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Anonymisierte Bewerbungsverfahren: Bewährungsprobe bestanden

Schattnriss eines menschlichen Kopfes mit Fragezeichen

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, hat eine positive Zwischenbilanz des Pilotprojektes "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" gezogen. Im zurückliegenden Halbjahr seien bei den teilnehmenden Unternehmen und Institutionen bereits mehr als 4.000 Bewerbungen anonymisiert bearbeitet worden, insgesamt seien 111 Stellen über das anonymisierte Verfahren besetzt worden, teilte Lüders am 16. Juni mit.

Am bundesweit ersten Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungsverfahren beteiligen sich fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber: Die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L´Oréal, den Geschenkdienstleister Mydays, den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle. Nach einem halben Jahr wurde nun erstmals eine Zwischenuntersuchung durchgeführt. Dabei geht es um die Erfahrungen der Personalverantwortlichen und der Bewerbenden mit dem neuen Verfahren.

PersonalerInnen: problemloses Verfahren – gute Ergebnisse

Wie Lüders erläuterte, sind die Rückmeldungen der PersonalentscheiderInnen zu dem Projekt positiv: Alle im Modellprojekt angewendeten Methoden sind umsetzbar. So werde das Fehlen einiger persönlicher Angaben in den Bewerbungsunterlagen als unproblematisch eingeschätzt. Die Fokussierung auf die Qualifikationen werde tendenziell als positiv bewertet.

Tamara Hilgers, Head of Human Resources/Legal Department, bei der mydays GmbH sagte: „Für uns ist das neue Verfahren alles andere als kompliziert, da wir über ein Online-Formular anonymisiert rekrutieren. Ängste im Vorfeld, dass es einen erheblichen Mehraufwand geben würde, haben sich nicht bestätigt. Wir haben bisher alle Stellen, die anonymisiert ausgeschrieben waren, auch problemlos mit dem neuen Verfahren besetzen können.“

Der Oberbürgermeister der niedersächsischen Stadt Celle, Dirk-Ulrich Mende (SPD), betonte: „Die Stadt Celle wird aufgrund der bisherigen Erfahrungen auch nach Abschluss des Pilotprojekts an dieser Praxis festhalten. Wir werden das anonymisierte Bewerbungsverfahren als Variante weiter im Portfolio behalten und sicher auch in Zukunft zu guten Ergebnissen kommen.“

Mehrheit der BewerberInnen für neues Verfahren

Auch die Rückmeldungen der Bewerbenden seien ermutigend, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Befragt wurden alle Teilnehmenden, die ein anonymisiertes Bewerbungsformular ausgefüllt hatten. Dabei gab eine Mehrheit von 45 Prozent an, dass sie anonymisierte Bewerbungsverfahren bevorzugen würden. Rund 19 Prozent hatten keine Präferenz, 36 Prozent bevorzugten das herkömmliche Verfahren.

Fokus auf Qualifikation

Das anonymisierte Verfahren soll die Chancen von BewerberInnen mit Migrationshintergrund, älteren Arbeitsuchende und Frauen mit Kindern erhöhen, die deutlich seltener zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Das belegen zahlreiche Studien und die Beratungserfahrung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Bei anonymisierten Bewerbungsverfahren wird in der ersten Phase der Bewerbungsverfahren auf  Fotos sowie auf  persönliche Angaben wie Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand verzichtet. Damit soll der Fokus auf die Qualifikation der BewerberInnen gelenkt und offene oder unbewusste Vorurteile bei PersonalentscheiderInnen vermieden werden.

Das Pilotprojekt wurde am 25. November 2010 gestartet und läuft bis Frühjahr 2012. Es wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und im Anschluss umfassend ausgewertet.
 
Weitere Informationen:

Öffnet externen Link in neuem Fensterzum anonymisierten Bewerbungsverfahren


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Montag 20. Juni 2011

Thema: Antidiskriminierung, Chancengleichheit, Arbeitsmarkt





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