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Politik / Themenübersicht / Frauenpolitik international

Women20-Dossier

Aktuelles | 13. Juni 2019

Women20 (W20) ist eine offizielle Dialoggruppe der Gruppe der Zwanzig (G20), die sich für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter in den G20-Ländern und darüber hinaus einsetzt. Seit ihrer Gründung 2015 ist der Deutsche Frauenrat zusammen mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) vom Bundeskanzleramt mandatiert, die Forderungen aus Deutschland in die W20 einzubringen. 2017 übernahmen beide Verbände unter deutscher G20-Präsidentschaft die Leitung der W20 für ein Jahr und richteten in Berlin den W20-Gipfel mit über 400 internationalen TeilnehmerInnen aus.  2019 werden sowohl die G20 als auch die W20 von Japan geleitet und 2020 von Saudi Arabien abgelöst.

Was ist die G20?

Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist ein seit 1999 bestehender informeller Zusammenschluss aus 19 Ländern und der Europäischen Union. Die G20 stellen zwei Drittel der Weltbevölkerung, erwirtschaften rund 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und bestreiten 80 Prozent des Welthandels. Die G20 sind keine internationale Organisation mit einem eigenen Verwaltungsapparat und ständigem Sekretariat, sondern ein informelles Forum von Staats- und RegierungschefInnen. Themen für die Beschlussfassung setzt weitgehend das jeweilige Vorsitzland, das jährlich wechselt. Die G20 soll als Forum für die Kooperation und Konsultation in Fragen internationaler Wirtschaftspolitik, der Zusammenarbeit und der Krisenprävention dienen. Zur Förderung des Dialogs von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft wurden nach und nach sogenannte Engagement Groups – offizielle Dialogprozesse – als integraler Teil des G20-Prozesses benannt. Zu diesen zählt die W20.

 

Was ist die W20?

Die W20 entstand 2015 als sechster, offizieller zivilgesellschaftlicher Dialogprozess der G20 unter türkischer Präsidentschaft. Sie ist damit die jüngste der Engagement Groups und vertritt frauen- und gleichstellungspolitischer Interessen in der G20.

Die Ziele der W20 sind

  • Die volle wirtschaftliche und soziale Teilhabe der Frauen zu fördern
  • die finanzielle Integration und Bildung von Frauen zu sichern
  • Themen wie die Erwerbsbeteiligung von Frauen, – im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit und die digitale Transformation, Entgeltgleichheit, Frauen in Führungspositionen, weibliches Unternehmertum, Zugang zum Kapitalmarkt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Bewertung von Erwerbs- und Sorgearbeit zu vertreten

Der W20-Vorsitz obliegt immer dem Land, das auch die G20-Präsidentschat innehat. Die VeranstalterInnen der W20 werden von und mit der lokalen Regierung bestimmt. Delegierte anderer Länder stammen aus repräsentativen Frauenverbänden der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Leitung der W20 Germany teilen sich der DF und der VdU, aufbauend auf das Mandat des Kanzleramtes seit 2015. Beide Verbände richten seitdem gemeinsam Dialogforen aus, um die deutsche Zivilgesellschaft in den Entscheidungsprozess mit einzubinden. Unter deutscher W20-Leitung entstand u.a. das gemeinsame W20-Handbuch, das den Dialogprozess in Deutschland nachzeichnet. In Deutschland wird der W20-Dialogprozess vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. EMSD (Emerging Market Sustainability Dialogues) unterstützte das Projekt 2017 zusätzlich als Implementierungspartner.

Kommuniqués

Während das Land, das die W20-Präsidentschaft innehat, damit die groben Ziele im jeweiligen Jahr setzt, werden diese Ziele und der Inhalt der Forderungen in einem internationalen Beratungsprozess verändert und angepasst. In einem breiten Dialog, unterstützt von digitalen Plattformen, Expertinnentreffen und Gesprächsrunden, werden in der W20 gemeinsame Empfehlungen zur Förderung der Gleichstellung erarbeitet. Am Tag des W20-Gipfels müssen sich die Delegierten der Frauenverbände aus den G20-Staaten in einer letzten Abstimmungsrunde auf Inhalt und Formulierungen des Abschlusskommuniqués einigen. Ergebnis ist ein gemeinsam verabschiedetes W20-Kommuniqué, ggfs. mit darauf aufbauendem Implementierungsempfehlungen sowie Erklärungen mit anderen Engagement Gruppen und Studien. Dieses W20-Kommunqué ist die Grundlage für die anschließende Interessensvertretung in den laufenden G20-Verhandlungen des Jahres – sowohl auf internationaler wie nationaler Ebene.

W20-Kommuniqués im Überblick:

W20-Kommuniqué 2018 Argentinien

W20-Kommuniqué 2019 Japan

Japanische W20-Präsidentschaft 2019

Übergabe des W20-Kommuniqués an den japanischen Premierminister Shinzō Abe

Japan übernimmt die in Deutschland und auch 2018 in Argentinien gesetzten Säulen und diskutiert erneut: Gerechtigkeit in der Arbeits- und Finanzwelt sowie in der digitalen Transformation (Labour Equity, Financial Equity & Digital Equity). Um die in den vergangenen Dialogen formulierten Forderungen auch wirklich umzusetzen, legt die japanische Prozessleitung den Schwerpunkt auf „Governance“ (Steuerung) und möchte die G20 mit klaren Kennzahlen und Maßnahmen endlich zu konkreten Zielen motivieren, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Diese neuen Schwerpunkte wurden am 15.2.2019 in Berlin beim dritten W20-Dialogforum der Frauenverbände in Deutschland intensiv diskutiert und es wurde die gemeinsame deutsche Position beschlossen. Diese wurde anschließend in die digitalen W20-Vorverhandlungen und beim W20-Summit 2019 vom 22. – 24.3.2019 in Tokio eingebracht.

