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Frauenquote der Telekom ein erster Schritt
Als erster deutscher Großkonzern führt die Deutsche Telekom eine Quote für Frauen in Führungspositionen ein. Ab 2015 sollen 30 Prozent der leitenden MitarbeiterInnen bei der Telekom weiblich sein. Demnach müsste der Frauenanteil in den nächsten fünf Jahren um zwölf Prozent steigen. Zahlreiche Mitgliedsverbände des Deutschen Frauenrats haben den Vorstoß der Telekom im Grundsatz begrüßt, halten aber in der Mehrheit eine gesetzliche Regelung für unerlässlich.
"Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser." So begründete Telekom-Chef René Obermann am 15. März die Entscheidung des Konzernvorstands für die weltweit geltende Frauenquote im Unternehmen.
Gesetzliche Quote nur Ultima Ratio
Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) begrüßte die Initiative der Deutschen Telekom: Unternehmen könnten es sich nicht mehr leisten, in den Führungsetagen auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten, sagte die Ministerin. "Deswegen freue ich mich, dass ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom hier mit gutem - freiwilligem - Beispiel vorangeht. Eine gesetzlich verordnete Quoteregelung für Frauen in Aufsichtsräten kann nur Ultima Ratio sein. Die nötigen Veränderungen erreichen wir nur mit Unterstützung der Wirtschaft und nicht gegen sie."
Auch die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner, freute sich über die unternehmensinterne Entscheidung der Telekom: „In diesem Fall hat ein großes Unternehmen mehr begriffen als die Frauenministerin Schröder, die noch immer vor gesetzlichen Regelungen warnt.“
Ohne weiteres glaubt Ferner aber nicht an den Erfolg der Telekom-Quote: Noch sei dort von einer Soll-Vorschrift die Rede. „Offen bleibt in der Ankündigung, ob es auch Sanktionen gibt, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird. Wenn der Personalvorstand der Telekom die Quote als politisch korrekte Alibiregelung diffamiert, so bleibt Skepsis angesagt.“
50-Prozent-Quote für Frauen
Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sowie die Frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, sehen sich durch den Vorstoß der Telekom bestätigt: Nur mit harte Quoten fühlten sich die Verantwortlichen in den Unternehmen verpflichtet, nach geeigneten Frauen in Top-Positionen zu suchen. „Wir fordern eine 50 Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsräten, dafür ist ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft nötig.“
Auch die stellvertretende Vorsitzende der LINKEN, Katja Kipping, sieht in der Telekom-Quote nur einen ersten Schritt. In der Praxis reiche es nicht aus, auf Selbstverpflichtungen von Unternehmen zu setzen. „Frauen stellen mehr als die Hälfte der Menschheit. Warum soll ihnen dann nur ein Drittel des beruflichen Erfolgs zustehen? Wir brauchen deshalb endlich ein Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft, das die 50-Prozent-Mindestquote festschreibt.“
Harsche Worte fanden die Grünen-Politikerinnen Roth und Rothe-Beinlich für Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU): „Die Tatsache, dass nun selbst die Frauenunion in der CDU für eine Quote eintritt und sich damit fortschrittlicher als unsere U35-Ministerin gibt, müsste Kristina Schröder eigentlich zu denken geben. Dennoch setzt sie weiterhin nur auf Unverbindlichkeit und warme Worte.“
CDU-Frauen liebäugeln mit gesetzlicher Quote
Tatsächlich nahm die Vorsitzende der Frauen Union der CDU, Maria Böhmer, die Ankündigung der Deutschen Telekom zum Anlass, konkrete Schritte und darunter auch gesetzliche Regelungen für eine Erhöhung des Frauenanteils in Top-Positionen zu fordern. „Wir fordern eine gesetzliche Regelung für die Seite der Anteilseigner in mitbestimmungspflichtigen Unternehmen“, erklärte Böhmer, und weiter: „Für die Arbeitnehmerseite fordern wir eine gesetzliche Regelung, wonach unter den Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmerseite Frauen entsprechend ihrem Anteil an der Belegschaft, mindestens aber zu einem Drittel, vertreten sein müssen.“
Auch Ingrid Fischbach (CDU) signalisierte in ihrer Funktion als Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) - und nicht etwa als Vorsitzende der Frauen der Unionsfraktion im Bundestag - grundsätzliche Zustimmung zu einer gesetzlichen Quote. "Dass eine Frauenquote sehr schnell sehr viel verändern kann, zeigt Norwegen", so Fischbach.
"Allemal besser" als gesetzliche Quote
Mit der Frauenquote bei der Telekom uneingeschränkt zufrieden gibt sich die Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen, Mieke Senftleben. Ein „wichtiger Schritt in die notwendige Richtung“ sei die Entscheidung der Telekom. „Andere Unternehmen werden nachziehen - und das ist allemal besser als eine gesetzlich geregelte Quote für die Unternehmen im Deutschland“, teilte die FDP-Politikerin mit.
Dass andere Unternehmen dem Beispiel der Telekom folgen werden, hofft auch Ingrid Müller, Vorsitzende der „Berufstätigen Frauen“ in der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Doch auch sie hält Frauenförderung ohne verbindliche Vorgaben für die deutsche Wirtschaft für fraglich.
Erstellt am: Dienstag 23. März 2010
Thema: Führungspositionen, Quote, Partizipation, Wirtschaft



