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Equal Pay Day 2014

Unterstützung aus der ersten Reihe

Gruppenbild mit Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig und drei Mitgliedern des DF-Vorstandes

Kundgebung auf dem Pariser Platz in Berlin am 21. März
Foto: Simone M. Neumann

Der Equal Pay Day, der Tag für Entgeltgleichheit, für den Frauenverbände, Gewerkschaften und Sozialverbände seit einigen Jahren auf die Straße gehen, gewinnt politisch immer mehr an Bedeutung. In diesem Jahr stellten sich zur Kundgebung am Brandenburger Tor nicht nur DGB-Chef Michael Sommer, sondern auch Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) und die Fraktionsspitzen der im Bundestag vertretenen Parteien ein.

Sommer: Finger weg von Ausnahmen beim Mindestlohn
Sommer, der kurz vor dem Ende seiner Amtszeit steht, trat zum ersten Mal als Redner auf einem Equal Pay Day ans Mikrophon. Auch in gut situierten Betrieben herrsche ungleiche Bezahlung, kritisierte der DGB-Chef und sprach sich für ein Gesetz gegen Entgeltdiskriminierung aus. Vom Mindestlohn profitierten am meisten Frauen, so Sommer und verlangte: „Finger weg von Ausnahmen.“ Außerdem rief er erneut zur Abschaffung der Minijobs auf.

Schwesig: Elterngeld Plus – erster Schritt zu mehr Entgeltgleichheit
Eine weitere Premiere war der Auftritt von Manuela Schwesig (SPD). Sie war die erste Bundesfrauenministerin, die auf einer Kundgebung zum Equal Pay Day sprach. Sie versprach für nächstes Jahr ein Gesetz für transparente Lohnstrukturen und warb über das „Elterngeld Plus“, mit dem Mütter und Väter zukünftig bis zu 28 Monate Elternzeit nehmen können, wenn sie nebenher Teilzeit arbeiten. Damit sollen Frauen früher zurück in die Erwerbstätigkeit finden und die Familienverantwortung partnerschaftlicher geteilt werden. Ihr Eckpunktepapier solle bis zum Sommer zu einem Gesetz führen, so Schwesig.

Schliepack: 80 Tage für lau
Edda Schliepack, Präsidumsmitglied des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), hob darauf ab, dass geschlechtsspezifische Entgeltdiskriminierung in allen Branchen Realität sei, auch dort, wo Frauen mehrheitlich das Feld besetzten. „Wir arbeiten 80 Tage für lau, das muss ein Ende haben“, so Schliepack.

Weiß: Lohndifferenz ist ein Skandal
Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nannte die Lohndifferenz einen „Skandal“ und stellte grundlegende Änderungen in den nächsten vier (Regierungs-)Jahren in Aussicht.

Oppermann: Nicht abwiegeln lassen
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann nannte sprach von der Entgeltungleichheit als „direkte Diskriminierung“, die sofort aufhören müsse. Er erinnerte an die Massenmobilisierung von Elisabeth Selbert und MitstreiterInnen, durch die erst der Grundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Oppermann ermunterte die ZuhörerInnen, sich nicht „abwiegeln“ zu lassen und stellte erste Erfolge in Sachen Entgeltgleichheit schon für den Equal Pay Day im nächsten Jahr in Aussicht.

Gysi: So sind wir Männer
Der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi wies darauf hin, dass der geschlechtsspezifische Lohnunterschied im Osten am niedrigsten und in Baden-Württemberg am höchsten sei. Das sei in erster Linie der geringeren Entgeltspreizung und der Vollzeitbeschäftigung der meisten Frauen in der DDR geschuldet. Doch sei auch dort Frauen- und Männerarbeit nicht gleich bewertet werden. Gysi illustrierte das am Beispiel der DDR-Behörden in Berlin, die irgendwann so schlecht sauber gehalten worden seien, dass man beschlossen habe, die Putzkräfte nicht nur besser zu bezahlen, sondern sie auch mit modernem Reinigungsgerät „aus dem Westen“ auszustatten. Die Folge sei gewesen, dass danach die Putztrupps nur noch mit Männern besetzt gewesen seien. „So sind wir Männer“, schloss Gysi sein Lehrbeispiel in Sachen Gender Pay Gap und forderte die Gewerkschaften auf, über die Sparten hinweg sich dem Thema anzunehmen.

Göring-Eckardt: Auch Männer profitieren von Entgeltgleichheit
Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, bedankte sich bei den vielen Männern unter den KundgebungsteilnehmerInnen und vermutete, dass diese vom Kampf für Entgeltgleichheit auch profitierten. Sie wiederholte die Forderung nach einem Entgeltgleichheitsgesetz.

Lüders: Frauen sollen Beschwerde einlegen
Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, rief Frauen dazu auf, Beschwerde einzulegen, wenn sie den Verdacht auf Entgeltdiskriminierung hätten. Das Antidiskriminierungsgesetz sei dazu da, solche Beschwerden zu unterstützen.

Buls: gerechtere Arbeitsverteilung – mehr Leben
Die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Hannelore Buls, schloss die Kundgebung. Dabei kritisierte sie erneut die Teilzeit als „Teil des Problems“ von Lohndiskriminierung und Altersarmut und forderte neben Entgeltgleichheit auch eine gerechtere Verteilung der Arbeitszeit zwischen Frauen und Männer mit der Perspektive Arbeitszeitverkürzung. Denn Frauen wie Männer hätten nicht nur ein Recht auf mehr Entgelt, sondern auch auf weniger Arbeit – und mehr Leben.

Zur Kundgebung zum Equal Pay Day am 21. März vor dem Brandenburger Tor hatten zum wiederholten Mal DGB, Deutscher Frauenrat und SoVD gemeinsam aufgerufen.

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AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Montag 24. März 2014

Thema: Equal Pay Day Entgeltgleichheit

Insbesondere Geld, gesellschaftliche Akzeptanz, Ungebundenheit und Macht sind auch heute noch so ungleich verteilt, dass wir schlechterdings nicht behaupten können, Frauen rivalisierten unter gleichen Bedingungen.

(Christine Bergmann, deutsche Politikerin, Berliner Senatorin, 1998-2002 Bundesfrauenministerin)