Informationen
Deutscher Frauenring: Selbstbestimmung von Migrantinnen stärken
Studien zufolge sind Frauen aus Zuwandererfamilien häufiger von familiärer Gewalt betroffen als Nicht-Migrantinnen. Darauf macht der Deutsche Frauenring (DFR) anlässlich des Internationalen Aktionstages „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November aufmerksam. Nicht nur die Androhung oder Durchsetzung von Zwangsverheiratung stelle eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung dar, auch rigide Moralforderungen und sexuelle Unterdrückung von Mädchen und Frauen verhinderten ein selbstbestimmtes Leben.
Der DFR weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei jungen türkischstämmigen Frauen in Deutschland die Suizidrate fast doppelt so hoch ist wie bei gleichaltrigen Frauen aus deutschen Familien. Soziale und kulturelle Konflikte sowie Identitätsprobleme gelten als Auslöser. Dieser Fakt ist umso alarmierender, als die Selbstmordquote in der türkischstämmigen Bevölkerung insgesamt geringer ist als in der Gesamtbevölkerung.
Große Spannungen zwischen traditionellen Rollenerwartungen und modernen Lebensformen
Einer Studie zufolge, die an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin durchgeführt wurde und derzeit ausgewertet wird, leiden die jungen Frauen oftmals unter Verboten und Einschränkungen. Als eine wichtige Ursache für Suizidgedanken und Suizide bei jungen türkischen Frauen wird die große Spannung zwischen traditionellen Rollenerwartungen in der Familie und modernen Lebensformen im Aufnahmeland identifiziert.
Die Studie begleitete ein Projekt zur Suizidverhütung bei jungen türkischen Migrantinnen in Deutschland. Es umfasste die Schulung von MultiplikatorInnen mit gutem Zugang zur Zielgruppe sowie von Fachpersonal und eine sechsmonatige Medienkampagne unter dem Motto „Beende Dein Schweigen, nicht Dein Leben.“
Selbstbestimmtes Leben ist ein Menschenrecht
Der DFR begrüßt mit Nachdruck diesen Ansatz, der nicht nur Selbstmorde bei Migrantinnen zu verhindern sucht, sondern auch für die Themen Suizid und familiäre Konflikte aufgrund von kulturell bedingten Stereotypen sensibilisiert. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die UN-Frauenrechtskonvention CEDAW und fordert geeignete Maßnahmen, um Frauen mit Migrationshintergrund einen Weg aus solchen häufig von Gewalt geprägten Konflikten aufzuzeigen und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen: mehr Aufklärung über Ursachen und Behandlung von Depression, niedrigschwellige präventive Hilfsangebote, die Migrantinnen in Krisensituationen beraten und unterstützen, eine kultursensible Gesundheitsförderung und die interkulturelle Weiterbildung von Fachpersonal. „Im Vordergrund steht, dass alle Frauen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion ihre Lebensform frei wählen können,“ heißt es in der Erklärung des Deutschen Frauenrings.
Erstellt am: Freitag 25. November 2011
Thema: Gewalt gegen Frauen, Migrantinnen, CEDAW,



