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Gewalt im Spiel: neue Studie zu Zwangsehen
Über die Hälfte der von Zwangsverheiratung Betroffenen wird mit Gewalt in die Ehe gezwungen. Das ergab eine Studie, die Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) am 9. November vorlegte. Fast ein Drittel der Befragten sah sich sogar Morddrohungen und Waffengewalt ausgesetzt.
Nur die mutigsten Mädchen suchen Beratungsstelle auf
Mehr als 3.000 Frauen und Mädchen suchten laut Studie im Jahr 2008 wegen einer drohenden oder bereits stattgefunden Zwangsheirat eine Beratungsstelle auf. Rund 60 Prozent von ihnen drohte eine Zwangsehe, bei 40 Prozent war die Zwangsehe bereits vollzogen. Allerdings sei hier von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, betont Christa Stolle, Geschäftsführerin von Terre des Femmes. Schließlich suchten nur die "mutigsten Mädchen" eine Beratungsstelle auf. Insofern könne die Studie über das tatsächliche Ausmaß von Zwangsheirat keine stichhaltigen Hinweise geben.
Die meisten Zwangsehen werden im Ausland geschlossen
Die Betroffenen sind der Studie zufolge vermeintlich gut integriert: Demnach sind 32 Prozent in Deutschland geboren, 44 Prozent besitzen einen deutschen Pass. Doch schützt das offenbar nicht davor, zwangsverheiratet zu werden. Mehr als die Hälfte der Zwangsehen werden im Ausland geschlossen oder sind dort geplant. 43 Prozent der Betroffenen fürchten, ins Ausland verschleppt zu werden und dort für immer leben zu müssen.
Schulen sollen sich dem Thema annehmen
"Es kann nicht sein, dass der deutsche Staat seiner Fürsorgepflicht für die jungen Frauen nicht nachkommt", so Stolle weiter. Sie fordert deshalb mehr Beratungseinrichtungen, die schon vorzeitig einsetzen können und nicht erst in einer akuten Situation. Doch dafür müssten Bund und Länder die Mittel für die Beratungsstellen aufstocken, so Stolle weiter. Nur dann könnten SozialarbeiterInnen auch dort beraten, wo potenziell Betroffene anzutreffen seien: in Jugenzentren, Mädchencafés, aber auch Schulen. Denn auch das ist ein Ergebnis der Studie: Nicht einmal jede zehnte der befragten Schulen gab an, dass Zwangsverheiratung ein relevantes Thema sei. Stolle findet das umso skandalöser, als knapp ein Drittel der Betroffenen jünger als 18 Jahre sei. Die Frauenrechtsorganisation drängt deshalb darauf, das Zwangsehen als Thema in alle Lehrpläne ab der 7. Klasse aufzunehmen.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), fühlt sich durch die Studie bestätigt: "In zahlreichen Fällen werden die Betroffenen zur Zwangsheirat ins Ausland verschleppt. Umso wichtiger war die Verlängerung des Rückkehrrechts auf bis zu 10 Jahre." Nun gelte es, niedrigschwellige Hilfsangebote auszubauen und die Zahl der Beratungsstellen zu erhöhen. Zugleich seien die Herkunftsländer in der Pflicht, ebenfalls mit ganzer Kraft gegen die schwere Menschenrechtsverletzung der Zwangsheirat vorzugehen, betonte Böhmer.
Zwangsverheiratung endlich in den Katalog der Auslandsstraftaten
Christa Stolle reicht Böhmers Appell an die Herkunftsländer allerdings nicht aus. Sie sieht sehr wohl gesetzlichen Bedarf. Denn tatsächlich werden über die Hälfte der Zwangsverheiratungen im Ausland durchgeführt; der Großteil der Betroffenen ist dann von deutschen Fachberatungsstellen nicht mehr zu erreichen. Das seit Juli 2011 gültige Gesetz gegen Zwangsverheiratung greife bei diesen Fällen nicht, da versäumt wurde, Zwangsverheiratung in den Katalog der Auslandsstraftaten aufzunehmen, kritisiert die Geschäftsführerin von Terre des Femmes. Das müsse endlich nachgeholt werden.
Weitere Informationen:
Zwangsverheiratung in Deutschland - Anzahl und Analyse von Beratungsfällen (Kurzfassung)
Erstellt am: Donnerstag 10. November 2011
Thema: Zwangsheirat, Migration,



