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BMFSFJ: Frauen mit Behinderungen müssen besonders vor Gewalt geschützt werden
Wenige Tage vor dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erste Ergebnisse der Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderung und Beeinträchtigung in Deutschland" vorgestellt.
Danach erleben Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen deutlich häufiger Gewalt im Laufe ihres Lebens als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Besonders alarmierend dabei ist, dass die Betroffenen zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt waren als andere. Auch im Erwachsenenleben erfahren sie überdurchschnittlich häufig sexuelle Übergriffe und Gewalt. Frauen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben und arbeiten, sind in hohem Maße Gewalt ausgesetzt.
Gewaltrisiko stark erhöht
Mit der Studie wurden erstmals repräsentative Daten zu Lebenssituation, Belastungen, Diskriminierungen und Gewalterfahrungen dieser spezifischen Gruppe(n) von Frauen erfasst. Befragt wurden insgesamt 1.561 Frauen im Alter von 16 bis 65 Jahren, die in Haushalten und in Einrichtungen leben und starke, dauerhafte Beeinträchtigungen und Behinderungen haben.
Wesentliche Ergebnisse der Studie sind:
- Frauen mit Behinderungen haben ein stark erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden: Mit 58 bis 75 Prozent haben fast doppelt so viele Frauen im Erwachsenenalter körperliche Gewalt erlebt wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (mit 35 Prozent).
- Von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren die Frauen der Befragung etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt (21 bis 44 Prozent versus 13 Prozent).
- Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend tragen maßgeblich zu späteren gesundheitlichen und psychischen Belastungen im Lebensverlauf bei: Sexuelle Übergriffe in Kindheit und Jugend durch Erwachsene gaben 20 bis 34 Prozent der befragten Frauen an. Sie waren damit etwa zwei- bis dreimal häufiger davon betroffen als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (zehn Prozent).
- Psychische Gewalt und psychisch verletzende Handlungen in Kindheit und Jugend durch Eltern haben etwa 50 bis 60 Prozent der befragten Frauen erlebt (im Vergleich zu 36 Prozent der Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt).
Durchgeführt wurde die Studie von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld im Auftrag des BMFSFJ
Frauenbeauftragte in Einrichtungen sollen Rechte von Kolleginnen und Mitbewohnerinnen stärken
Um behinderte Mädchen und Frauen besser zu schützen, hat das BMFSFJ bereits vor drei Jahren gemeinsam mit den Vereinen "Weibernetz" und "Mensch zuerst" das Projekt "Frauenbeauftragte in Einrichtungen" ins Leben gerufen. Die Teilnehmerinnen, die selbst behindert sind, haben gelernt, Mitbewohnerinnen oder Kolleginnen in Werkstätten und Wohnheimen zur Seite zu stehen und ihnen als Ansprechpartnerin zu helfen, wenn diese Gewalt erlebt haben oder fürchten.
Bundesweites barrierefreies Hilfetelefon soll Ende 2012 starten
Das BMFSFJ will darüber hinaus gewaltbetroffene behinderte Frauen mit dem im Aufbau befindlichen Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unterstützen, das Ende 2012 starten soll. Das kostenlose und barrierefreie Hilfsangebot wird täglich 24 Stunden zu erreichen sein und will kompetente Erstberatung und Weitervermittlung an das Unterstützungssystem vor Ort bieten.
Weitere Informationen:
Kurzfassung der Studie
Die vollständige Fassung erscheint Anfang 2012
Projekt Frauenbeauftragte in Einrichtungen
Die nächste Ausgabe von FrauenRat (6/2011) mit dem Schwerpunktthema Inklusion-UN-Behindertenrechtskonvention wird ebenfalls ausführlich über das Projekt der Frauenbeauftragten in Einrichtungen und die Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderung und Beeinträchtigung in Deutschland“ berichten. Die Ausgabe erscheint am 16.12.2011.
Erstellt am: Donnerstag 24. November 2011
Thema: Gewalt gegen Frauen, Gewaltschutz, Behinderung,



