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Besondere Lebenssituation, besondere Belastungen: Zur politischen Notwendigkeit des Begriffs „alleinerziehend“

Beschlüsse | 27. Juni 2025

Der Deutsche Frauenrat verwendet weiterhin den Begriff „alleinerziehend“, um die Lebenssituation von Eltern zu beschreiben, die mit ihren Kindern ohne Partner*in im Haushalt leben. Alleinerziehende sind mehrheitlich Frauen. Sie betreuen und versorgen mindestens ein Kind im Alltag ganz überwiegend oder ganz allein und tragen die damit verbundenen Mehrbelastungen.

Häufig bedeutet „alleinerziehend“ aber nicht, dass der andere Elternteil vollständig abwesend ist – etwa nach einer Trennung. Auch im Rahmen eines erweiterten Umgangs, bei dem der zweite Elternteil sich regelmäßig und zu wesentlichen Zeitanteilen an der Betreuung beteiligt, verbleibt der Hauptteil der Verantwortung für ein Kind vorwiegend an seinem Lebensmittelpunkt. Gleichzeitig haben einige Kinder von Alleinerziehenden keinen Kontakt zum anderen Elternteil oder diesen durch einen frühen Tod verloren.

Alleinerziehende müssen mit einem Einkommen eine Familie finanzieren, ohne von den Synergieeffekten des gemeinsamen Wirtschaftens mit einem anderen Erwachsenen profitieren zu können, was mit finanziellen Restriktionen einhergeht. Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und einen Familienhaushalt ohne Unterstützung eines zweiten Erwachsenen im Alltag zu organisieren, führt zu eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten und erheblichen zeitlichen Mehrbelastungen. Das erschwert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die soziale Teilhabe und gesundheitliche Selbstfürsorge. Die Begriffe „geteilte Betreuung“ oder „Getrennterziehende“ bilden die Hauptverantwortung und die damit verbundenen Mehrbelastungen nicht ab, sondern suggerieren eine gleichwertige Aufteilung der Verantwortung und Care-Arbeit. Der Begriff „alleinerziehend“ drückt in der Vielfalt der Betreuungsmodelle von Trennungsfamilien die besondere Lebenslage aus, die sich aus der alleinigen Verantwortung für mindestens ein Kind im Alltag ergibt. Diese ist verbunden mit eingeschränkten Ressourcen und strukturellen Nachteilen.

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