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Politik / Themenübersicht / Friedens-, Sicherheits- und Menschenrechtspolitik

W20 – Der frauenpolitische Dialog zur G20

Aktuelles | 30. Januar 2020

Women20 (W20) ist eine offizielle Dialoggruppe der Gruppe der Zwanzig (G20), die sich für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter in den G20-Ländern und darüber hinaus einsetzt. Seit ihrer Gründung 2015 ist der Deutsche Frauenrat zusammen mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) vom Bundeskanzleramt mandatiert, die Forderungen aus Deutschland in die W20 einzubringen. 2017 übernahmen beide Verbände unter deutscher G20-Präsidentschaft die Leitung der W20 für ein Jahr und richteten in Berlin den W20-Gipfel mit über 400 internationalen Teilnehmer*innen aus. Im Jahr 2021 werden sowohl die G20 als auch die W20 von Italien geleitet. Vorausgegangen waren Präsidentschaften von von Japan 2019 und von Saudi Arabien 2020.

Italienische W20-Präsidentschaft 2021

Italien hat die G20-Präsidentschaft 2021 unter den Titel „Planet People, Prosperity“ gestellt und auch W20 Italien öffnete sich in diesem Jahr neuen Themen. W20 konzentrierte sich 2021 auf fünf Kernthemen: Unternehmertum und Finanzen, Digitalisierung, Arbeit, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, sowie ökologische Nachhaltigkeit. Zwei weitere Bereiche wurden als Querschnittsthemen diskutiert: Kultureller Wandel und Geschlechterstereotype, sowie Gesundheit.

Aufgrund der Covid-19 Pandemie fanden die meisten Treffen virtuell statt; den Startschuss gab ein Kick-off Treffen im Februar 2021. Der W20-Gipfel selbst fand vom 13.-15. Juli 2021 in Rom hybrid statt; mit dabei waren W20-Delegierte aus der ganzen Welt. Der G20-Gipfel, das Treffen der Staats- und Regierungschef*innen, wird am 30.-31. Oktober 2021 in Rom abgehalten.

W20 hat sich auch zur Situation in Afghanistan geäußert und eine Erklärung dazu abgegeben.

W20-Delegierte kamen aus aller Welt im Juli 2021 zum W20-Gipfel in Rom. Mit dabei von der deutschen Delegation DF-Mitarbeiterin Caroline Ausserer und VdU-Geschäftsführerin Evelyne de Gruyter (8. und 7. v.l.). Im Bild ebenso UN-Women stv. Direktorin Anita Bhatia (11.v.l.) inmitten von W20-Sherpa Martina Rogato (Mitte, in Rot) und W20-Vorsitzenden Linda Laura Sabbadini (9.v.r.).

Saudi-Arabische W20-Präsidentschaft 2020

W20 2020 Kick Off in Riad: DF-Referentin Juliane Rosin mit ihren saudischen Mitstreiterinnen

Saudi-Arabien hat 2020 weiter auf die vergangenen Dialoge aufgebaut und diskutiert erneut Gerechtigkeit in der Arbeits- und Finanzwelt sowie in der digitalen Transformation (Labour Equity, Financial Equity & Digital Equity). Ergänzt wird der Dreiklang durch das neue Thema „Gleichberechtigte Teilhabe“ (Inclusive Decision Making). Hier möchte die Präsidentschaft den internationalen Dialog nutzen, um gemeinsam den Anteil von Frauen in allen gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen des Lebens (Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst) zu erhöhen. Begleitet von skeptischen Blicken der ganzen Welt nutzte die saudische Regierung die eigene Präsidentschaft, um große Veränderungsprozesse im Land zu bewerben: In der Millionenstadt Riad entsteht erstmals ein öffentliches Metronetz, Frauen dürfen seit 2018 Autofahren, und die Kleiderordnung wurde stark gelockert. Frauenrechte müssen in diesen Prozessen integraler Bestandteil sein; in Saudi-Arabien aber auch in der gesamten G20 und darüber hinaus. 25 Jahre nach Unterzeichnung der Pekinger Erklärung und Aktionsplattform gilt es Druck aufzubauen, um diese Prozesse nachhaltig weiter voranzutreiben und global Geschlechtergerechtigkeit weiterzubringen.

