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WDR-Rundfunkrat

Ohrfeige für Plasberg: Ampelmännchen muss in Giftschrank

Symbol für Gift: Totenkopf mit gekreuzten Knochen

Ab in den Giftschrank
Foto: WOGI/fotolia.com

Mit ungewöhnlich harter Keule hat der WDR-Rundfunkrat auf die Beschwerden reagiert, die die Talkshow „hart aber fair“ und ihr Moderator Frank Plasberg im vergangenen März mit der Sendung „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ hervorgerufen hatten. Auf seiner Sitzung am 18. August entschied das Gremium, dass die Sendung im „Giftschrank“ verschwinden muss, sie also in der Mediathek nicht mehr gezeigt und auch sonst nie mehr wiederholt werden darf.

Von Inge von Bönninghausen und Karin Junker

Die Beschwerdeführerinnen, die sich nach der Sendung an den WDR-Intendanten Tom Buhrow gewandt hatten, hatten vom Anstaltschef eine ausführliche Begründung erhalten, weshalb er ihrer Programmbeschwerde nicht abhelfen könne. Damit nicht zufrieden, wandten sie sich an den Rundfunkrat. Am 18. August nahm sich dieser nun in einer öffentlicher Sitzung des Themas an. Es wurde zwar betont, dass zum Schutz der Pressefreiheit für Programmbeschwerden enge Grenzen gezogen seien, aber haarscharf unterhalb der hohen Hürde vor Verletzungen der Programmgrundsätze bewegte sich die herbe  Kritik des WDR-Rundfunkrates. Moderator Frank Plasberg hat also keinen Grund, sich darüber zu freuen, dass die Beschwerden, gegen die journalistische Fairness und gegen den Anspruch auf Gleichstellung der Geschlechter verstoßen zu haben, zurückgewiesen wurde, denn der Rundfunkrat zückte eine ungewöhnlich harte Keule: Die Sendung muss im „Giftschrank“ verschwinden, darf also in der Mediathek nicht mehr gezeigt und auch sonst nie mehr wiederholt  werden.

Unseriös, einseitig, völlig überzogen
Konsequenzen dieser Art, denen Intendant Buhrow bereits zugestimmt hat,  werden nur äußerst selten ergriffen. Sie beruhen auf der vernichtenden Beurteilung des Programmausschusses, der nicht ein gutes Wort finden konnte. Im Gegenteil: Man habe großes Verständnis für die Beschwerden, denn mit dem Thema Gleichstellung sei in der in der Sendung auf sehr unseriöse Art und Weise umgegangen worden. Obwohl diesem Format ein gewisses Maß an Provokation zugestanden werde, sei  hier aber völlig überzogen worden durch die einseitige Gästeauswahl, die fragwürdige Moderation und die Einspieler mit Beispielen, die das Thema der Lächerlichkeit preisgegeben hätten.

WDR-Fernsehprogrammdirektor Jörg Schönenborn räumte ein, die Sendung sei nicht gelungen gewesen. Frank Plasberg sei aufgrund der geballten Kritik nachdenklich geworden. Plasberg erhält wie die Petentinnen eine schriftliche Stellungnahme des Rundfunkrates über die Meinungsfindung.

Die Beschwerdeführerinnen müssen sich nicht grämen. Sie haben eine breite öffentliche Diskussion initiiert und trotz der formalen Zurückweisung der Beschwerden einen beachtlichen Erfolg der besonderen Art errungen. Darauf können sie stolz sein.

Weitere Informationen:

Die schriftliche Stellungnahme des WDR-Rundfunkrates kann zeitnah unter www.frauenbueros-nrw.de abgerufen werden.

Nachtrag:

In Düsseldorf gibt es derzeit eine Protestwelle gegen einen Auftritt der antifeministischen, rechtspopulistischen Autorin Birgit Kelle, die mit ihrem Buch „Gender Gaga“, Frank Plasberg und seine Redaktion zu jener „Ampelmännchen“-Sendung inspiriert haben soll. Kelle soll in einer Schulaula auftreten. Darauf habe es nach Angaben des Schuldezernenten „zahlreiche massive Beschwerden“ gegeben. Der Auftritt darf dennoch stattfinden, weil er nicht den Schulfrieden gefährdet. Denn abends darf die Aula an Alle vermietet werden.


AutorIn: Inge von Bönninghausen, Karin Junker

Erstellt am: Donnerstag 20. August 2015

Thema: Gleichstellung, Fernsehen, Sexismus

Heutzutage reichen schon drei Mädels aus, um einen Preis zu erhalten, den sonst ein einzelner Mann bekommt.

(Gabi Bauer, deutsche Fernseh-Moderatorin bei der Verleihung des Hans-Joachim-Friedrich-Preises)