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G20-Gipfel nimmt kaum Bezug auf Frauenrechte und Gleichstellung

Aktuelles | 27. November 2025

Das Abschlussdokument des G20-Gipfels in Südafrika, der vom 23.-24. November 2025 erstmalig auf dem afrikanischen Kontinent stattfand, enttäuscht in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit. Dies kann direkt den Auswirkungen des globalen Backlashs und geopolitischen Spannungen zugerechnet werden. So fand beispielsweise die recht neue Ministerielle Arbeitsgruppe zu Gleichstellung bei G20 (Empowerment of Women Working Group) keinen Konsens für eine gemeinsame Erklärung, da sich Argentinien weigerte, einem gemeinsamen Text zuzustimmen. Die argentinische zivilgesellschaftliche W20-Delegation hat dagegen mit einer Presseerklärung protestiert.

Abschlusserklärung trotz US-Boykotts des Gipfels

Immerhin gelang es dem Gastgeber Südafrika, trotz des Boykotts des G20-Gipfels der US-Regierung, zu einer Abschlusserklärung zu kommen, die sich stark für die Interessen des Globalen Südens einsetzt. Dem G20-Motto „Solidarität, Gleichstellung und Nachhaltigkeit“ kommt die Erklärung insbesondere mit Betonung auf faire Finanzierung von Klimafolgenkosten, Schuldenentlastung und Friedenssicherung entgegen, nicht aber mit Maßnahmen zu Gleichstellung. Im Oktober hatte der Women20-Gipfel, bei dem der DF mit dabei war, die gemeinsam erarbeiteten gleichstellungspolitischen Forderungen an die Staats- und Regierungschefs im W20-Communiqué verabschiedet.

Kritik an gleichstellungspolitischen Leerstellen

Der Deutsche Frauenrat (DF) kritisiert, dass es in der G20-Abschlusserklärung weder einen Fokus auf die Führungsrolle oder die Probleme (v.a. afrikanischer) Frauen gibt, noch Gender Mainstreaming, d. h. Gleichstellung als Querschnittaufgabe erkannt wird. Dementsprechend fehlen Frauen beispielsweise in den Bereichen Katastrophenresilienz, Verschuldung, Energie, Mineralien, Infrastruktur und Klima. Der DF bemängelt außerdem, dass Intersektionalität nicht angewandt wird und damit eine Anerkennung der Vielfalt der Frauen fehlt. Ebenso wenig gibt es Verpflichtungen zu geschlechtergerechter Haushaltsplanung oder Ressourcenzuteilung und lediglich eine schwache Rechenschaftspflicht über die Arbeitsziele hinaus.

Folgeziel nach Brisbane-Ziel vereinbart

In Bezug auf Gleichstellung der Geschlechter geht es in der G20-Abschlusserklärung u.a. um folgende Themen und Eigenverpflichtungen der G20, die teilweise recht allgemein gehalten sind:

  • Überarbeitetes Brisbane-Ziel: Das Brisbane-Ziel – die Abmachung, die Beschäftigungslücke bis 2025 um 25 Prozent zu schließen – wurde mit einem Folgeziel ersetzt, dabei geht es um 25 % Verringerung der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung bis 2030, sowie 15 % Verringerung des Lohngefälles bis 2035.
  • Verpflichtungen im Bereich der Care-Ökonomie im Rahmen des 5R-Konzepts der ILO (Recognize, Reduce, Redistribute, Reward and Represent)
  • We-Fi (Women Entrepreneurs Finance Initiative) Unterstützung für Unternehmerinnen im Care-Sektor
  • Unternehmertum von Frauen und gleichberechtigter Zugang zur Wirtschaft stärken
  • Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt
  • Anerkennung von Peking+30
  • Frauen als Friedensstifterinnen 
  • Halbierung der digitalen Kluft zwischen den Geschlechtern bis 2030
  • Frauen in MINT-Berufen

Ab 1. Dezember 2025 übernimmt die USA den nächsten G20-Vorsitz. Darauf folgen das Vereinigte Königreich (2027) und Süd-Korea (2028).

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