Pressemeldungen
Berlin, Montag 14. April 2008
Wir brauchen vor allem Gesetze
Deutscher Frauenrat anlässlich des Equal Pay Days
Am 15. April wird in Deutschland zum ersten Mal der Equal Pay Day begangen. Der internationale Aktionstag macht auf die ungleiche Entlohnung von Männern und Frauen aufmerksam. Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, sagte aus diesem Anlass:
03/2008
„Frauen verdienen weniger, weil sie Frauenarbeiten verrichten, und Frauenarbeiten werden geringer bezahlt, weil sie von Frauen ausgeübt werden. Zu diesem Zirkelschluss kamen die US-amerikanischen Sozialpsychologinnen Sharon T. Shepela und Ann T. Viviano vor gut zwanzig Jahren. Leider ist er heute so aktuell wie damals: In der geschlechtsspezifischen Aufteilung und Bewertung von reproduktiver und produktiver Arbeit konstituiert sie die diskriminierende Geschlechterhierarchie täglich neu: Trotz gestiegener Qualifikation von Frauen – wir alle wissen: so eine gut ausbildete Frauengeneration wie heute gab es noch nie - trotz 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz, trotz beachtlicher Gleichberechtigungsgewinne, die wir auf vielen Gebieten errungen haben.
Um diese anachronistische Gerechtigkeitslücke endlich zu schließen, brauchen wir nicht noch mehr Girls’ Days oder andere Ermutigungsprogramme für das ‚Defizitmodell Frau’. Was wir brauchen, sind neue geschlechtergerechte Bewertungssysteme, wir brauchen neue Tarifverträge für den Öffentlichen Dienst und für die Privatwirtschaft, und wir brauchen vor allem Gesetze: Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG), für das sich der Deutsche Frauenrat lange eingesetzt hat, zeigt für manche Fälle von Entgeltdiskriminierung bereits Erfolge.
Aber wir wollen mehr: Bereits seit 2002 fordert der Deutsche Frauenrat ein Gesetz zur Durchsetzung des Entgeltgleichheitsgebots, das u. a. Tarifvertragsparteien und Unternehmen verpflichtet, ihren Entgeltsystemen diskriminierungsfreie Arbeitsbewertungsverfahren und Arbeitsbewertungen zugrunde zu legen. Und wir bleiben bei unserer Forderung nach einem Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft. Denn wir erleben täglich, dass freiwillige Verpflichtungen zu nichts führen. Gesetze aber durchaus,“ so die Vorsitzende der Lobby der Frauen, Brunhilde Raiser.
Am 15. April werden in mehr als 25 Städten Frauen dagegen protestieren, dass sie im Durchschnitt 22 Prozent weniger Lohn oder Gehalt bekommen als Männer. Initiiert wurde der Equal Pay Day in Deutschland vom Netzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany, Mitgliedsverband des deutschen Frauenrates, weitere Verbände unterstützen die Aktionen.
Weitere Informationen zum Equal Pay Day
Berlin
Erstellt am: Montag 14. April 2008


