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Für eine Enttabuisierung der Wechseljahre

Beschlüsse | 27. Juni 2025

Alle Frauen und queeren Personen, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder gesundheitlichen Voraussetzungen, müssen auch während der Wechseljahre selbstbestimmt leben können. Die Bundesregierung und die zuständigen Ministerien werden aufgefordert, sich für einen entpathologisierten, nicht-diskriminierenden und informierten gesellschaftlichen und medizinischen Umgang mit den Wechseljahren einzusetzen. Weibliche Lebensphasen – insbesondere die Menopause – dürfen nicht länger als Defizit und/oder Krankheit betrachtet und auf ihr Marktpotenzial reduziert werden.

Der Deutsche Frauenrat fordert:

  • Die Entwicklung und Umsetzung einer nationalen Informations- und Aufklärungskampagne zu den Wechseljahren in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachgesellschaften, Frauenorganisationen, Organisationen für die Bedarfe queerer Personen und den Krankenkassen. Hier sind auch bestehende Angebote für evidenzbasierte Entscheidungsfindung in Gesundheitsfragen bekannter zu machen.
  • Die Förderung von medizinischer Forschung, die die Wechseljahre aus einer nicht-pathologisierenden Perspektive betrachtet. Hier ist insbesondere die Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen und niedrigeren Dosierungen durch aussagekräftige Studien zu untersuchen. Die derzeit postulierte frühzeitige Hormontherapie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedarf ebenfalls des wissenschaftlichen Nachweises. Ebenso bedarf es mehr Forschung zum Einfluss von Sport in den Wechseljahren.
  • Die Entwicklung von Qualitätsstandards für den Umgang mit den Wechseljahren in der ärztlichen Praxis, um Fehlbehandlungen, Übermedikation oder Abwertung zu vermeiden.
  • Die Sicherstellung von Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit von sog. Menopausen-Produkten wie z.B. Menopausenarmbändern, Nahrungsergänzungsmitteln, Apps o.ä. nach evidenzbasierten Kriterien.

Zu einer gesamtheitlichen Strategie gehören aber auch Maßnahmen zur psychosozialen Versorgung sowie Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Deshalb fordert der Deutsche Frauenrat einen umfassenden bundesweiten Aktionsplan zur Enttabuisierung der Wechseljahre. Bei der Erarbeitung sollen zivilgesellschaftliche Organisationen eingebunden werden und die Bedürfnisse mehrfachdiskriminierter Frauen und queeren Personen berücksichtigt werden.

Der Aktionsplan soll enthalten:

  • Maßnahmen für einen gesellschaftlichen Wandel und Sichtbarmachung
    • Informationskampagne zu den Wechseljahren, die über soziale, psychologische und berufliche Aspekte aufklärt.
    • Gesellschaftspolitische Studie mit intersektionalem Schwerpunkt.
    • Integration von Wechseljahres-Themen in Gleichstellungsprogramme.
    • Förderung von Netzwerken zur gegenseitigen Unterstützung.
  • Maßnahmen, um Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Teilhabe zu verbessern
    • Informationskampagne und inklusive Handlungsleitfäden und Sensibilisierung für Arbeitgeber*innen der Privatwirtschaft und für den öffentlichen Dienst. Ziel ist die Etablierung einer wechseljahresfreundlichen Arbeitskultur mit offener
    • Wechseljahres-Strategie für die öffentliche Verwaltung, nach dem Vorbild aus Großbritannien oder alternativ anhand der Ergebnisse von unabhängigen Studien.
    • Arbeitsmarktpolitische Studie, um die Bedarfe von Arbeitnehmer*innen in den Wechseljahren am Arbeitsplatz zu ermitteln. Der Fokus soll auf mehrfach diskriminierten Frauen und queeren Personen und solchen in besonders prekären Arbeitsverhältnissen liegen.
    • Stärkung des Bewusstseins der Arbeitgeber*innen und Dienstherren für die Vorteile der betrieblichen Gesundheitsförderung als wichtige Säule eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements, in dessen Rahmen auch die Wechseljahre berücksichtigt
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