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Opfer weiblicher Genitalverstümmelung/-beschneidung (FGM/C) besser schützen

Beschlüsse | 27. Juni 2025

Der Deutsche Frauenrat fordert die Bundesregierung auf, bestehende Lücken in der Praxis des deutschen Asylrechts zu schließen und Opfer weiblicher Genitalverstümmelung/-beschneidung (FGM/C) besser zu schützen. FGM/C ist eine schwere Menschenrechtsverletzung mit gravierenden körperlichen, psychischen und sozialen Folgen. Zahlreiche Gerichtsentscheidungen erkennen FGM/C als Asylgrund an; auch die EU-Qualifikationsrichtlinie (2011/95/EU) stärkt die Schutzposition von Betroffenen. Das deutsche Asylrecht erkennt FGM/C als Verfolgungshandlung nach §§ 3, 3a, 3b AsylG sowie § 60 AufenthG an und bietet prinzipiell Schutz.

Trotz klarer Gesetzeslage bestehen Lücken in der Praxis:

  • Informationsdefizite bei Antragstellerinnen
  • Mangel an Expertise beim BAMF, der zu einer Unterschätzung der gesundheitlichen und psychischen Folgen sowie zu fehlerhaften Asylentscheidungen führt
  • Problematische Anhörungsverfahren, wenn Betroffene FGM/C nicht selbst thematisieren

Der Deutsche Frauenrat fordert:

  • Einen Perspektivwechsel – Betroffene dürfen nicht länger übersehen, instrumentalisiert oder entmündigt werden. Das Thema soll in der deutschen Asyl-, Gesundheits- und Sozialpolitik besser berücksichtigt werden.
  • Die Schließung rechtlicher Lücken und eine Verbesserung der Asylpraxis – Gesundheit, Würde, Sicherheit und Teilhabe von FGM/C-Opfern müssen ins Zentrum politischer Maßnahmen rücken.
  • Die Anerkennung von FGM/C als eigenständigem Asylgrund – unabhängig von der Gefährdung von Kindern.
  • Die verbindliche Einbindung von Ärztinnen und Beraterinnen mit FGM/C-Expertise in BAMF-Schulungen und Anhörungen.
  • Die aktive Beteiligung Betroffener – nicht nur als Zielgruppe, sondern als Mitgestalter*innen in Beratungsgremien, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. Community-basierte Bildungs-, Empowerment- und Austauschformate sind gezielt zu fördern.

Der Deutsche Frauenrat fordert ein dekoloniales, feministisch-intersektionales Verständnis von Gesundheit und Schutz. Im Fokus stehen Heilung, Wiederherstellung von Würde und echte Solidarität.

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