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In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber hängt der Philisterzopf den männlichen Genossen noch ebenso im Nacken wie dem ersten besten Spießbürger.

(Clara Zetkin, deutsche Sozialistin, Kommunistin, Frauenrechtlerin (1857-1933))

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Brustkrebs ist keine Geschäftsidee: Frauenorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs

Rosaroter Button mit der Aufschrift: Cancers sucks

Krebs ist Scheiße

Der Oktober ist „Brustkrebsmonat“. International werden Kampagnen und Aktionen im Zeichen der rosa Schleife (pink ribbon) gegen diese Krankheit durchgeführt. So zum Beispiel am 18. Oktober auf dem Potsdamer Platz in Berlin, wo die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland gebunden werden soll. Doch immer mehr kritische Stimmen werden gegen die fortschreitende Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs laut.

So wendet sich eine Koalition aus Arbeitskreis Frauengesundheit in Psychotherapie und Gesellschaft e.V., Breast Cancer Action Germany, Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin (FFGZ), Netzwerk Frauengesundheit Berlin, Treffpunkt Krebs – Selbsthilfe für jüngere Frauen, Terre des Femmes Deutschland und Women in Europe for a Common Future e.V. mit folgender Erklärung an die Öffentlichkeit:

„Die fortschreitende Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs ist eine Fehlentwicklung, der eine Reihe von Frauenorganisationen jetzt entschieden entgegen treten.

Krankheit wird zum Geschäftsmodell umgemünzt

Diagnostik und Therapie von Brustkrebs sind eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Eine begleitende kritische Bewertung ist grundsätzlich ratsam. Besonders empörend ist der aktuelle Trend im Oktober: Globale Konzerne und Firmen überbieten sich gegenseitig mit PR-Kampagnen und sammeln Spendengelder auch in Deutschland ein. Der Aufmerksamkeitsfaktor des Themas Brustkrebs steigert Verkaufszahlen und wird zur Marketingmaßnahme für Geschäfte und Profite umgemünzt. Einnahmen und Verwendung der Spenden sind selten transparent. Beispielhaft zeigen zwei aktuelle Kampagnen, wie die Krankheit zum Geschäftsmodell umfunktioniert wird.

Frauen werden öffentlich sexualisiert und infantilisiert

Am 18. Oktober wird Pink Ribbon Deutschland auf dem Potsdamer Platz „die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland“ binden. Bei genauerem Hinsehen bieten die Macher auch jede Menge Werbung, Halbwissen aus PR-Kanälen, das Sammeln von Spenden sowie die Suche nach neuen Anzeigenpartnern. Als Frauengesundheitsorganisationen lehnen wir das mit solchen Aktionen verknüpfte konsumorientierte Frauenbild, das Frauen öffentlich sexualisiert und infantilisiert, ab.

Im Schlepptau des „pink“ angestrahlten Brandenburger Tors durch den Kosmetikkonzern Estée Lauder am 11. Oktober wird die Aufmerksamkeit auf hochpreisige Kosmetika gelenkt. Die verständliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder der Verzicht auf krebserregende Chemikalien in Kosmetika stehen dagegen nicht auf der Agenda. Lichtaktionen, bei denen öffentliche Gebäude rosa angestrahlt werden, nennt die Medizinsoziologin Samantha King schlicht Stromverschwendung.

Krebshilfe muss Kooperationen kritisch überprüfen

Wir sehen mehr Schaden als Gewinn für Frauen durch derartige Aktionen. Die Entwicklung, vorgeblich Wohltätigkeit auf Kosten kranker Menschen an geschäftliche Interessen zu koppeln, sehen wir mit Sorge. Die Deutsche Krebshilfe, für die am 18.10. Spenden gesammelt werden sollen, und die eine Vorbildfunktion einnehmen muss, rufen wir auf, ihre Kooperationen kritisch zu überprüfen.

Was für Frauen grundsätzlich wichtig ist:

Sechs Punkte für den Umgang mit dem Thema Brustkrebs in Deutschland:

  1. Öffentlich geförderte und transparente Forschung zu Ursachen der Krebsentstehung, Diagnostik und Therapie. Langfristige Nachbeobachtung von Forschungsergebnissen weit über vermarktungsrelevante Eckpunkte und fünf Jahre hinaus.
  2. Priorisierung der Vermeidung von Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen. Schwerpunkt muss endlich der Abbau von Umweltbelastungen und Umweltgefährdungen sein. Keine Kooperationen und keine Annahme von Spenden von Unternehmen und Institutionen, die für die Erzeugung und Verbreitung von Karzinogenen verantwortlich sind.
  3. Bereitstellung evidenzbasierter Informationsangebote unter Beachtung höchster professioneller und ethischer Standards und unter Berücksichtigung von Kapazität und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Informationsmaterialien zu den Themen Vermeidung, Screening, Diagnostik und Behandlung auf einer rationalen anstelle einer rein emotionalen Ebene.
  4. Transparente, zeitnahe und für Frauen verständliche Bewertung der Ergebnisse aus dem weltweit größten organisierten Mammographie-Screening-Programm in Deutschland. Frauen haben großes Interesse und Anspruch auf die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Programm, um ihre Entscheidungen für oder gegen eine Teilnahme treffen zu können.
  5. Berücksichtigung von Brustkrebs als einem großen sozialen Problem für erkrankte Frauen und ihre Familien sowie angemessene wirtschaftliche Absicherung von an Krebs erkrankten Frauen.
  6. Transparente Offenlegung und Veröffentlichung der Interessenlage von Organisationen, die sich mit Brustkrebs und anderen gesundheitsbezogenen Themen befassen und/oder Spenden sammeln.“

Soweit die Erklärung.

Weitere Informationen und Kontaktpartnerinnen unter:

www.frauengesundheit-berlin.de
www.akf-info.de
www.ffgz.de
www.bcaction.de
www.treffpunktkrebs.de
www.wecf.eu
http://frauenrechte.de

Zum Weiterlesen:

Öffnet externen Link in neuem FensterBrustkrebsmonat – Weg mit der rosa Augenbinde!
Blog auf der Website von Breast Cancer Action Germany

Öffnet externen Link in neuem FensterWelcome, Fans, to the Pinking of America
Artikel in der New York Times vom 15.10.2011 (englisch)


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Dienstag 18. Oktober 2011

Thema: Frauengesundheit, Brustkrebs,





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