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Equal Pay Day 2015

Frauen in Führungspositionen der Privatwirtschaft verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger

Zwei Schachfiguren, eine weiße Königin und ein weißer König stehen auf unterschiedlich hohen Türmchen aus Geldmünzen.

Königliches Salär?
Foto: Jens Tandler/123rf.com

Die geschlechtsspezifische Entgeltlücke in den Führungsebenen der Privatwirtschaft ist groß: Im Jahr 2013 erhielten in Vollzeit angestellte Frauen in Leitungspositionen rund ein Fünftel weniger Bruttogehalt als Männer mit vergleichbaren Aufgaben. Damit verringerte sich diese Lücke in mehr als zehn Jahren nur um vier Prozent. Im Jahr 2002 betrug sie noch 26 Prozent. Das zeigen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) anlässlich des Equal Pay Day am 20. März.

„Die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und ihre höhere Belastung, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren, sind wichtige Gründe für den Gender Pay Gap, die unsere Gesellschaft dringend beheben muss“, erklärt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies.

Höhe des Verdienstes und der Prämien oft nicht bekannt

Während Männer in Führungspositionen (einschließlich Fachkräfte in hochqualifizierten Tätigkeiten) den Berechnungen zufolge im Jahr 2013 durchschnittlich rund 5.100 Euro verdienten, waren es bei Frauen durchschnittlich 4.000 Euro. Diese Differenz von mehr als einem Fünftel könne sich kaum mit kürzeren Arbeitszeiten von Frauen erklären lassen, so Holst. Vollzeitbeschäftigte Frauen in Führungspositionen arbeiteten mit durchschnittlich 45,4 Stunden nur rund anderthalb Stunden oder drei Prozent weniger als vollzeitbeschäftigte Männer.

Auch die Geschlechtstypik der ausgeübten Berufe, also die Frage, ob es sich eher um Frauen-, Misch- oder Männerberufe handele, sei nicht die Ursache für den Gender Pay Gap bei Führungskräften. Vielmehr spiele die Berufserfahrung für das Einkommen von Führungskräften eine zentrale Rolle. Frauen würden in Partnerschaften noch immer einen größeren Teil der Familien- und Hausarbeit leisten und unterbrächen ihre Erwerbsarbeit viel öfter als Männer oder seien in Teilzeit beschäftigt. Dies gehe einher mit der Zuschreibung geringerer Kompetenz- und Leistungserwartungen und münde oft in so genannter statistischer Diskriminierung von Frauen am Arbeitsmarkt und bei der Besetzung von Top-Positionen, argumentiert die Ökonomin. „Um gleiche Verdienstchancen von Frauen und Männern zu fördern, ist auch mehr Transparenz nötig“, so Holst. „Oft sind der übliche Verdienst, Boni oder andere Prämien insbesondere für hohe Positionen nicht bekannt, so dass betroffene Frauen kaum wissen, dass sie hinsichtlich des Verdienstes unter ihrem Potential bleiben.“

Definition Führungskräfte
Der untersuchte Personenkreis umfasst in den Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) Personen zwischen 18 und 64 Jahren, die angaben, als Angestellte in der Privatwirtschaft in Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben (zum Beispiel Direktorin-nen/Direktoren, Geschäftsführerinnen/Geschäftsführer oder auch Vorstände größerer Betriebe und Verbände), sonstigen Leitungsfunktionen oder hochqualifizierten Tätigkeiten (zum Beispiel Abteilungsleiterinnen/Abteilungsleiter, wissenschaftliche Angestellte, Ingenieurinnen/Ingenieure tätig zu sein.


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Dienstag 17. März 2015

Thema: Equal Pay Day, Entgeltgleichheit, Privatwirtschaft, Führungspositionen

Es gibt auch eine Befriedigung, die sich im Kopf abspielt: Denken.

(Gabriele Wohmann, deutsche Schriftstellerin)