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EU-Parlament: Alleinerziehende stärken
Das Europäische Parlament will die Situation alleinerziehender Mütter und Väter verbessern. In einer Entschließung vom 25. Oktober forderten die Straßburger Abgeordneten von den EU-Mitgliedstaaten, Familienzentren einzurichten, „in denen allein erziehende Mütter eine zeitweilige Unterkunft finden und Beratung und Bildungsangebote nutzen können“.
Jeder dritte Ein-Eltern-Haushalt von Armut bedroht
Insgesamt 5 Prozent der weiblichen Bevölkerung in der EU sind alleinerziehend – in einigen Ländern wie Lettland und Estland liegt ihr Anteil sogar bei 9 Prozent. Ihr Armutsrisiko liegt wie in Deutschland auch EU-weit deutlich höher als das von Zwei-Eltern-Haushalten: Nach jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2006 waren 32 Prozent der Alleinerziehenden-Haushalte in der EU-27 einem Armutsrisiko ausgesetzt - verglichen mit 12 Prozent der Ehepaare mit Kindern.
Um dieses Armutsrisiko so gering wie möglich zu halten, sollen die Mitgliedstaaten nach Ansicht der EP-Abgeordneten Alleinerziehenden den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern: etwa indem staatliche Stellen Bildungsprogramme für Alleinerziehende auflegen und ledigen, verwitweten oder getrennt lebenden Müttern der Zugang zu Bildung, beruflicher Bildung und Sonderstipendien erleichtert wird, heißt es in der
Entschließung.
Der Armut entkommen
Insbesondere junge Schwangere sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Ausbildung nicht abzubrechen, weil sie mit einem Berufsabschluss die Chancen auf eine gut bezahlte Beschäftigung maximieren könnten, "unter angemessenen Arbeitsbedingungen tätig zu sein, gut bezahlte Beschäftigungen auszuüben und finanziell unabhängig zu werden, da dies die einzige Garantie dafür ist, der Armut zu entkommen".
Finanzielle Anreize für Unternehmen
Oft aber stellt die alleinige Verantwortung für die Erziehung eines Kindes ein großes Hindernis dar, überhaupt eine Beschäftigung zu finden. Um das zu ändern, schlagen die EU-Abgeordneten vor, steuerliche Abzugsmöglichkeiten und sonstige finanzielle Anreize für Unternehmen zu schaffen, die alleinerziehende Mütter und Väter beschäftigen und/oder vor Ort Kinderbetreuungseinrichtungen und -dienstleistungen einrichten, betreiben und bereit stellen.
Berichterstatterin Barbara Matera (EVP-Fraktion, Italien) forderte die EU dazu auf, die in der Resolution verankerten Ziele gerade angesichts der wachsenden Zahl weiblicher Alleinerziehender in Europa umzusetzen.
Weitere Informationen:
Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Forum Sexualaufklärung und Familienplanung dem Thema „Alleinerziehend im Lebensverlauf“.
Diese Beiträge finden Sie in der aktuellen Ausgabe:
- Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Einelternfamilien in Deutschland, Veronika Hammer
- Alleinerziehende Familienernährerinnen und Familienernährer – Zeit für ein neues Leitbild, Melitta Kühnlein
- Alleingelassen? Arbeitslose junge Allein- erziehende und die Notwendigkeit vernetzter Hilfeangebote, Claus Reis
- Kinder in Einelternfamilien, Elisabeth Sander
- Wann wird die Ausnahme zur Normalität? Alleinerziehende und andere Minderheiten, Peggi Liebisch
- Arme Alleinerziehende: Strukturen, Ursachen, Folgen und Mythen,
Sabina Schutter - Alleinerziehende mit besonderem Unterstützungsbedarf, Petra Winkelmann
- Alleinerziehende Väter im Vergleich mit alleinerziehenden Müttern,
Ulrich Kuther - Alleinerziehende Migrantinnen in Deutschland – Leben im Spannungsfeld von Armut und Selbstbestimmung, Dorothea Krüger, Lydia Potts
Alleinerziehend im Lebensverlauf (58 Seiten, 620 KB)
Erstellt am: Montag 31. Oktober 2011
Thema: Alleinerziehende, EU, EU-Parlament, Armut