Zum Auftakt des virtuellen W20-Summits in Saudi-Arabien 2020 erinnerten die Delegierten in einer gemeinsamen Erklärung an die Errungenschaften der Pekinger Aktionsplattform vor 25 Jahren. Sie forderten u.a. die Abschaffung aller frauendiskriminierenden Gesetze, sowie uneingeschränkte Menschenrechte und volle Teilhabe für Frauen.

Die Peking+25-Erklärung der W20 2020

 

Kommuniqués

Während das Land, das die W20-Präsidentschaft innehat, damit die groben Ziele im jeweiligen Jahr setzt, werden diese Ziele und der Inhalt der Forderungen in einem internationalen Beratungsprozess verändert und angepasst. In einem breiten Dialog, unterstützt von digitalen Plattformen, Expert*innentreffen und Gesprächsrunden, werden in der W20 gemeinsame Empfehlungen zur Förderung der Gleichstellung erarbeitet. Spätestens am Tag des W20-Gipfels müssen sich die Delegierten der Frauenverbände aus den G20-Staaten in einer letzten Abstimmungsrunde auf Inhalt und Formulierungen des Abschlusskommuniqués einigen. Ergebnis ist ein im Konsens gemeinsam verabschiedetes W20-Kommuniqué, ggfs. mit darauf aufbauendem Implementierungsempfehlungen sowie Erklärungen mit anderen Engagementgruppen und Studien. Dieses W20-Kommunqué ist die Grundlage für die anschließende Interessensvertretung in den laufenden G20-Verhandlungen des Jahres – sowohl auf internationaler wie nationaler Ebene.

W20-Kommuniqués im Überblick:

Was ist die G20?

Die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist ein seit 1999 bestehender informeller Zusammenschluss aus 19 Ländern und der Europäischen Union. Die G20 stellen zwei Drittel der Weltbevölkerung, erwirtschaften rund 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und bestreiten 80 Prozent des Welthandels. Die G20 sind keine internationale Organisation mit einem eigenen Verwaltungsapparat und ständigem Sekretariat, sondern ein informelles Forum von Staats- und RegierungschefInnen. Themen für die Beschlussfassung setzt weitgehend das jeweilige Vorsitzland, das jährlich wechselt. Die G20 soll als Forum für die Kooperation und Konsultation in Fragen internationaler Wirtschaftspolitik, der Zusammenarbeit und der Krisenprävention dienen. Zur Förderung des Dialogs von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft wurden nach und nach sogenannte Engagement Groups – offizielle Dialogprozesse – als integraler Teil des G20-Prozesses benannt. Zu diesen zählt die W20.

Was ist die W20?

Die W20 entstand 2015 als sechster, offizieller zivilgesellschaftlicher Dialogprozess der G20 unter türkischer Präsidentschaft. Sie ist damit die jüngste der Engagement Groups und vertritt frauen- und gleichstellungspolitischer Interessen in der G20.

Die Ziele der W20 sind

  • Die volle wirtschaftliche und soziale Teilhabe der Frauen zu fördern
  • die finanzielle Integration und Bildung von Frauen zu sichern
  • Themen wie die Erwerbsbeteiligung von Frauen, im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit und die digitale Transformation, Entgeltgleichheit, Frauen in Führungspositionen, weibliches Unternehmertum, Zugang zum Kapitalmarkt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Bewertung von Erwerbs- und Sorgearbeit zu vertreten

Der W20-Vorsitz obliegt immer dem Land, das auch die G20-Präsidentschat innehat. Die VeranstalterInnen der W20 werden von und mit der lokalen Regierung bestimmt. Delegierte anderer Länder stammen aus repräsentativen Frauenverbänden der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Leitung der W20 Germany teilen sich der DF und der VdU, aufbauend auf dem Mandat des Kanzleramtes seit 2015. Beide Verbände richten seitdem gemeinsam Dialogforen aus, um die deutsche Zivilgesellschaft in den Entscheidungsprozess mit einzubinden. Unter deutscher W20-Leitung entstand u.a. das gemeinsame W20-Handbuch, das den Dialogprozess in Deutschland nachzeichnet. In Deutschland wird der W20-Dialogprozess vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. EMSD (Emerging Market Sustainability Dialogues) unterstützte das Projekt 2017 zusätzlich als Implementierungspartner.

