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Geschlechterquote

Kulturrat fordert mehr Frauen in Leitungsfunktionen

Frau bedient ein Mischpult

Frauen in die Schaltzentralen - auch im Kulturbereich
Foto: Kzenon/fotolia.com

Der Gender Pay Gap beträgt bei FreiberuflerInnen im Kulturbereich 24 Prozent – so eine Studie des Deutschen Kulturrats (DKR) in diesem Sommer. Nun legte der Verband einen Maßnahmen- und Forderungskatalog vor, mit dem er die Geschlechtergerechtigkeit in Mitgliedsverbänden, öffentlich finanzierten Kultureinrichtungen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk voranbringen will.

Der DKR möchte dabei künftig selbst ein gutes Beispiel sein: „Wir werden in der Zukunft unsere Jurys, Auswahlgremien sowie unsere Vorstände bzw. Präsidien geschlechtergerecht besetzen. Wir fordern unsere Mitglieder auf, ebenfalls in der Zukunft auf eine geschlechtergerechte Besetzung ihrer Gremien zu achten. Jetzt ist die Politik ihrerseits am Zug, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, um mehr Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich zu erreichen. Konkrete Vorschläge haben wir heute vorgelegt“, so Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des DKR.

Die Forderungen des DKR
Im Bereich der individuellen- und projektbezogenen KünstlerInnen-Förderung fordert der DKR,

  • dass Jurys und Auswahlgremien, die durch öffentliche Mittel finanziert werden, geschlechtergerecht besetzt werden; Ziel ist es, Parität herzustellen,
  • dass Maßnahmen der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie hinsichtlich Altersgrenzen flexibilisiert werden,
  • dass Auswahlverfahren, sofern möglich, anonymisiert erfolgen,
  • dass ein Förderprogramm für den künstlerischen Wiedereinstieg nach einer Familienphase entwickelt wird, diese Programme sollen sich an Frauen und Männer richten.

Im Bereich von Schulen und in der Berufsberatung fordert der DKR,

  • dass in den allgemeinbildenden Schulen und in der Berufsberatung Jungen und Mädchen unabhängig von geschlechtsspezifischen Typisierungen alle Berufe nahegebracht und sie gleichermaßen für sie begeistert werden,
  • dass in den allgemeinbildenden Schulen über technisch-künstlerische Berufe und die damit verbundenen Berufschancen verstärkt informiert wird, um die geschlechtsspezifischen Zuweisungen aufzubrechen.

Für Hochschulen fordert der DKR,

  • dass die Aufnahmegremien an künstlerischen Hochschulen und Universitäten geschlechtergerecht besetzt werden,
  • dass die Programme zur Förderung von Professorinnen fortgesetzt und mehr Professorinnen an Kunst- und Musikhochschulen berufen werden,
  • dass mehr Frauen in Leitungsfunktionen an Kunst- und Musikhochschulen gewählt werden,
  • dass Fragen des Arbeitsmarktes Kultur, insbesondere zu Verhandlungen zu Honoraren und Vergütungen, Teil des allgemeinen Lehrplans an Kunst- und Musikhochschulen werden,
  • dass ergänzend in den Career Centern der Kunst- und Musikhochschulen ein besonderes Augenmerk auf den Berufseintritt von Absolventinnen gerichtet wird.

Für öffentlich finanzierte Kultureinrichtungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk fordert der DKR,

  • dass öffentlich-finanzierte Kultureinrichtungen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk Geschlechtergerechtigkeit als personalpolitisches Ziel formulieren und dieses Ziel konsequent verfolgen – auch mit Blick auf die Weiterbildung von künftigen Führungskräften,
  • dass flexible Karrieremodelle eingeführt und außerhalb des Berufs erworbene, für den Beruf qualifizierende Kenntnisse stärker berücksichtigt werden,
  • dass Aufsichts- und Beratungsgremien sowie Rundfunk- und Verwaltungsräte unter Berücksichtigung der weisungsunabhängigen Medien geschlechtergerecht besetzt werden.  

Für Kultur- und Medienverbände fordert der DKR,

  • dass Personenzusammenschlüsse aus dem Kultur- und Medienbereich sich um eine geschlechtergerechte Zusammensetzung ihrer Mitgliedschaft bemühen und sich dieses auch in der Zusammensetzung der Vorstände widerspiegelt,
  • dass Kultur- und Medienverbände Rahmenbedingungen für ein Engagement in Verbänden und der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und zivilgesellschaftlichem Engagement verbessern,
  • dass Kultur- und Medienverbände ihre Jurys und Auswahlgremien sowie Vorstände bzw. Präsidien geschlechtergerecht besetzen.

In diesem Zusammenhang fordert der DKR auch eine entsprechende jährliche Evaluierung etwa in den jeweiligen Jahresberichten.

Weitere Informationen:

Positionspapier des Deutschen Kulturrats


AutorIn: Christine Müller

Erstellt am: Dienstag 04. Oktober 2016

Thema: Führungspositionen, Kultur, Medien, Geschlechterverhältnis

Die Emanzipation des Weibes ist das Recht des Kindes.

(Hedwig Dohm, deutsche Publizistin und Frauenrechtlerin, 1831-1919)