Informationen
Moderne Sklavenmärkte
Die meist verbreitete Form von Menschenhandel dient der sexuellen Ausbeutung. Dies bestätigt ein neuer weltweiter Bericht des UNODC. Er beruht auf den Daten von 155 Ländern, die das Büro für Drogen und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen gesammelt und ausgewertet hat.
Der „Global Report on Trafficking in Persons“, der am 12. Februar in New York vorgestellt wurde, zeigt zum ersten Mal das weltweite Ausmaß von Menschenhandel auf, verbunden mit Maßnahmen, die in den unterschiedlichen Ländern dagegen unternommen werden.
Ignoranz hält an
Anlässlich der Präsentation des Berichtes sagte der Geschäftsführer des UNODC, Antonio Maria Costa, dass viele Länder das Problem immer noch ignorierten: „Sie vernachlässigen es selbst dann noch, wenn Fälle von Menschenhandels angezeigt oder gar strafrechtlich verfolgt werden.“ Während die Zahl der Verurteilungen wegen Menschenhandel weltweit zunähmen, hätten zwei von fünf Ländern, die vom UNODC-Bericht erfasst wurden, keine einzige Verurteilung gemeldet.
Frauen und Kinder sind die Opfer - auch Frauen Täterinnen
Laut Bericht ist die meist verbreitete Form von Menschenhandel die sexuelle Ausbeutung. Sie macht 79 Prozent aus. Die Opfer sind vorwiegend Frauen und Mädchen, In 30 Prozent der Länder, die Informationen zum Geschlecht der MenschenhändlerInnen lieferten, stellen Frauen die Mehrheit der TäterInnen. Weltweit sind rund 20 Prozent der Opfer von Menschenhandel Kinder. In manchen Teilen von Afrika und der Region um den Mekong stellen sie allerdings die Mehrheit.
Lokaler und regionaler Handel dominiert
Menschenhandel findet in geringerem Umfang grenzüberschreitend statt. Die meisten Fälle von Ausbeutung geschehen wohnortnah, lokale und regionale Geschäfte dominieren.
Weitere Informationen zum UNODC-Bericht
Global Report on Trafficking in Persons – a Crime that shames us all
Pdf-Download des Berichtes in englischer Sprache (292 Seiten, 23,4 MB)
Menschenhandel in Deutschland
Die Daten, die der UNODC-Bericht über Deutschland (2003-2007) veröffentlicht, zeigen u. a., dass die Strafverfolgung von Menschenhandel zugenommen hat. 457 Ermittlungen im Jahr 2007 stehen 431 im Jahr 2003 gegenüber.
Als die drei wichtigsten deutschen NGOs im Kampf gegen Menschenhandel nennt der Bericht Agisra, Solwodi und den KOK.
Der bundesweite Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess (KOK) hat vor Kurzem selbst eine aktualisierte, fachkundige Materialsammlung zum Thema herausgegeben. Diese beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte und dem Hintergrund von Frauenhandel in Deutschland, fasst die aktuelle Rechtslage zusammen, beschreibt die Praxis der unterschiedlichen Formen von Menschenhandel und die Situation der Opfer, informiert über Vernetzung, Kooperation und Fortbildungen und gibt einen Überblick über internationales Recht, internationale und EU-Menschenhandelspolitiken und internationale Lobbyarbeit.
KOK: Frauenhandeln in Deutschland (188 Seiten)
Bezugsadresse:
info@kok-buero.de oder
KOK e.V., Kurfürstenstr. 33, 10785 Berlin
Erstellt am: Montag 16. Februar 2009
Thema: Menschenrechte, Gewalt, Migration



