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Kino im Geschlechtertest

Ingrid Bergmann liegt Humphrey Bogart in den Armen - Szene aus Casablanca

Schau mir in die Augen, Kleines!

Sie sitzen im Kino und gähnen? Seit einer geschlagenen Stunde lauschen sie ausschließlich männlichen Dialogen und warten auf den Moment, in dem die Frau auf der Leinwand ganze Sätze bildet? Dann sitzen sie garantiert in einem Film, der beim „Bechdel-Test“ durchgefallen ist. In Schweden haben einige Kinos, unterstützt vom Schwedischen Filminstitut, diesen Check jetzt eingeführt. Dabei überrascht so manches Testergebnis.

Benannt ist der „Bechdel-Test“ nach der der US-amerikanischen Karikaturistin und Autorin Alison Bechdel. In einem ihrer queer-feministischen Comic-Strips, bereits in den Achtzigerjahren veröffentlicht, erklärt eine der  Protagonistinnen einer anderen, welche drei Kriterien ein Film für sie erfüllen müsse:

1. Es müssen mindestens zwei Frauen (mit Namen) darin vorkommen.
2. Mindestens zwei Frauen müssen miteinander reden (keine Einzeiler!).
3. Es muss in diesem Gespräch (mindestens) ein anderes Thema geben als Männer.

Damit war der „Bechdel-Test“ (auch Bechdel/Wallace-Text) geboren - ein Indikator für die Präsenz und die Darstellung von Frauen im Film. Filme, die den "Bechdel-Test" bestehen, werden in einigen schwedischen Kinos jetzt mit einem "A" gekennzeichnet. Damit soll deutlich werden, welche Filme durch das Raster fallen mit dem Ziel, künftig mehr weibliche Perspektiven im Kino zu zeigen. Das staatlich finanzierte Öffnet externen Link in neuem FensterSchwedische Filminstitut unterstützt die Initiative.

Frauen, die nur mit Männern reden
Die meisten Filme schaffen den Test allerdings nicht. Es ist nicht verwunderlich, dass der Großteil aller Action- oder Westernfilme keinerlei Chancen hat. Auch Klassiker wie "Casablanca" bedürfen keiner genaueren Analyse. Und auch anspruchsvollerere Streifen fallen durch, zum Beispiel das viele beachete Langfilmdebüt "Das Leben der Anderen": Die einzige Frau im Film, die spricht, redet ausschließlich mit Männern.

Frauen, die nur rennen
Durchgefallen ist auch "Harry Potter" – trotz seiner starken Frauenfiguren. Leider reden sie im Film fast nie miteinander, und das in nahezu allen Verfilmungen des berühmten Zauberschülers. Auch "Lola rennt" besteht den Check nicht, auch wenn mit Franka Potente eine weibliche Haupdarstellerin in dem viel gelobten Spielfilm zu sehen ist. Doch leider rennt sie an allen anderen Frauen im Film vorbei, so dass die übrigen Protagonistinnen in der Bedeutungslosigkeit versinken. In dem kommerziell erfolgreichsten Film aller Zeiten "Avatar" gibt es auch eine Heldin und sogar mehrere Frauen, die sich heldenhaft hervortun. Doch auch sie wechseln kein Wort miteinander. Darum fällt auch dieser Film durch.

Frauen, die über Piercings reden
Bei einigen Spielfilmen ist es wiederum erstaunlich, dass sie den Bechdel-Test bestehen. Dazu gehört ''Pulp Fiction'' von Regisseur Quentin Tarantino, dessen Dialoge meist unter Männern stattfinden. In ''Pulp Fiction'' reden Jody (Rosanna Arquette) und Trudi (Bronagh Gallagher) immerhin über Piercings. Darum schafft der Film den Check dennoch. Auch dass der Streifen ''Blondinen bevorzugt'' mit Jane Russell und Marilyn Monroe den Test besteht, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch Jane Russell und Marilyn Monroe unterhalten sich zwischen all ihren amourösen Abenteuern auch schon mal über andere Themen. Auch in ''Ben Hur'' reden Frauen miteinander, weshalb der archaische Männerfilm mit "A" gekennzeichnet werden kann.

... und über eine Verfolgungsjagd
Kaum zu glauben ist jedoch, dass sogar eine Ausgabe der James Bond 007-Reihe den Test besteht: "Skyfall" aus dem Jahr 2012, der zum 50. Jubiläum der Bond-Filmreihe erschienen ist. Schon in der ersten Szene des britischen Agententhrillers unterhalten sich zwei Frauen über den laufenden Einsatz und die Strategie der Verfolgungsjagd. Weiter so.

Weitere Informationen:

Öffnet externen Link in neuem Fensterbechdeltest.com


AutorIn: Diana Engel

Erstellt am: Dienstag 26. November 2013

Thema: Medien

Wir sollten die Begriffsverwirrung endlich richtigstellen: Frauen haben genug Arbeit. Was ihnen fehlt, ist bezahlte und qualitativ zumutbare Arbeit.

(Marieluise Beck, deutsche Politikerin, Mitgründerin der Grünen, Mitglied des Deutschen Bundestages, 2002-2005 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)