 Prozent, um in den folgenden Jahren wieder auf 20,7 Prozent zu sinken. Im Osten verdienen demgegenüber Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 1.817 Euro, Männer in den ersten drei Berufsjahren dagegen durchschnittlich 2.212 Euro (Differenz: 17,8%). Die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern sinkt dann bei vier bis zehn Jahren Berufserfahrung auf 16,6 Prozent und geht schließlich auf 14,7 Prozent (ab elf Jahre) zurück.
Unterschiede in der geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung konnte das WSI darüber hinaus je nach Wirtschaftssektor ausmachen: Liegt der Lohnabstand bei Berufen der Energie- und Wasserwirtschaft in den ersten Berufsjahren bei 4,9 Prozent, beträgt er im Kredit- und Versicherungsgewerbe 21,2 Prozent. Auch bei den Berufsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede des Gender Pay Gap in den ersten Berufsjahren: Er reicht von unter zehn Prozent in EDV/IT-Berufen bis zu 20 Prozent und mehr z.B. in den Berufen der Nahrungsmittelverarbeitung.
Strukturelle Faktoren nur ein Teil des Problems
Die Einkommensrückstände von Frauen lassen sich nur teilweise durch
unterschiedliche berufliche Präferenzen, Unterschiede in der Ausbildung
sowie berufliche Unterbrechungen auf Grund von Kindererziehung erklären, ist das WSI nach Auswertung der Datenbank sicher. Auch mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten spielten eine Rolle. Ein ganz wesentlicher Teil des geschlechtsspezifischen Lohnrückstandes, so die ForscherInnen weiter, lasse sich aber weder durch personenbezogene noch durch strukturelle Faktoren erklären, sondern sei einfach auf die Diskriminierung von Frauen im Berufsleben zurückzuführen.
Geschlechtsspezifische Lohndifferenzen nach dem Berufsstart und in der ersten Berufsphase. Eine Analyse von Einkommensdaten auf Basis der WSI-Lohnspiegel-Datenbank in Deutschland und im europäischen Vergleich
BMFSFJ-Publikationen 2009, pdf-Download
Den WSI-Lohnspiegel finden Sie unter
www.lohnspiegel.de
Erstellt am: Dienstag 06. Oktober 2009
Thema: Entgeltgleichheit, Arbeit,