Die Verbindung der W20 zur G20

Die Aufgabe der W20 ist es, die G20 durch konkrete Handlungsvorschläge, konsolidierte Interessenvertretung und Expertise zu unterstützen.

Auch beim G20-Gipfeltreffen werden die vereinbarten Ergebnisse in einem Abschlusskommuniqué festgehalten. Der Hauptteil dessen, was im Rahmen des G20-Gipfels diskutiert und vereinbart wird, wurde bereits im Vorfeld in monatelangen Beratungsprozessen ausgearbeitet. Während diesen Beratungen werden auch die Engagement Groups konsultiert bzw. bemühen sich diese, proaktiv Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen. Auf Dialogforen werden relevante Themen bearbeitet und Empfehlungen und Forderungen für die G20-Verhandlungen verfasst.

Die Forderungen aus den W20-Konsultationen in Form des W20-Kommuniqués sollen in den Monaten vor der abschließenden Gipfelveranstaltung aktiv in die G20-Verhandlungen einfließen. Die W20-Forderungen werden in regelmäßigen Gesprächen und Unterredungen mit Delegierten der Länder vertreten. Zusätzlich müssen die W20-Organisatorinnen sicherstellen, dass die W20-Schwerpunktthemen in allen G20-Prozessen vertreten sind. Während die direkte Einflussnahme auf Akteure in der G20 von großer Bedeutung ist, spielt auch die Arbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen G20-Dialogen, wie Business20 (B20), Civil20 (C20), Think20 (T20) und weiteren, eine grundlegende Rolle, da geschlechterpolitische Themen auch durch die Kommuniqués dieser Dialoge die G20 erreichen können. So vernetzen sich die Mitglieder der W20 in den zivilgesellschaftlichen G20-Dialogen und treten als Rednerinnen oder in Expertengesprächen auf, um geschlechterpolitische Themen als Querschnittsthemen zu verankern.

Der Erfolg dieser Interessenvertretung kann nur anhand weniger Indikatoren bestimmt werden. Der wohl wichtigste Indikator ist die Integration von W20-Forderungen und geschlechtsspezifischen Vereinbarungen im Allgemeinen in das finale G20-Kommuniqué der G20-Staats- und Regierungschef*innen.

W20-Handbuch (auf Englisch)

Aus dem W20-Handbuch, 2017

Verbindliche Regeln für die Rechte von Engagement-Gruppen und der W20 gibt es allerdings nicht. Wie die Beteiligten den jeweiligen G20-Prozess gestalten und inwieweit diese innerhalb dessen kooperieren können, ist je nach Präsidentschaft sehr unterschiedlich legitimiert.

Wichtig ist es nicht nur über die amtierende Präsidentschaft Einfluss auf die laufenden Verhandlungen zu nehmen, sondern auch über die Delegierten aller G20-Staaten fortlaufend den Kontakt zu den Regierungen zu halten: Die Beschlüsse der G20 entstehen im Konsens, d.h. um konkrete Forderungen in das Abschlusspapier der G20 zu integrieren, müssen alle G20-Staaten möglichen Vorschlägen der Präsidentschaft zustimmen. Gemeinsam mit dem VdU bittet der DF deswegen regelmäßig um Gespräche mit dem G20-Chefunterhändler der Bundesregierung, um die aktuellen W20-Forderungen vorzustellen und Informationen zum Stand der globalen Verhandlungen zu erhalten.

Auch zur G7 gibt es einen frauenpolitischen Dialog W7. Infos dazu hier: www.frauenrat.de/w7


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