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Frauen auf der Flucht

Asyl ist nicht geschlechtsneutral

Frau sitzt zusammengekauert vor einem kleinen Zelt

Notlager
Foto: Priyali Sur/womenundersiegeproject.org

Die Europäische Frauenlobby (EWL) macht auf die prekäre Lage von Kindern und Frauen aufmerksam, die in wachsender Zahl als Flüchtlinge nach oder in Europa unterwegs sind. Alarmiert u.a. von Mitgliedsorganisationen aus osteuropäischen Ländern, die über zunehmende Gewalt berichten, der Frauen und Mädchen auf ihrem Fluchtweg ausgesetzt sind.

Sexualisierte Gewalt und Ausbeutung an der Tagesordnung
So würden Frauen auf der Flucht von Beamten, Menschenschmugglern oder anderen Flüchtlingen vergewaltigt. Frauenorganisationen aus Ungarn hätten berichtet, dass sich unter den Vergewaltigern auch Polizisten in den Balkanstaaten befänden, schreibt die EWL. Zitiert wird auch die Geschäftsführerin von Women Under Siege, Lauren Wolfe: "Jede Frau, der ich während meiner Recherchen begegnet bin und die über den afrikanischen Kontinent nach Libyen geflohen ist, um von dort ein Boot nach Italien zu besteigen, hat über Vergewaltigungen gesprochen - über solche, die sie entweder selbst erlitten hat oder von denen sie Augenzeugin wurde."

Auf der Flucht seien Frauen und Mädchen besonders durch Menschenhandel und Prostitution gefährdet, schreibt die EWL weiter: "Schmuggler machen mit Menschenhändlern gemeinsame Sache, um Frauen und Mädchen zu missbrauchen, sie in Bordellen oder anderen Prostitutionsstätten auszubeuten. Frauen sind womöglich gezwungen, sich zu prostituieren, um die Flucht zu überleben, um einen Schlafplatz oder Nahrungsmittel zubekommen."

Unterstützung für Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung
Die EWL fordert daher unter anderem, dass die Asylverfahren in Übereinstimmung mit den vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR herausgegebenen Richtlinien zum Internationalen Schutz: Geschlechtsspezifische Verfolgung erfolgen müssen. Darin heißt es unter anderem, dass Personen, die einen Asylantrag aufgrund geschlechtsspezifischer Verfolgung stellen, und insbesondere überlebende Opfer von Folter, ein unterstützendes Umfeld brauchen, "in dem sie die Gewissheit haben, dass ihr Antrag vertraulich behandelt wird. Manche Antragstellende zögern aus Scham darüber, was ihnen widerfahren ist, oder weil sie traumatisiert sind, das wahre Ausmaß der erlittenen oder befürchteten Verfolgung zu schildern. Möglicherweise haben sie noch immer Angst vor Amtspersonen, oder sie fürchten, von ihrer Familie und/oder ihrer Gemeinschaft verstoßen und/oder bestraft zu werden."

Weitere Informationen:

EWL: Asylum is not gender neutral: the refugee crisis in Europe from a feminist perspective

UNHCR Richtlinien zum Internationalen Schutz: Geschlechtsspezifische Verfolgung


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Dienstag 22. September 2015

Thema: Asyl, Flüchtlinge, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, sexuelle Gewalt

In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber hängt der Philisterzopf den männlichen Genossen noch ebenso im Nacken wie dem ersten besten Spießbürger.

(Clara Zetkin, deutsche Sozialistin, Kommunistin, Frauenrechtlerin, 1857-1933)