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Stellungnahme

Wachstum ist nicht das Maß aller Wohlstandsentwicklung

Grünes Pflänzchen auf einem Berg von Münzen wachsend

Foto: Olga Chernetskaya/depositphotos.com

Die Ausklammerung unbezahlter Care-Arbeit, der Markt als einziger Maßstab für Wachstum, die Nichtberücksichtigung von Nachhaltigkeit und nichtmaterieller Lebensqualität – das sind zentrale Kritikpunkte des Deutschen Frauenrates am Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wachstum und gesellschaftlichem Fortschrift in der Sozialen Marktwirtschaft“. Sie gingen kürzlich den ehemaligen Mitgliedern der Enquete-Kommission und den Fraktionsspitzen im Bundestag zu.

In der Zusammenfassung der DF-Stellungnahme heißt es:

„Der Kommissionsbericht befasst sich mit Marktwachstum, dessen Förderung und Auswirkungen seiner Veränderungen, aber auch damit, wie die grundsätzlich ökonomisierte Bewertung durch andere Parameter erweitert werden kann, d.h. der Bericht selbst zweifelt an, dass Marktwachstum als Bewertungsmaßstab ausreichend ist. Unterschiedliche Wachstumsbeiträge von Frauen und Männern sowie davon abhängig die Möglichkeit zu unterschiedlicher Nutznießung spielen keine Rolle.

Auch Wohlstand ist geschlechtsspezifisch verteilt. Der Bericht geht darauf aber nur feststellend ein und gibt keine Empfehlungen zur Integration genderpolitischer Interessen in die Konzepte. Das große Manko besteht in der Ausklammerung der unbezahlten Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, erheblich zum Wohlstand der Gesellschaft beiträgt und eine Grundvoraussetzung jeder Produktion ist. Unbezahlte Arbeit wird nur mit einer ‚Hinweislampe` bedacht, die – anders als die Leitindikatoren und die ‚Warnlampen‘ – nicht als handlungsleitend für Wachstums- und Wohlstandspolitik empfohlen wird. Der DF fordert deshalb ein Monitoring, um den Beitrag der ‚nicht- marktvermittelten Produktion‘ für das politische Handeln zugänglich zu machen. Die Entwicklung von Indikatoren ist – innerhalb des o.g. beschränkten Rahmens – differenziert, nachvollziehbar und erkennbar an Nachhaltigkeit orientiert. Richtig ist, dass zum ersten Mal versucht wird, neben dem materiellen Wohlstand auch die Ökologie und Soziales und Teilhabe zu berücksichtigen – was positiv ist, jedoch ohne auf die Qualität von Arbeit ausreichend einzugehen, was den DF auf keinen Fall zufriedenstellt. Es ist zu hoffen, dass die Mühe der Enquete-Kommission sich zumindest soweit gelohnt hat, dass die gewählten Kategorien dazu beitragen, die z. T. wiederstreitenden Anforderungen und damit die Zielkonflikte deutlicher zu machen und so zu einer breiteren Diskussion und zu ausgewogeneren politischen Entscheidungen zu kommen. Die Festlegungen der Kommission sollten nicht aus Angst vor den Widersprüchen, dem vermehrten Aufwand und der hohen Komplexität einfach stillschweigend im politischen ‚Tagesgeschäft‘ versanden.“

Proteste bereits nach Konstituierung
Die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wachstum und gesellschaftlichem Fortschrift in der Sozialen Marktwirtschaft“ war Anfang 2011 vom Bundestag konstituiert worden. Am 4. Juni 2013 legte sie ihren Abschlussbericht vor.

Bereits nach der Konstituierung im Jahr 2011 hatten der Deutsche Frauenrat und andere Verbände gegen die Zusammensetzung der Kommission protestiert. Denn in den Reihen der Sachverständigen fanden sich nur Männer.

Weitere Informationen:

Die komplette Stellungnahme des Deutschen Frauenrates

Der Schlussbericht der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ (16 MB)


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Montag 03. März 2014

Thema: Wachstum. Wohlstand, Nachhaltigkeit

Frauen werbt und wählt, jede Stimme zählt, jede Stimme wiegt, Frauenwille siegt.

(Elly Heus-Knapp, deutsche Politikerin, Sozialreformerin und die Gründerin des Müttergenesungswerks, 1891-1952. Wahlwerbung anlässlich des ersten Wahlgangs von Frauen am 19.1.1919)