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Arbeitsbedingungen

Feste Personalschlüssel helfen Pflegepersonal und PatientInnen

Krankenschwester in der Hocke mit Händen vor dem Gesicht

Deutschland bürdet seinem Pflegepersonal zu viel auf
Foto: fotolia.de/Syda Productions

Arbeitsüberlastung und Qualitätsmängel in deutschen Krankenhäusern könnten durch gesetzlich festgelegte Personalschlüssel verbessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die aufzeigt, wie schlecht die sogenannte Nurse-to-Patient-Ratio in Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet.

Es sind vor allem Frauen, die in der Krankenpflege schlecht bezahlte Jobs ausüben und einen stressigen Arbeitsalltag meistern müssen, der auch von notorisch unterbesetzten Krankenhausstationen herrührt.

Nurse-to-Patient-Ratio entscheidet über Arbeits- und Pflegequalität
WissenschaftlerInnen der Hochschule Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover zeigen nun auf, wie feste Personalschlüssel für den Pflegedienst hier Abhilfe schaffen könnten. Der Studie zufolge sei die Relation zwischen Pflegepersonal und PatientInnen nicht nur ein wichtiger Gradmesser für die Qualität der Arbeitsbedingungen, sondern beeinflusse auch die Qualität der Pflege und damit die Patientengesundheit. Dass sich die Personalbemessung auch auf das Risiko von Infektionen, Thrombosen und Todesfälle durch zu spät erkannte Komplikationen auswirke, sei bereits durch empirische Studien nachgewiesen.

Internationaler Vergleich
Die Untersuchung fächert die unterschiedlichen Maßgaben in den USA und in Australien auf, geht aber auch auf Japan, Südkorea, Taiwan und Belgien ein. Dort wird, anders als in den USA und Australien, ausgehend von der „Nurse-to-Bed-Ratio“ ein Regulierungsansatz entworfen, der für die ForscherInnen allerdings nur begrenzt aussagekräftig ist.

In Deutschland gibt es gesetzliche Regulierungen bislang nur für Intensivstationen für Neugeborene, die seit Anfang 2017 gelten sollen. Allerdings sei die Allgemeinverbindlichkeit durch Übergangsregelungen kurz vor Inkrafttreten faktisch wieder aufgehoben worden, so die Kritik der ForscherInnen.

Dringender Handlungsbedarf: In Deutschland 13 PatientInnen pro Pflegekraft
Sie sehen dringenden Handlungsbedarf: Bereits 2012 sei festgestellt worden, dass der Pflegeschlüssel in Deutschland bei rund 13 PatientInnen pro Pflegekraft liege, in den Niederlande bei 7 und in den USA bei rund 5,3.

Einheitliche Regelungen durch staatliches Recht umsetzbar
Und auch was die Umsetzung der Regelungen angeht, verweisen die ExpertInnen auf internationale Erfahrungen: So seien einheitliche Regelungen weniger über Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen umzusetzen als vielmehr über staatliches Recht. In den USA und Australien seien die gesetzlichen Vorgaben durch Kampagnen der Gewerkschaften und organisierte Pflegekräfte initiiert worden.

Weitere Informationen:

Nurse-to-Patient Ratios: Ein internationaler Überblick über staatliche Vorgaben zu einer Mindestbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser
Working Paper der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 27, Februar 2017 von Prof. Dr. Michael Simon und Sandra Mehmecke


AutorIn: Christine Müller

Erstellt am: Dienstag 21. Februar 2017

Thema: Pflege, Arbeitsbedingungen

Wenn man den weiblichen Verstand schärft, indem man ihn bildet, ist Schluss mit dem blinden Gehorsam.

(Mary Wollstonecraft, englische Schriftstellerin, Philosophin und Frauenrechtlerin, 1739-1797)