
Die Rentenkommission hat gestern 33 Empfehlungen vorgelegt, wie die Altersvorsorge in Deutschland reformiert werden kann. Der Deutsche Frauenrat begrüßt zunächst die darin vorgeschlagene Abschaffung der Beitrags- und Steuerfreiheit von Minijobs bis auf wenige Ausnahmen sowie die Einführung von Freibeträgen der Grundsicherung im Alter. Deutschlands größte frauenpolitische Interessenvertretung warnt jedoch eindringlich vor einer Anhebung des Rentenalters und Einschränkungen bei der Hinterbliebenenrente. Der DF weist darauf hin, dass die gesetzliche Rente für Frauen die wichtigste Quelle ihrer Altersvorsorge ist, in der Zeiten für Kinder- und Angehörigenbetreuung finanziell anerkannt werden.
Dazu sagt DF-Vorstandsmitglied Dr. Heide Mertens: „Eine verlässliche Altersvorsorge wird während des Berufslebens aufgebaut. Für die meisten Frauen bedeutet das bislang zwischen Erwerbsarbeit, Erziehungszeiten und Pflegephasen zu wechseln. Wir begrüßen, dass die Kommission die Abschaffung von Minijobs empfiehlt und die Basis der Einzahlenden verbreitert werden soll. Die vorgeschlagenen Freibeträge in der Grundsicherung können Frauen unterstützen, die von Altersarmut bedroht sind.“
Der neue Fokus auf kapitalgedeckte Vorsorge dürfe die Altersbezüge von Frauen aber nicht schwächen. „Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Teilzeitarbeit sind schon heute die Ursache geringerer Rentenbezüge von Frauen. Die Anwartschaften dafür dürfen sich durch den vorgeschlagenen kapitalgedeckten Anteil nicht verringern. Frauen brauchen bessere Möglichkeiten, eigenständige Rentenansprüche aufzubauen: durch existenzsichernde Löhne, den Abbau von Entgeltungleichheit, eine Umverteilung von Sorgearbeit sowie eine verlässliche Infrastruktur für Kinderbetreuung und Pflege. Es ist Aufgabe des Staates, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, denn mehr Gleichstellung bei der Erwerbsarbeit stärkt nicht nur ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit, sondern auch die gesetzliche Rente“, so Mertens weiter.
Im Vergleich zu Männern beziehen Frauen rund 37 Prozent weniger Alterssicherung. Jede fünfte Rentnerin ist armutsgefährdet. Der Deutsche Frauenrat wird die kommende Rentenreform in ihrem Sinne kritisch begleiten.
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