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Kommunalpolitik

Zahl der Oberbürgermeisterinnen hat sich halbiert

Konferenzsituation mit Männern in der Überzahl in Scherenschnittoptik

Genderranking zeigt: Je mächter der Posten umso geringer der Frauenanteil - auch auf kommunaler Ebene
Foto: Scusi/fotolia.de

Wie hoch ist der Frauenanteil in kommunalpolitischen Führungspositionen? Dieser Frage geht das vierte Genderranking deutscher Großstädte der Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) nach.

PolitikwissenschaftlerInnen der Fernuniversität Hagen untersuchten dafür kommunalpolitische Führungspositionen in 73 Großstädte mit über 100.000 EinwohnerInnen – allerdings ohne die Stadtstaaten. Sie kommen zu einem „zwiespältigen Bild“, denn innerhalb von zehn Jahren sei der Anteil von Frauen in OberbürgermeisterInnen-Ämtern stark zurückgegangen. Im Jahr 2008 waren es noch 17,7 Prozent, heute sind es 8,2 Prozent.

Zahl der Dezernentinnen gestiegen
Dagegen sei der Frauenanteil unter den DezernentInnen (Stadträten) als einzige politische Spitzenposition kontinuierlich gestiegen – von 18,5 Prozent im Jahr 2008 auf 29,1 Prozent heute. Das ForscherInnen-Team sieht dies darin begründet, dass in diesem Bereich die Qualifikationen von Frauen eine größere Rolle spielen, als dies bei der Besetzung rein politischer Ämter der Fall ist.

Ihr Fazit insgesamt: „Frauen sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil in den kommunalpolitischen Führungsämtern deutscher Großstädte auch 2017 unterrepräsentiert. Je wichtiger und mächtiger der Posten dabei ist, desto unwahrscheinlicher wird er von einer Frau besetzt.“

Frauenanteil bei den StadträtInnen hängt von Partei ab
Weit auseinander gehen auch die Zahlen beim Frauenanteil in den Stadträten, wenn diese nach Parteien aufgeschlüsselt werden. Bündnis90/Die Grünen erfüllen der Studie zufolge ihre 50-Prozent-Quote - vor den Linken mit einem 44,4 Prozent Frauenanteil (selbstgewählte Quote 50 Prozent) und der SPD mit 37,3 Prozent (selbstgewählte Quote 40 Prozent). Die CDU erfüllt ihre als Quorum bezeichnete Empfehlung von 33 Prozent in 28 von 73 Großstädten. Es folgen die FDP mit 26,4 Prozent und die AfD mit 11,6 Prozent.

Ohne Quote dauert Parität auf kommunaler Ebene noch 128 Jahre
Für Sabine Drewes, Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung der Heinrich-Böll-Stiftung und Auftraggeberin der Studie führt an der gesetzlichen Quote kein Weg vorbei, wenn der Frauenanteil auf kommunalpolitischer Ebene erhöht werden soll: „Ohne die Quote würde es noch 128 Jahre dauern, bis eine paritätische Besetzung kommunaler Ratsmandate mit Frauen und Männern erreicht wäre- wenn man die Entwicklung von 2008 bis 2017 in die Zukunft fortschreibt.“

Weitere Informationen:

Genderranking deutscher Großstädte 2017


AutorIn: Christine Müller

Erstellt am: Dienstag 16. Mai 2017

Thema: Frauenquote, Parität, Kommunalpolitik

Die Emanzipation des Weibes ist das Recht des Kindes.

(Hedwig Dohm, deutsche Publizistin und Frauenrechtlerin, 1831-1919)