Das internationale Netzwerk der W20 einigte sich auf sieben Hauptforderungen und arbeitet aktuell an konkreten Zielen und Indikatoren, um die Implementierung dieser Forderungen an die G20 zu beobachten:

  1. Die Erstellung eines Zwischenberichts bis 2020 zum G20-Ziel bis 2025 die geschlechtsspezifische Kluft bei der Erwerbsbeteiligung bis 2025 um 25 Prozent zu verringern.
  2. Beseitigung rechtlicher und sozialer Barrieren auf dem Arbeitsmarkt zur Erreichung der Gleichstellung der Geschlechter.
  3. Schließung der digitalen Geschlechterlücke.
  4. Gewährleistung der finanziellen Teilhabe aller Frauen, Förderung des weiblichen Unternehmertums und Beschleunigung des Zugangs zu Investitionen und Märkte.
  5. Förderung des lebenslangen Lernens in Schulen und am Arbeitsplatz, zur Beseitigung von Geschlechterstereotypen.
  6. Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, einschließlich in sozialen Medien.
  7. Schaffung effektiver und transparenter Steuerungs- und Rechenschaftsmechanismen zur Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit.

Friedensnobelpreisträgerin Malala spricht zu den W20-Delegierten (Foto: W20 Japan 2019)

Die Verbindung der W20 zur G20

Die Aufgabe der W20 ist es, die G20 durch konkrete Handlungsvorschläge, konsolidierte Interessenvertretung und Expertise zu unterstützen.

Auch beim G20-Gipfeltreffen werden die vereinbarten Ergebnisse in einem Abschlusskommuniqué festgehalten. Der Hauptteil dessen, was im Rahmen des G20-Gipfels diskutiert und vereinbart wird, wurde bereits im Vorfeld in monatelangen Beratungsprozessen ausgearbeitet. Während diesen Beratungen werden auch die Engagement Groups konsultiert bzw. bemühen sich diese, proaktiv Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen. Auf Dialogforen werden relevante Themen bearbeitet und Empfehlungen und Forderungen für die G20-Verhandlungen verfasst.

Die Forderungen aus den W20-Konsultationen in Form des W20-Kommuniqués sollen in den Monaten vor der abschließenden Gipfelveranstaltung aktiv in die G20-Verhandlungen einfließen. Die W20-Forderungen werden in regelmäßigen Gesprächen und Unterredungen mit Delegierten der Länder vertreten. Zusätzlich müssen die W20-Organisatorinnen sicherstellen, dass die W20-Schwerpunktthemen in allen G20-Prozessen vertreten sind. Während die direkte Einflussnahme auf Akteure in der G20 von großer Bedeutung ist, spielt auch die Arbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen G20-Dialogen, wie Business20 (B20), Civil20 (C20), Think20 (T20) und weiteren, eine grundlegende Rolle, da geschlechterpolitische Themen auch durch die Kommuniqués dieser Dialoge die G20 erreichen können. So vernetzen sich die Mitglieder der W20 in den zivilgesellschaftlichen G20-Dialogen und treten als Rednerinnen oder in Expertengesprächen auf, um geschlechterpolitische Themen als Querschnittsthemen zu verankern.

Der Erfolg dieser Interessenvertretung kann nur anhand weniger Indikatoren bestimmt werden. Der wohl wichtigste Indikator ist die Integration von W20-Forderungen und geschlechtsspezifischen Vereinbarungen im Allgemeinen in das finale G20-Kommuniqué der G20-Staats- und RegierungschefInnen.

Aus dem W20-Handbuch, 2017

Verbindliche Regeln für die Rechte von Engagement-Gruppen und der W20 gibt es allerdings nicht. Wie die Beteiligten den jeweiligen G20-Prozess gestalten und inwieweit diese innerhalb dessen kooperieren können, ist je nach Präsidentschaft sehr unterschiedlich legitimiert.

Wichtig ist es nicht nur über die amtierende Präsidentschaft Einfluss auf die laufenden Verhandlungen zu nehmen, sondern auch über die Delegierten aller G20-Staaten fortlaufend den Kontakt zu den Regierungen zu halten: Die Beschlüsse der G20 entstehen im Konsens, d.h. um konkrete Forderungen in das Abschlusspapier der G20 zu integrieren, müssen alle G20-Staaten möglichen Vorschlägen der Präsidentschaft zustimmen. Gemeinsam mit dem VdU bittet der DF deswegen regelmäßig um Gespräche mit dem G20-Chefunterhändler der Bundesregierung, um die aktuellen W20-Forderungen vorzustellen und Informationen zum Stand der globalen Verhandlungen zu erhalten.

 

 

 


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