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Politik / Themenübersicht / Klimaschutz

(c) UN Women/Amanda Voisard

Klimaschutz geht alle an

Aktuelles | 3. August 2022

Eine wirksame und gerechte Klimapolitik muss auf Geschlechtergerechtigkeit basieren

Schon gewusst..?

Die Klimakrise betrifft marginalisierte und unterrepräsentierte Gruppen am härtesten, das gilt vor allem für den Globalen Süden. Dazu gehören Mädchen und Frauen, ethnische, religiöse und sexuelle Minderheiten, indigene Völker und Menschen mit Behinderungen. Forschungsergebnisse weisen schon lange auf die Geschlechterdimensionen der vielschichtigen Gesichtspunkte von Klimawandel und Klimapolitik hin. Sei es bei der Verursachung des Klimawandels, seinen Folgen oder der Betroffenheit von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen. In vielen klimapolitischen Handlungsfeldern liegen Daten vor, die auf geschlechtsspezifische Unterschiede hinweisen. Zuletzt wies der Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) auf direkte negative Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen hin. Dennoch wird in der Klimaforschung und der Klimapolitik eine Geschlechterdimension bislang zu wenig beachtet.

Fakt ist:

  • Vor Klimakatastrophen fliehende Frauen sind häufiger von sexualisierter Gewalt, Zwangsprostitution und Ausbeutung betroffen. Auch leiden sie nach Katastrophen länger und stärker, etwa durch erschwerte Arbeitsbedingungen und niedrigere Einkommen, durch Nahrungsmittelknappheit und Unterernährung.
  • Dürren, Fluten und Wasserknappheit verursachen Ernteausfälle, von denen Frauen im Globalen Süden am stärksten betroffen sind. Der Grund: Sie sind oftmals primär für die Versorgung ihrer Familien verantwortlich.
  • Frauen sind von Klimaschutzmaßnahmen, die zu steigenden Energie-, Wohn- und Lebensmittelpreisen führen, härter betroffen.
  • Sie bewegen sich im öffentlichen Verkehr anders als Männer und haben einen kleineren CO2-Fußabdruck: Sie fahren weniger Auto, verbrauchen weniger Energie, pendeln weniger, essen weniger Fleisch.
  • Der Klimawandel hat einen negativen Einfluss auf die Gesundheit von Frauen. Extreme Hitzeperioden erhöhen besonders bei Frauen (jeden Alters) das Sterberisiko deutlich. Auch wird ein höheres Risiko für Frühgeburten vermutet.

Wieso sind Frauen stärker betroffen?

Wegen der gesellschaftlich stereotypen Geschlechterrollenverteilung und der damit einhergehenden sozialen und ökonomischen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und physiologischen Unterschieden.

Denn…

  • Die Zuständigkeit für die Pflege von Verletzten und Kranken nach Katastrophen ist strukturbedingt überproportional Frauen zugeordnet. Das gilt für die bezahlte als auch die unbezahlte Pflege im Privaten.
  • Frauen verfügen über weniger finanzielle Mittel, um klimafreundliches Verhalten, steigende Preise für Lebensmittel, Mieten, Energie und Mobilität zu finanzieren.
  • Der Umbau hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft findet in einem Arbeitsmarkt statt, in dem Berufs- und Lebenschancen von Frauen und Männern ungleich verteilt sind: Bei Erwerbsbeteiligung, Berufswahl, Aufstiegschancen, Entlohnung.
  • Im globalen Süden erreichen Frauen Warnungen bei Klimakatastrophen aufgrund schlechteren technischen Zugangs später. Kulturelle Regeln, wie Bekleidung oder Begleitung durch männliche Familienmitglieder, schränken ihre Bewegungsfreiheit ein. Auf der Flucht kümmern sie sich um Angehörige.
  • Stoffwechselbedingte physiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern wirken sich auf das Hitzeempfinden aus.
  • In Führungspositionen klimarelevanter Berufe und Gremien sind Frauen unterrepräsentiert. Die Folgen: Entscheidungen werden ohne sie getroffen, bei Verhandlungen sind sie unterrepräsentiert und die Geschlechterperspektive bleibt außen vor.

Was macht der DF?

Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit aus Frauenperspektive ist ein Schwerpunkt der politischen Arbeit des DF. Im Fachausschuss „Klimaschutz geht alle an!“ identifizieren Vertreterinnen aus den Mitgliedsverbänden des DF wichtige frauenpolitische Themenfelder im Kontext der Klimapolitik und erarbeiten aktuell Handlungsempfehlungen für eine geschlechtergerechte Klimapolitik. Darüber hinaus, wurden in einem mehrmonatigen Beratungsprozess im Rahmen des Women7 Projekts konkrete Forderungen an die Staats- und Regierungschef*innen der G7 formuliert. Ziel ist insbesondere, das Bewusstsein für das Thema und seine Bedeutung für Frauen und Mädchen im Globalen Süden wie im Globalen Norden zu schärfen. Der DF fordert die Umsetzung nachhaltiger Konzepte für eine geschlechtergerechtere Klimapolitik.

Was muss passieren?

  • Im Klimaschutzgesetz und den klimapolitischen Maßnahmenprogrammen der Bundesregierung muss die Geschlechterperspektive mitgedacht und verankert werden.
  • Es muss ein Aktionsplan für Geschlechtergerechtigkeit aufgestellt werden, der – analog zum Gender Action Plan des UNFCCC – die notwendigen Schritte für eine gerechte Klimapolitik benennt und deren Umsetzung überprüft.
  • Aufbau von Genderexpertise in allen Ministerien und Gremien, die sich mit Klimapolitik befassen.
  • Aufbau einer fundierten, nach Geschlechtern aufgeschlüsselten, intersektional ausgerichteten Wissensbasis. Als wichtiger Schritt zur Bestandsaufnahme der vorhandenen Erkenntnisse und Ermittlung des Forschungsbedarfs sollte der nächste Gleichstellungsbericht Geschlechterperspektive der Klimapolitik behandeln.
  • Klimapolitische Maßnahmen und Programme einer Genderanalyse (Gender Impact Assessment – GIA, Gendercheck und/oder Gender Budgeting) zu unterziehen
  • Gewährleistung der Beteiligung von Frauen in Führungspositionen.
  • Einführung eines CO2-Preissystems, das sozial und geschlechtergerecht gestaltet ist, insbesondere durch die Umsetzung sinnvoller Kompensationssysteme, die geschlechtsspezifische Auswirkungen der Kohlenstoffbepreisung einbeziehen.

Mehr Informationen gibt’s hier:

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