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Geschlechtergerechte grüne Ökonomie

Vom guten Leben

Junge Frau sitzt in einer Höhle aus Baumwurzeln

Motiv aus dem Veranstaltungsflyer
Foto: 8. März Bündnis Braunschweig

Was brauchen wir, um gut zu leben? Das 8. März-Bündnis Braunschweig widmete dieser Frage eine Veranstaltungsreihe. Im Mittelpunkt stand das Thema Nachhaltigkeit unter umwelt-, sozial- und geschlechtergerechten Aspekten. Kira Stein, Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrates, sprach dort über die weißen Flecken der „grünen“ Wirtschaft und deren Geschlechterblindheit.

Wachstum und Wohlstand gehen nicht automatisch zusammen
Stein forderte einen Perspektivwechsel: weg von einer Ökonomie, die auf Wachstum und Markt fixiert ist, hin zu einer menschen- und naturfreundlichen, die den Namen Volkswirtschaft verdient. Sie kritisierte die vorherrschenden Konzepte „grüner Ökonomie“, die am Paradigma des Wirtschaftswachstums und der Marktorientierung festhielten und dabei Nachhaltigkeit vor allem als energie- und ressourceneffizientere industrielle Produktion und umweltgerechteren Konsum definierten.

Es fehlten Ideen für eine umfassende ökologisch-soziale Erneuerung der Gesellschaft und vor allem eine Geschlechterperspektive mit dem Ziel der Aufhebung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung. „Die wirtschaftspolitische Grundannahme, dass Wachstum automatisch Wohlstand oder sogar mehr Gerechtigkeit bringt, hat sich als falsch erwiesen“, so Stein und forderte einen Perspektivwechsel, der das Care-Prinzip, nämlich die Sorge für Mensch und Natur, in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Ökonomie stelle.


Kritik an Abschlussbericht der Enquete-Kommission
Stein gründete ihren Vortrag auf die zentralen Forderungen des DF-Eckpunktepapiers zur Green Economy und stellte die Ergebnisse des gleichnamigen Projektes Green Economy Gender Gerecht vor. Kritisch bewertete sie auch den Abschlussbericht, den die Enquete-Kommission „Wachstum. Wohlstand, Lebensqualität“ im vergangenen Jahr vorgelegt hatte und zu dem der Deutsche Frauenrat erst kürzlich Stellung bezogen hatte. Auch in diesem Abschlussbericht, so Stein, sei der Gender Gap bei der Einkommens-, Vermögens- und Arbeitsteilung und bei der (Weiter-)Bildung und dessen Überwindung völlig unterbelichtet. Care-Ökonomie als „nicht marktvermittelte Produktion“ spiele so gut wie keine Rolle.

Lokale Agenda 21 wiederbeleben
In der anschließenden Diskussion ging es um die Umsetzungsmöglichkeiten einer geschlechtergerechten grünen Ökonomie und darum, wie Frauen sich aktiv daran beteiligen können. Es wurde daran erinnert, dass der geforderte Diskurs im Rahmen der „Lokalen Agenda 21“, die nach Rio 1993 ins Leben gerufen wurde, schon einmal erfolgreich praktiziert wurde, aber wiederbelebt werden müsse. Einer Teilnehmerin fehlte aktuell der Kreis, in dem sie frei über Utopien einer (geschlechter)gerechten und nachhaltigen Gesellschaft diskutieren könne; sie ergriff gleich die Initiative, diesem Mangel in Braunschweig abzuhelfen.


AutorIn: Ulrike Helwerth

Erstellt am: Freitag 14. März 2014

Thema: Green Economy Geschlechtergerechtigkeit

Frauenrecht ist nicht nur ein abstrakter Begriff; es ist vor allem eine persönliche Sache. Es geht dabei nicht nur um "uns", sondern ebenso um mich und um dich.

(Toni Morrison, amerikanische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin)