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Freierbestrafung

Deutscher Frauenrat lehnt FEMM-Vorstoß gegen Prostitution ab

Männliche Gestalt nimmt Geld aus seiner Brieftasche, im Hintergrund eine weibliche Gestalt in rotem Body.

Geschäftliche Beziehungen
Foto: djtaylor/Fotolia.com

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) des Europäischen Parlaments hat die Adaption des sogenannten „Schwedischen Modells“ im Kampf gegen Prostitution beschlossen. Demnach sollen Kunden von Prostituierten generell bestraft werden. Der FEMM-Antrag wird Ende Februar im Europäischen Parlament verhandelt. Der Deutsche Frauenrat lehnt dieses Vorhaben ab.

Verlagerung in den Untergrund
„Eine generelle Bestrafung von Freiern erzielt aus unserer Sicht nicht die von den Befürworter/innen erwünschten Effekte “, erklärt dazu Mona Küppers, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates. „Im Gegenteil: Erfahrungen aus Schweden zeigen, dass Prostitution durch die Bestrafung der Freier nicht einfach verschwindet – sie verlagert sich nur in den Untergrund. Dies jedoch kann gerade für die im Sexgewerbe tätigen Frauen nicht die Lösung sein.“

Prostituierte werden mitkriminalisiert
Es würden eben nicht nur die Freier kriminalisiert werden, so Küppers weiter, auch die Prostituierten selbst würden der Gefahr einer Kriminalisierung ausgesetzt. Dies wiederum würde den Errungenschaften des deutschen Prostitutionsgesetzes, das die Rechte von Prostituierten stärken will, zuwiderlaufen und einen Rückfall in bereits überholte Zustände bedeuten. So würde Prostitution erneut in nicht kontrollierbare Räume verlagert und die betroffenen Frauen schutzlos sowohl Freiern als auch Zuhältern ausgesetzt werden.

DF: Prostitutionsgesetz weiterentwickeln
Aus der Sicht des Deutschen Frauenrates ist es daher sinnvoller, das Prostitutionsgesetz im Sinne der Verbesserung der Lebenssituation von Prostituierten weiterzuentwickeln. Die zentralen Forderungen der Lobby der Frauen zum Thema Prostitution sind:

  • Das Prostitutionsgesetz im Sinne der Verbesserung der Lebenssituation von Prostituierten muss weiterentwickelt und eine Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten mit klaren Vorgaben und Mindeststandards eingeführt werden. Denn nur so kann geprüft werden, ob in diesen Betrieben geregelte Arbeitsbedingungen (Sicherheit für die Prostituierten, Hygiene und bezahlbare Mieten) gewährleistet sind. Dazu gehören auch, Überschreitungen des eingeschränkten Weisungsrechtes, nach dem ArbeitgeberInnen nur über Ort und Zeit, nicht aber über Freier und Sexualpraktiken bestimmen dürfen, zu ahnden.
  • Frauen, die in der Prostitution arbeiten, müssen sozialversichert sein.
  • Es müssen regelmäßige Angebote für Gesundheitsuntersuchungen und Beratung außerhalb der Arbeitsstätten eingeführt werden.
  • Für die Gruppe der 18- bis 21-Jährigen muss ein der besonderen Verletzlichkeit dieser Altersgruppe entsprechendes Beratungsangebot flächendeckend vorgehalten werden.


AutorIn: Melitta Kühnlein

Erstellt am: Mittwoch 29. Januar 2014

Thema: Prostitution

Wenn man den weiblichen Verstand schärft, indem man ihn bildet, ist Schluss mit dem blinden Gehorsam.

(Mary Wollstonecraft, englische Schriftstellerin, Philosophin und Frauenrechtlerin, 1739-1797)