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Frauenfeindlicher Kampfaufruf

Zwei Holzfiguren, eine schlägt, eine sucht Deckung

Foto: S. Hofschlaeger/www.pixelio.de

Antwort des Deutschen Frauenrates auf Gerhard Amendts Forderung, die Frauenhäuser abzuschaffen.

„Warum das Frauenhaus abgeschafft werden muss“, ist der Kampfaufruf von Gerhard Amendt überschrieben, den Die Welt am 16.06.2009 veröffentlicht hat. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte frau ihn frei nach Karl Valentin „nicht mal ignorieren“. Aber in einer Zeit, in der nicht wenige Frauenhäuser wegen unsicherer Finanzierung und personeller Unterbesetzung ihrer wichtigen Aufgabe nur unter schwersten Bedingungen nachkommen können, kann dieser Artikel nicht unkommentiert bleiben.

Abenteuerliche Behauptung

Die Behauptung Amendts, dass die „Ideologie“ der Frauenhäuser zu einer Polarisierung der Gesellschaft in „männliche Gewalttäter und weibliche Friedfertige maßgeblich“ beitrage, ist empörend und entbehrt zudem jeder Grundlage. Die meisten Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern würden niemals die abenteuerliche Behauptung aufstellen, Frauen seien sozusagen von Natur aus friedfertig und zu keiner Gewalttat fähig. Ein Realitätsverlust solchen Ausmaßes bleibt vielmehr dem Autor überlassen. Aber die Tatsache, dass auch Frauen Gewalt anwenden, hin und wieder auch gegen Männer, kann kein Grund dafür sein, Frauen, die Opfer männlicher Gewalt werden, die bewährte Zufluchtsstätte Frauenhaus zu verwehren. Vielmehr läge auf der Hand, verlässliche Zahlen über männliche Opfer von Gewalt von Frauen zu erheben und entsprechende Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Ungeheuerliche Beschädigung

Es ist eine ungeheuerliche Beschädigung der Arbeit und der Person der Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern, wenn ihnen unterstellt wird, sie würden Feindseligkeit gegen Männer als politischen Erfolg verbuchen. Viele dieser Frauen arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung daran, die Kommunikation zwischen in Konflikt lebenden Partnerinnen und Partnern wieder herzustellen und beide zu befähigen, ihren Konflikt ernsthaft und in Würde zu bewältigen und zu einer Lösung zu finden, mit der beide im wahrsten Sinne des Wortes gut leben können. Dem Autor ist zudem im Eifer der Gefechts entgangen, dass es den von ihm immer wieder angeführten gemeinsamen ideologischen Hintergrund der Frauenhäuser nicht gibt – ein Blick in die Geschichte der unterschiedlichsten Träger von Frauenhäusern würde hier schnell differenzierte Klarheit verschaffen. Oder aber – schlimmer noch – er führt die Leser und Leserinnen, von denen sich viele vermutlich nicht sehr intensiv mit der Problematik befasst haben, bewusst in die Irre, indem er auf notwendige Differenzierungen verzichtet. Amendt fordert ein Netz von Beratungsstellen für Familien mit Gewaltproblemen. Gut! Aber doch nicht als Ersatz für Frauenhäuser! Dass in diesen Beratungsstellen genauso wie in den Frauenhäuern gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sein müssen, ist ebenfalls nicht umstritten. Dafür bedarf es aber, und hier schließt sich der Kreis, der ausreichender und sicherer Finanzmittel.

Wir hoffen sehr, dass die Diskussion um Amendts Beitrag und das aktuelle Ergebnis der Online-Abstimmung „Gehören Frauenhäuser abgeschafft“, die im Kontext des Artikels initiiert wurde, nicht nur den Autor nachdenklich stimmen. Immerhin haben bis zum 24. Juni 75 Prozent gegen die Abschaffung und nur 25 Prozent dafür gestimmt. Wir hoffen aber auch, dass die Verantwortlichen der Welt zukünftig besser prüfen, ob sie derartig frauenfeindliche Kampfaufrufe veröffentlichen wollen.

Marlies Brouwers
Vorsitzende des Deutschen Frauenrates
Henny Engels
Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates

 
 
Zum Weiterlesen

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Öffnet externen Link in neuem FensterHort des Männerhasses - Warum das Frauenhaus abgeschafft werden muss
Gerhard Amendt in Welt online, 16.06.2009

Öffnet externen Link in neuem FensterFrauenhäuser sind ein unverzichtbarer Bestandteil von Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt
Offener Brief der Frauenhauskoordination e.V. an Gerhard Amendt, 23.06.2009

Öffnet externen Link in neuem FensterGegen die "Welt des Männerhasses"
Heide Oestreich in taz, 23.06.2009

Öffnet externen Link in neuem FensterFrauenhäuser abschaffen - schön wär`s ja!
Kommentar von Claudia Lissewski im Tagebuch von www.diegesellschafter.de, 28.06.2009

Öffnet externen Link in neuem FensterBundesweit einheitliche Finanzierung von Frauenhäusern gefordert


 

Erstellt am: Donnerstag 25. Juni 2009

Thema: Gewalt, Frauenhäuser,





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