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Geschlechterunterschiede bei Nebentätigkeiten von Bundestagsabgeordneten
Männliche Bundestagsabgeordnete gehen häufiger einer ehrenamtlichen und bezahlten Nebentätigkeit nach als ihre Kolleginnen.
Das haben Benny Geys vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Karsten Mause von der Universität Bremen nach Auswertung der beim Bundestagspräsidenten gemeldeten Nebentätigkeiten herausgefunden.
Von den 614 Bundestagsabgeordneten (MdBs) im Zeitraum von Oktober 2005 bis September 2007 waren 32,1 Prozent weiblich. 74 MdBs (12,1 Prozent) gingen keinerlei veröffentlichungspflichtigen Nebentätigkeit nach. Einige wenige haben sehr viele Nebentätigkeiten gemeldet (Höchstzahl: 24 Tätigkeiten). Der Durchschnitt externer Nebentätigkeiten lag bei knapp über vier.
Die Analyse von 197 weiblichen und 417 männlichen Mitgliedern des Deutschen Bundestages zeigt, dass das Geschlecht der PolitikerInnen auch die Wahrscheinlichkeit von Nebentätigkeiten beeinflusst. Männliche Abgeordnete ließen sich im Schnitt 4,37 Nebentätigkeiten verbuchen, weibliche Abgeordnete dagegen nur 3,37.
Diese Ungleichverteilung sei keine deutsche Spezialität, betonen die beiden Forscher Geys und Mause in der aktuellen Ausgabe der WZB-Mitteilungen. Kürzlich konnte auch durch mit Datensatz über italienische ParlamentarierInnen belegt werden, dass auch dort männliche Abgeordnete erheblich mehr Nebeneinkünfte anzeigen als weibliche.
Das Alter allein ist kein Vorteil
Die Befunde zu den Nebentätigkeiten männlicher und weiblicher MdBs deuten darauf hin, dass ein hoher Bildungsgrad - und das Humankapital, das er mit sich bringt - für Frauen bedeutsamer ist als für Männer, wenn es darum geht, Kompetenz zu signalisieren. Gleiches gilt für politische Erfahrung, die sich im Laufe mehrerer Amtsperioden im Parlament herausbildet. Mit dem höheren Durchschnittsalter der Abgeordneten allein lassen sich die Ergebnisse nicht erklären, denn tatsächlich zeigt die Analyse, dass ein höheres Alter für Männer von Vorteil sein kann, während es sich für Frauen als deutlich geringerer Vorteil erweist.
Männliche Bundestagsabgeordnete mit Kindern haben mehr Nebenjobs
Der Analyse zufolge haben Männer mit Kindern im Untersuchungszeitraum mehr Nebentätigkeiten gemeldet als Männer ohne Kinder - möglicherweise wollen sie ein höheres Familieneinkommen erzielen. Anders bei den weiblichen Abgeordneten, die mit Kindern im Schnitt weniger Nebenämter ausüben. Diese Beobachtung bestätigt aktuelle Studienergebnisse, wonach erwerbstätige Mütter beruflich weniger reisen als Frauen ohne Kinder. Für den Umfang der professionellen Reisetätigkeit von Männern ist es offenbar unerheblich, ob sie Kinder haben oder nicht.
Eine Erklärung für beide Befunde sehen die Forscher darin, dass Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit als Frauen PartnerInnen haben, die ihnen in Sachen Haus- und Familienarbeit den Rücken frei halten. Hochqualifizierte Frauen seien dagegen mit höherer Wahrscheinlichkeit Teil eines Doppelkarriere-Paares als Männer.
Die empirischen Erkenntnisse lassen für die Forscher keine eindeutigen Schlüsse über die Diskriminierung von Frauen zu. Geschlechter-Diskriminierung oder pro-männliche Vorurteile seien zwar mögliche Ursachen. Denkbar sei jedoch gleichermaßen, dass Frauen einfach seltener Nebentätigkeiten anstrebten oder entsprechende Angebote nicht so häufig annehmen wie Männer. Ferner könnten Frauen ihre parlamentarische Arbeit ernster nehmen und deshalb eher dazu neigen, potenzielle Interessenkonflikte durch Nebenjobs zu vermeiden.
Diese möglichen Zusammenhänge konnten Geys und Mause jedoch mit Hilfe der ausgewerteten Daten nicht belegen.
Erstellt am: Samstag 11. September 2010
Thema: Bundestag, Vereinbarkeit, Familie, Karriere,



