Informationen
Von der Leyen: Keine kostenlose Pille für Hartz-IV-Bezieherinnen
Bis zu 16 Euro müssen Frauen jeden Monat für die Antibabypille bezahlen - auch Hartz IV-Empfängerinnen, denen monatlich rund 14 Euro für die Gesundheitsvorsorge zur Verfügung stehen. Das bleibt nicht ohne Folgen, wie die Beratungsorganisation pro familia anhand von Zahlen belegt.
Bis zum Inkraftttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) im Januar 2004 waren bedürftigen Frauen die Kosten für Empfängnisverhütung vom Sozialamt erstattet worden, seither müssen sie die Antibabypille selbst bezahlen. Viele können sich das aber nicht leisten; sie steigen auf weniger sichere Verhütungsmethoden um oder verzichten ganz auf Verhütung - und riskieren damit eine ungewollte Schwangerschaft.
Studie belegt Auswirkungen auf Verhütungsverhalten
In einer Pilotstudie an der Hochschule Merseburg aus dem Jahr 2006 wurden die Auswirkungen der nicht mehr gewährten Hilfe zur Familienplanung auf das Verhütungsverhalten von Frauen untersucht. Befragt wurden damals 69 Frauen zwischen 21 und 45 Jahren, die von ALG II leben. Danach gaben 80 Prozent der Befragten an, dass das ALG II die Kosten für Verhütungsmittel nicht ausreichend abdecke. Fast alle Frauen wünschten sich deshalb die Kostenübernahme der Mittel bzw. Methoden zur Verhütung. Darüber hinaus konnte in der Studie ein Nachweis dafür erbracht werden, dass sich die finanzielle Situation durchaus auf die Verhütungshäufigkeit auswirkt: Vor dem Bezug von ALG II hatten 67 Prozent der befragten Frauen immer verhütet, mit ALG II nur noch 30 Prozent.
Brandenburg will sich für kostenlose Verhütung stark machen
Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) will sich nun im Rahmen der Regelsatz-Erhöhung, die derzeit im Vermittlungsausschuss verhandelt wird, für die kostenlose Empfängnisverhütung stark machen. Dass der Staat die Kosten der Abtreibungen, nicht aber die Kosten für die Verhütung von Schwangerschaften trage, kommentierte Baaske gegenüber Welt-Online so: "Viel sinnvoller wäre es, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern." "Deshalb sollte natürlich vorrangig die Prävention - also das Verhütungsmittel - finanziert werden. Dafür sprechen ökonomische, soziale und psychologische Gründe."
Mit seinem Vorschlag knüpft Baaske an eine Bremer Initiative aus dem Frühjahr vergangenen Jahres an, die jedoch ergebnislos blieb. Rückendeckung für seinen Vorschlag bekommt Brandenburgs Sozialminister von den anderen SPD-geführten Ländern.
Von der Leyen: Kein Zusammenhang zwischen zu hohen Kosten für Verhütung und ungewollter Schwangerschaft
Keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den hohen Kosten für die Empfängnisverhütung von bedürftigen Frauen und der Zunahme ungewollter Schwangerschaften sieht die schwarz-gelbe Koalition. Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) lehnt die kostenlose Antibabypille für Hartz IV-Empfängerinnen bislang kategorisch ab. "Ihre Bewertung, dass Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II häufiger zu ungewollten Schwangerschaften tendieren, weil sie sich die Finanzierung von Verhütungsmitteln aus dem Regelsatz nicht leisten können, kann ich nicht teilen", schrieb sie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, der ebenfalls darauf hingewiesen hatte, dass die Pille für Hartz-IV-Empfängerinnen zu teuer sei.
Deutscher Frauenrat fordert bundeseinheitliche Regelung
Auch der Deutsche Frauenrat befürwortet kostenlose verschreibungspflichtige Verhütungsmittel für bedürftige Menschen. In einem Beschluss aus dem Jahr 2009 forderte die Frauenlobby Bundesregierung und Landesregierungen auf, "eine bundeseinheitliche Regelung zur kostengünstigeren Abgabe der Verhütungsmittel zu verabschieden, auch mit dem Ziel, dass der Kostenvorteil bei Kostenübernahme durch die Länder von diesen genutzt werden kann".
Weitere Informationen:
Erstellt am: Montag 03. Januar 2011
Thema: Verhütung, Familienplanung, Frauengesundheit,



