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Politik / Themenübersicht / Gleichstellungspolitik

Schwerpunktthema: Klimaschutz geht alle an! Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit aus Frauenperspektive.

Beschlüsse | 24. Juni 2021

Ursache, Folgen, Auswirkungen und Anpassungsleistungen des Klimawandels sind nicht geschlechtsneutral. Frauen und Männer sind durch strukturelle Geschlechterunterschiede unterschiedlich an den Ursachen des Klimawandels, wie der Verursachung von Treibhausgasemissionen, beteiligt. Frauen und Männer sind auch von den Folgen der Klimaanpassung unterschiedlich betroffen und können als Akteur*innen des Wandels unterschiedliche Wirkungen erzielen. Um bestehende Ungleichheiten zwischen Geschlechtern nicht zu verstärken, müssen Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit unabdingbar zusammen gedacht werden. Die Geschlechterperspektive auf Klimaschutz gewinnt in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit, insbesondere in internationalen Debatten. Der Gender Aktionsplan (GAP) von 2017 fordert auf internationaler Ebene, Klimapolitik geschlechtersensibel zu gestalten. Auch die Rolle der Care-Arbeit im Kontext von Degrowth wird zunehmend von Wissenschaftler*innen in die klimapolitische Debatte eingetragen. Doch der Zusammenhang zwischen Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz findet bisher in nationalen Ansätzen in Deutschland kaum Beachtung. Der Umbau der Wirtschaft nach ökologischen Gesichtspunkten wird unterschiedliche Auswirkungen auf die Arbeitsmarktsektoren von Frauen und Männern haben. Somit kann eine Wende der Klimapolitik nur mit einer sozial-ökologischen Transformation gelingen, die geschlechtersensibel ist und Frauen soziale Sicherung und Teilhabe garantiert. Da die Folgen des Klimawandels strukturell benachteiligte Gruppen wirtschaftlich, sozial und politisch am stärksten treffen, sind sozial-, wirtschafts- und steuerpolitische Lösungen aus strukturellen, technischen und sozialen Komponenten für eine geschlechtergerechte Klimapolitik unabdingbar. Nur so lässt sich Ungleichheit effizient zu reduzieren. Klimawandel und Klimaschutz sind globale Themen. Nationales Handeln hat somit internationale Auswirkungen. Frauen im globalen Süden leiden bereits jetzt unter den Folgen des Klimawandels. Es ist deshalb wichtig, dass der Deutsche Frauenrat genderrelevante Fragestellungen in die politische Klimadebatte stärker mit einbringt und Forderungen nach einer gleichberechtigten Beteiligung an der Erarbeitung und Umsetzung einer geschlechtergerechten Klimapolitik stellt. Klimapolitik ist aus Frauen- und Männersicht unterschiedlich zu bewerten und nur gemeinsam erfolgreich umsetzbar. Dazu könnte auf Basis der Erkenntnisse der Studie „Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik“ des Bundesumweltamts der Zusammenhang von Klimaschutz und Geschlechterdimensionen analysiert werden und gemäß der Handlungsempfehlung aus der Studie auf einen klimapolitischen Gender-Aktionsplan hingewirkt werden. Dazu könnten exemplarisch an dem klimarelevanten Sektor der Mobilität geschlechterspezifische Unterschiede aufgezeigt werden. Frauen und Männer sind auch hier unterschiedlich von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und wirken unterschiedlich in die Planung von zukunftsfähigen Verkehrsnetzen mit.

 

Mögliche Fragen sind:

  • Wo sind Frauen explizit vom Klimawandel betroffen? Durch welche Ungleichheiten lässt sich diese Betroffenheit erklären? Welche kurz- und langfristigen Folgen haben die Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen und Geschlechtergerechtigkeit? Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Frauen weltweit, besonders in wirtschaftlich ärmeren Regionen?
  • Wie stehen strukturelle Ursachen von Geschlechterungleichheiten und Klimawandel im Zusammenhang? An welcher Stelle spielen welche Dimensionen der Geschlechterungleichheit und Klimapolitik zusammen?
  • Wie kann bestehende Forschung und Expertise zu Geschlechtergerechtigkeit in Klimapolitik einbezogen werden? Wie tragen Maßnahmen für Geschlechtergerechtigkeit zu mehr Klimaschutz bei?
  • Wie wirken sich Klimaschutzmaßnahmen auf Geschlechtergerechtigkeit aus?
  • Durch welche sozialökonomische Transformationsstrategien können mehr Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit erzielt werden? Welche Auswirkungen hat die Transformation von Sorgearbeit in die monetäre Sphäre und die zunehmende marktorientierte Produktion von Nahrungserzeugung und -zubereitung als Ware oder Dienstleistung? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Degrowth und der zunehmenden erwerblichen Care-Arbeit? Welche Transformationsstrategien ergeben sich aus dem Zusammenhang von Degrowth, Care und Commons?

 

Ziele und Ergebnisse

Der Deutsche Frauenrat unterstützt aktuelle Debatten und Forschungen zum Zusammenspiel zwischen Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit. Er bringt Transformationsstrategien für eine geschlechtergerechte und klimafreundliche Sozial-, Wirtschafts-, und Steuerpolitik und somit eine geschlechtergerechtere und klimafreundlichere Gesellschaft mit in die politische Diskussion ein. Konkrete Beispiele und Forderungen werden erarbeitet, auf die bei der Umsetzung aus Sicht der Geschlechtergerechtigkeit zu achten ist.

  • Studien und Expertisen zum Zusammenhang von Klimaschutz und Geschlechterdimensionen wie beispielsweise „Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik“ des Umweltbundesamts sollen evaluiert sowie die EU-Strategie „European Green Deal“ und das UN-Klimaabkommen einbezogen werden und gegebenenfalls Erkenntnisdefizite herausgefiltert werden.
  • Es soll darauf hingewirkt werden, dass Politik, Rechtsvorschriften, Programme und Haushalte zur Verringerung des Klimawandels geschlechtergerecht ausgerichtet sind.
  • Es soll auf einen klimapolitischen Gender-Aktionsplan hingewirkt und für diesen inhaltliche Vorschläge entwickelt werden.
  • Es soll identifiziert werden wie Geschlechteraspekte stärker in die Entwicklung und Evaluation von Klimaschutzmaßnahmen integriert werden können.
  • Ein Erkenntnistransfer von zielführenden Maßnahmen und Strategien für Klimaschutz & Geschlechtergerechtigkeit soll entwickelt werden und im Rahmen entsprechender Lobbyaktivitäten u.a. dem Deutschen Städtetag und weiteren bundespolitischen Gremien zugänglich gemacht werden.
  • Vernetzungen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Netzwerken sollen verstärkt werden, um eine gemeinsame Kommunikation zu gendergerechter Gestaltung von klimapolitischen Fragestellungen zu entwickeln, die Risikowahrnehmung in der Gesellschaft zu fördern und größere politische Wirksamkeit zu entfalten.

 

Bearbeitungsweise

[x] Strategie für Lobbyarbeit

[x] Öffentliche Veranstaltung

[x] Fachausschuss

 

Zusätzliche Maßnahmen oder Besonderheiten

Verantwortliche für das Schwerpunktthema

Koordinatorin in der Geschäftsstelle

 

Zeitraum

06/021 – 6/2023

 

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