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Wir sollten die Begriffsverwirrung endlich richtigstellen: Frauen haben genug Arbeit. Was ihnen fehlt, ist bezahlte und qualitativ zumutbare Arbeit.

(Marieluise Beck, grüne Politikerin, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2002-2005))

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Ungarn: EWL warnt vor Rückschlag für die Gleichberechtigung

Ungarische und EU-Flagge wehen an einer Hausfassade

Angespanntes Verhältnis

Die Rechtsentwicklung in Ungarn ist besorgniserregend. Angriffe auf die Medienfreiheit, auf die Unabhängigkeit von Justiz und Zentralbank und nicht zuletzt die neue fundamental-christliche und ultranationale Verfassung rufen Kritik und Widerstand im Inland und der EU hervor. Der Rechtsruck führt aber auch zu schweren Rückschlägen in der Frauen- und Gleichstellungspolitik. Darauf weisen ungarische Frauenrechtsorganisationen hin.

Die neue Verfassung definiert die Ehe als Vereinigung zwischen einer Frau und einem Mann; und ein neues Gesetz zum Schutz der Familie diskriminiert nicht nur gleichgeschlechtliche Paare sondern auch heterosexuelle, die nicht verheiratet sind – eine Lebensform, die in Ungarn inzwischen die Mehrheit ausmacht. Das hat schwerwiegende ökonomische Folgen, etwa hinsichtlich Versorgungsansprüchen oder Erbrecht. Das neue Familiengesetz hat den Status eines Grundrechtes, kann also zukünftig nur mit einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments verändert werden.

Family Mainstreaming statt Gender Mainstreaming

„Gleichstellungspolitik wurde durch konservative Familienpolitik ersetzt, die auf Bevölkerungswachstum abzielt. Im öffentlichen Diskurs werden Gleichberechtigung und Familienfreundlichkeit als Widerspruch dargestellt, und das Family Mainstreaming hat das Gender Mainstreaming ersetzt.“ So heißt es in einem Öffnet externen Link in neuem Fensteraktuellen Bericht der ungarischen Frauenlobby an die Europäische Frauenlobby (EWL).

Recht auf Abtreibung bedroht

Bereits im Frühjahr 2011 löste die neue ungarische Verfassung international Empörung aus, weil darin der Schutz des ungeborenen Lebens „vom Moment der Empfängnis” festgeschrieben wurde und damit das Recht auf Abtreibung in Gefahr brachte. Gleichzeitig startete die Regierung unter Ministerpäsident Viktor Orbán eine massive Anti-Abtreibungs- und Pro-Adoptionskampagne. Sie verwendete dafür EU-Gelder, die für das Gender Mainstreaming Training lokaler Verwaltungen bestimmt waren. Die EU-Kommission forderte die ungarischen Behörden daraufhin nachdrücklich auf, diese Kampagne zu stoppen.

Weitere Informationen:  

Öffnet externen Link in neuem FensterBericht der ungarischen Frauenlobby an die EWL 


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Dienstag 24. Januar 2012

Thema: Diskriminierung





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