zum Hauptmenü oder zum Inhalt springen.

Inhalt

Nachrichten

Europäische Frauenlobby

Im Doppelpack ins Parlament

Ska Keller und Güliz Tomruk

Ein erfolgreiches Doppel
Foto: privat

Dem Europäischen Parlament mangelt es nicht nur an weiblichen Abgeordneten, die Frauenquote liegt derzeit bei knapp dreißig Prozent. Auch der Anteil von Abgeordneten aus ethnischen Minderheiten ist mit nur vier Prozent sehr gering. Um beide Quoten zu steigern, hat die Europäische Frauenlobby (EWL) das Projekt „European Political Mentoring Network“ ins Leben gerufen. Es soll Frauen mit Migrationshintergrund für eine EP-Kandidatur fit machen.

Seit Januar 2013 bis zu den Wahlen im kommenden Mai bilden neun Mentorinnen, alles Europaabgeordnete, mit neun politisch aktiven Frauen aus unterschiedlichen Parteien je ein transnationales Tandem. Die Mentorinnen bereiten ihre Schützlinge auf die Wahlen vor, verschaffen ihnen nach dem Prinzip des „Shadowing“ Einblicke in ihre Arbeit im EU-Parlament, machen sie mit dessen Strukturen vertraut, teilen Ratschläge und Erfahrungen.

Insider- und andere wertvolle Tipps
Ein Erfolgsgespann bilden die grüne Abgeordnete Ska Keller aus Deutschland und Güliz Tomruk von der niederländischen Partei Groenlinks. Tomruk, Tochter türkischer Einwanderer, ist angetan von dem Programm. Sie habe nicht nur wertvolle politische Ratschläge, sondern auch sehr anwendungsorientierte Fertigkeiten vermittelt bekommen: „Ich habe gelernt, wie man eine Website gestaltet und pflegt und wie man sich in sozialen Netzwerken am besten vermarktet. Außerdem habe ich meine rhetorischen Fähigkeiten ausgebaut und gelernt, mich besser vor anderen Menschen zu präsentieren.“ Tomruk hat einen Listenplatz bei den niederländischen Grünen für die Europawahlen errungen, und ihre Mentorin Ska Keller ist sehr zufrieden. Güliz Tomruk habe das Parlament kennengelernt, eine klare Zielsetzung formuliert und einen sehr guten Kampagnenplan entwickelt, sagt sie. Gemeinsam hätten sie sich viel mit der Frage beschäftigt, „was genau mein Ziel ist und was ich tun muss, um dorthin zu gelangen, bzw. was mir auf meinem Weg nicht unbedingt weiterhilft“. Denn, so Keller, es sei wichtig bei den unglaublich vielen Themen und Terminen, „sich zu fokussieren und nicht zu übernehmen. Denn man kann nicht alles machen.“

Voneinander lernen
Ähnliche Erfolge haben auch Mojca Kleva Kekuš von der sozialdemokratischen Partei Sloweniens und Sanchia Alasia von der englischen Labour Party vorzuweisen. Die Europaparlamentarierin Kleva Kekuš redet mit ihrer Mentee darüber, wie man Privatleben und Karriere miteinander vereinbaren kann. Sie teilt mit ihr die Erfahrungen, Hürden und Mühen, denen sie selbst als junge Politikerin gegenüberstand. Sie gibt ihr Bestes, um Sanchia Alasia zu ermutigen und bei ihrer politischen Karriere zu unterstützen.

Alasia, in Jamaica geboren und in London aufgewachsen, ist eine von sechs neuen KandidatInnen, die die Labour Party für die Region London in die Europawahl schickt. Kleva Kekuš ist überzeugt, dass das Mentoringprogramm eine wichtige Initiative ist, denn: „Politik ist immer noch ein herausfordernder Job für Frauen, und deshalb möchte ich anderen helfen, die Barrieren zu beseitigen und die vorherrschenden Stereotypen von Politikerinnen zu verändern.“ Das Programm biete allen Teilnehmerinnen die Chance, Informationen zum Karriereeinstieg aus erster Hand zu bekommen, und es gebe „beiden Seiten die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen und voneinander zu lernen. Ich habe in meiner Mentee zudem eine neue Freundin gefunden“, sagt Kleva Kekuš.

Gegenseitiges Geben und Nehmen
Auch die Mentorinnen lernen also von ihren Schützlingen. So hat Keller von Tomruk viel darüber erfahren, „wie die niederländische grüne Partei funktioniert. Aber auch über ihr kommunalpolitisches Engagement und darüber, was sie in der Welt verändern will. Ich finde es immer spannend, herauszufinden, warum Menschen sich engagieren.“ Es sei „ein Geben und Nehmen“, sagt Güliz Tomruk. „Das Programm hat jeden von uns stärker gemacht. Es ist ganz egal, aus welchem Land oder welcher Partei wir stammen, jede hat ihr Bestes getan, um den anderen zu helfen“. Und: „Man muss mehr Frauen aus ethnischen Minderheiten für die Politik begeistern, um ihnen in den Parlamenten eine Stimme zu geben.“

Der Beitrag erscheint auch in der aktuellen Ausgabe von FrauenRat mit dem Schwerpunktthema Migration in und nach Europa.

Weitere Informationen:

Der Beitrag als pdf-Download

Video über das European Political Mentoring Network


AutorIn: Louisa Wolf

Erstellt am: Montag 07. April 2014

Thema: EU-Parlament, Mentoring EWL

Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer.

(Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Dichterin, 1830-1916)