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Arbeitsmarkt

Frauen und Männer gehen beruflich noch immer getrennte Wege

Ärztin wertet Röntgenbild aus

IAB-Studie: Frauenanteil in akademischen Berufen stieg um 16 Prozent.
Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Obwohl die Erwerbsbeteiligung von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen ist, ist der westdeutsche Arbeitsmarkt noch immer stark nach Geschlechtern getrennt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Doch der IAB-Bericht vermeldet auch gute Nachrichten.

Der Frauenanteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist von 38 Prozent im Jahr 1976 auf 45 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Allerdings hat sich im gleichen Zeitraum am geschlechtsspezifischen Berufswahlverhalten nur wenig geändert. Rund 60 Prozent aller in Westdeutschland beschäftigten Frauen arbeiteten im Jahr 2010 in sogenannten frauentypischen Berufen (mindestens 70 Prozent Frauenanteil), Männer sogar zu zwei Dritteln in männertypischen Berufsfeldern (mindestens 70 Prozent Männeranteil). Noch immer werden die Bereiche Erziehung, Pflege, Reinigung und einfache Bürotätigkeiten überwiegend von Frauen, technische und verarbeitende Berufe hauptsächlich von Männern ausgeübt. Kaufmännische und gastronomische Berufe zählen zu den geschlechtergemischten Berufen.

Geschlechtersegregierter Arbeitsmarkt geringfügig geschrumpft
Während sich der Anteil der Frauen in den von ihnen bevorzugten Berufen kaum verändert hat - seit Mitte der Siebzigerjahre sank er nur um rund vier Prozent -, ist der Männeranteil in den für sie typischen Berufen um rund acht Prozent zurückgegangen. Nach Erkenntnissen der IAB-Forscherinnen Corinna Kleinert und Ann-Christin Hausmann kommen diese Veränderungen einerseits durch das Schrumpfen stark segregierter andererseits durch das Wachsen geschlechtsgemischter Berufe zustande.

Je höher das Qualifikationsniveau, desto mehr Frauen strömen in die Berufe
Doch auch wenn der Arbeitsmarkt noch immer stark geschlechtsspezifisch getrennt ist und Frauen in den eher schlechter entlohnten Berufen tätig sind, so konnten sie doch laut IAB seit Mitte der Siebzigerjahre an anderer Stelle gewinnen: Indem sie zunehmend ihre gestiegenen Bildungsabschlüsse auf dem Arbeitsmarkt nutzten. Je höher das Qualifikationsniveau eines Berufes ist, desto mehr Frauen strömen in ihn hinein. So stieg ihr Anteil in mittelqualifizierten Berufen um sieben, in hochqualifizierten Berufe (z.B. ZahntechnikerInnen, DolmetscherInnen) um neun und in akademischen Berufen (ÄrztInnen, ApothekerInnen) um 16 Prozentpunkte. Bei den niedrig qualifizierten Berufen nahm der Anteil der Frauen dagegen um knapp fünf Prozentpunkte ab. „Frauen konnten ihre Beschäftigtenanteile in vielen Berufen mit hohen Qualifikationsanforderungen steigern, was zumindest längerfristig auch zu einer größeren Beteiligung von Frauen an gut dotierten Führungs- und Managementpositionen führen könnte“, so die Forscherinnen. Außerdem stiegen die Frauenanteile in wachsenden Sektoren des Arbeitsmarktes wie zum Beispiel in Dienstleistungsberufen überproportional. Ob das allerdings in diesen Segmenten auch mit einer höheren Beschäftigungssicherheit einhergehe, hänge entscheidend davon ab, "wie sich Frauen und Männer auf unterschiedliche Tätigkeiten und Betriebe innerhalb der Berufsgruppen verteilen", heißt es in der IAB-Studie.

Die Studie basiert auf den Daten von sozialversicherungspflichtig Beschäftigen aus Westdeutschland im Zeitraum von 1976 bis 2010. Die Berücksichtigung von Ostdeutschland hätte einen Vergleich erst ab der Wiedervereinigung ermöglicht.

Weitere Informationen:

Die Studie ist abrufbar auf der IAB-Seite


AutorIn: Nathalie Sopacua

Erstellt am: Freitag 16. Mai 2014

Thema: Beruf, Arbeitsmarkt, Geschlecht

Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer.

(Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Dichterin, 1830-1916)