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Kassen verweigern Hebammen akzeptable Erhöhung der Gebühren

Mahnwache der Hebammen am 30.11.2011

Foto: Noel Matoff

Der Deutsche Hebammenverband sieht seinen Berufsstand gefährdet, sollten die Krankenkassen kein zufriedenstellendes Vergütungsangebot vorlegen.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben die Krankenkassen in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein Plus in Höhe von fast 4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Umso empörter ist der Deutsche Hebammenverband darüber, dass der GKV-Spitzenverband mit seinem jüngsten Angebot von 1,98 Prozent den Hebammen nicht einmal die aktuelle Preissteigerungsrate ausgleichen wolle.

Hebammen fordert 30 Prozent mehr Geld
Am 30. November 2011 haben die Hebammenverbände die Verhandlungen mit den Krankenkassen unterbrochen. Den neuen Verhandlungstermin am 5. Dezember hatten die Kassen kommentarlos verstreichen lassen. Seit Juni 2011 wird über die Gebühren für die freiberuflich erbrachten Hebammenleistungen und über die Betriebskosten für die Geburtshäuser verhandelt. Die Hebammen fordern 30 Prozent mehr für alle freiberuflich erbrachten Leistungen sowie eine Pauschale von 900 Euro für eine Geburt im Geburtshaus. Derzeit liegt diese Pauschale bei 550 Euro.

Nach Abzug aller Ausgaben bleibt ein Stundenlohn von 7,50 Euro
Die freiberuflichen Hebammen rechnen vor, dass eine Steigerung von 1,98 Prozent in keinem Verhältnis zu den Kosten steht: Für eine Geburt (verrechnet mit einem Arbeitsaufwand von elf Stunden) erhält eine Beleghebamme 237 Euro. Demgegenüber stehen steigende Ausgaben etwa für die Berufshaftpflichtversicherung, die ab Juli nächsten Jahres  4.242 Euro betragen wird. Allein um die Kosten der Berufshaftpflicht zu armortisieren, muss eine Beleghebamme bei den derzeitigen Gebühren für eine Geburt im Krankenhaus jährlich 196 Stunden bzw. fast fünf Wochen arbeiten. Nach Abzug aller Ausgaben bleibe im Schnitt gerade einmal ein Netto-Stundenlohn von etwa 7,50 Euro, so der Deutsche Hebammenverband.

Das Argument der Kassen, für größere finanzielle Zugeständnisse müsse erst das Ergebnis der vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie zur Einkommenssituation abgewartet werden, empfinden die Hebammenverbände als "dreiste Provokation". Niemand könne heute sagen, ob die Studie die wirtschaftliche Dramatik widerspiegeln werde und zu welchen Maßnahmen sich die Bundesregierung möglicherweise durchringe.

Berufsstand wird ausgeblutet
"Uns wundert es nicht, wenn Frauen händeringend nach Hebammen suchen, die oft auf Monate im Voraus ausgebucht sind", so Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. Viele Kolleginnen hätten bereits den Hebammenberuf an den Nagel gehängt, weil sie davon nicht mehr leben könnten. "Wenn die Krankenkassen den Berufsstand der Hebammen ausbluten lassen wollen, dann vernichten sie nicht nur einen Berufstand", warnt Klenk. Vielmehr  würden dann viele Frauen ohne gute Betreuung durch eine Hebamme in der Lebensphase Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu Opfern ihrer eigenen Krankenkassen werden.

Weitere Informationen:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.hebammenverband.de


AutorIn: Nathalie Sopacua

Erstellt am: Sonntag 11. Dezember 2011

Thema: Hebammen, Geburtshilfe,





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