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Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeit
In Deutschland ist die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen, doch die geleisteten Arbeitsstunden sind dabei nicht mehr geworden. Das Beschäftigungswachstum kam allein durch einen Zuwachs bei den Teilzeitarbeitsplätzen zustande. Deren Zahl hat um etwa 40 Prozent zugenommen. Damit hat sich hierzulande die Teilzeitarbeit stärker als in der EU ausgebreitet. Das zeigt der aktuelle Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Teilzeitarbeit bleibt Frauendomäne
Zwar hat die Zahl der Männer mit reduzierten Arbeitszeiten besonders stark zugelegt, aber Teilzeitarbeit ist weiterhin eindeutig eine Domäne von Frauen. Im europäischen Vergleich ist der Unterschied im Ausmaß der Teilzeitbeschäftigung zwischen Männern und Frauen in Deutschland immer noch so groß wie in kaum einem anderen Land. Zudem haben immer mehr Ältere und Hochqualifizierte eine Teilzeitbeschäftigung etwa als sozialversicherungspflichtige ArbeitnehmerInnen, Mini-JobberInnen oder auch als Selbständige. Nicht selten wird allerdings nur deshalb verkürzt gearbeitet, weil keine Vollzeitstelle zu finden ist.
"Robuster Strukturwandel"
Rund ein Viertel aller Erwerbstätigen arbeitet heute in Teilzeit. Anders als bei den Vollzeitstellen lässt sich in Deutschland bei der Entwicklung der Teilzeitjobs keine Beeinflussung durch den generellen Konjunkturverlauf beobachten. „Dies lässt auf einen robusten Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt schließen“, sagt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Für diese Annahme spricht, dass sich Teilzeitarbeit immer mehr auf Personengruppen ausweitet, die bisher eher weniger verkürzt arbeiteten. So üben zunehmend Personen mit einer mittleren Qualifikation oder einem Hochschulabschluss eine Teilzeitbeschäftigung aus. Der Anteil der Geringqualifizierten ist seit dem Jahr 2000 sogar leicht zurückgegangen. Gleichwohl hat von den Erwerbstätigen ohne Berufsausbildung ein besonders großer Teil – knapp die Hälfte – keine Vollzeitstelle.
Vollzeitstellen fehlen
Die Ausbreitung der Teilzeitbeschäftigung führt das DIW zurück auf die Verlagerung der Beschäftigung hin zum Dienstleistungssektor. Dort arbeiten überwiegend Frauen. Die Gründe für die Ausübung eines Teilzeitjobs sind zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedlich. Frauen arbeiten besonders häufig aus familiären Gründen verkürzt, Männer dagegen mehr aus persönlichen Gründen wie der beruflichen Qualifizierung. Zudem haben Männer deshalb relativ oft eine Teilzeitstelle, weil sie keinen Vollzeitjob finden können. Das ist inzwischen allerdings auch bei nicht wenigen Frauen der Fall. In den letzten Jahren hat etwa ein Fünftel aller Teilzeitkräfte wegen eines Mangels an Vollzeitstellen verkürzt gearbeitet. Dabei handelt es sich um etwa zwei Millionen Erwerbstätige. Trotz der verbesserten Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich diese Zahl seit 2005 kaum verändert.
Weitere Informationen:
DIW Wochenbericht 42/2011
Jobwunder durch Teilzeit?
Erstellt am: Montag 24. Oktober 2011
Thema: Arbeitsmarkt, Teilzeit,



