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Sexismus in der ARD

Programmbeschwerde gegen „Hart aber fair“

Plasberg vor dem Logo seiner Sendung

Frank Plasberg gibt gern den Fred Feuerstein
Foto: Screenshot von einem Trailer

Frank Plasberg, Moderator der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ ist nicht bekannt für ein modernes Geschlechterverständnis. Doch mit der Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ am 2. März haben er und seine Redaktion die Grenze des Zumutbaren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen überschritten. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungbeauftragten in NRW hat deswegen Programmbeschwerde eingelegt.

Im Schreiben an Tom Buhrow, den Intendanten des WDR, dessen Sender verantwortlich für die Talkshow zeichnet, heißt es:

„Hiermit legt die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen NRW förmliche Programmbeschwerde gegen die Sendung „Hart aber fair“ vom 2.3.2015 ein. Die Sendung von Frank Plasberg lief unter dem Titel: 'Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?' Bereits in der Anmoderation verließ Herr Plasberg den Standpunkt des neutralen Moderators, indem er 190 Genderprofessuren als 'Alltagswahnsinn' bezeichnete.

Die Auswahl der Gäste war nicht dazu geeignet, eine faire Diskussion über Geschlechterforschung zu führen. Fachfrauen bzw. Fachmänner aus Wissenschaft oder Verwaltung fehlten vollständig. Dies war bewusst so geplant, wie Herr Plasberg im Verlauf der Sendung mit Überzeugung vertrat. Manipulativ wurden polarisierende Beispiele ausgewählt. Ampelmännchen,  Unisextoiletten und brünftige Hirsche werden herausgestellt, um das gesamte Themenspektrum um Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik gezielt lächerlich zu machen.

Herr Plasberg stellte seine Fragen ebenso manipulativ. Beispiele: Er fordert Frau Wizorek auf, die Welt über die Nützlichkeit von Unisextoiletten aufzuklären, dabei liegt ihre Fachlichkeit auf dem Gebiet des Alltagssexismus. Sie wird in die Ecke gedrängt und genötigt, Thesen zu vertreten, die sie nicht selbst aufgestellt hat. Herrn Kubicki wird die Antwort auf die Frage, ob man Geschlechtergerechtigkeit bei der Hirschbrunft braucht, direkt in den Mund gelegt. Herr Hofreiter wird abgekanzelt und belehrt, als er auf die Unwichtigkeit dieser Beispiele in Bezug auf die Gesamtproblematik hinweisen will. Frau Thomalla wurde anscheinend eingeladen, um Spott und Häme zu verbreiten, die Fragen die sie erreichten, hatten keinen anderen Zweck, als das Thema unbeleckt jeder Fachlichkeit lächerlich zu machen. Frau Kelle wirkte wie die Anwältin des Moderators, bei dem er seine Meinung bestätigt bekam.

Es handelt sich um einen ungeheuerlichen Machtmissbrauch des 'Moderators', die neutrale Position zu verlassen und auf diese Art und Weise ZuschauerInnen manipulieren zu wollen. Es schien so, als solle der 'gesunde Menschenverstand' beschworen und bedient werden, der sich seit Monaten montags auf der Straße zeigt.

Derart unfaire Sendungen mögen vielleicht im Pay-TV hinnehmbar sein, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen dürfen sie unseres Erachtens keinen Platz haben. Die Sendung von Herrn Plasberg hat unseres Erachtens gegen die Programmgrundsätze („Wertende und analysierende Einzelbeiträge haben dem Gebot journalistischer Fairness zu entsprechen“) des WDR verstoßen.

Wollen Sie auf diese Art und Weise mehr Frauen und junge Menschen für den WDR begeistern? Als Gebührenzahlerinnen verlangen wir Auskunft darüber, ob diese Art der Sendungsgestaltung prägend für den WDR werden soll.“

So heißt es in der Programmbeschwerde der LAG der nordrheinwestfälischen Gleichstellungsbeauftragten.

Protest verstärken
Die Sendung hatte direkt nach ihrer Ausstrahlung am 2. März zu ersten heftigen Reaktionen geführt. Wobei Anmerkungen in Medien wie „Totaler Schwachsinn bei Plasberg" und „Fernsehen zum Fremdschämen“ eher harmlose Kritiken waren. Mit der Programmbeschwerde der LAG ist nun vielleicht eine Protestwelle in Gang gekommen. Sie kann durch weitere Beschwerden gegenüber dem WDR-Intendanten Tom Buhrow und dem WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn wirkungsvoll verstärkt werden.

Weitere Informationen:

Die Hart-aber-fair-Sendung vom 2. März 2015


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Freitag 27. März 2015

Thema: Seximus, Fernsehen

Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen.

(Louise Otto-Peters, deutsche Schriftstellerin und Mitgründerin der bürgerlichen Frauenbewegung, 1819-1895)